Falsche "Interpol-Agenten", die aus einem indischen Callcenter Menschen um ihr Geld brachten, verursachten in Österreich rund 2,7 Millionen Euro Schaden.
Nun ist dem Bundeskriminalamt (BK) in Zusammenarbeit mit der echten Interpol und einer indischen Behörde ein Ermittlungserfolg geglückt, erzählte BK-Direktor Andreas Holzer bei einer Pressekonferenz: Das Callcenter sei Ende September zerschlagen und seither keine Anzeigen zu falschen "Interpol-Agenten" mehr erstattet worden.
Auf einem vor den Journalisten abgespielten Video sieht man mehrere Personen, die in einem kleinen Raum an ihren Monitoren arbeiten. "Wie in einem ganz normalen Büro", stellte der stellvertretende Direktor des Bundeskriminalamts Manuel Scherscher fest. Opfer wurden zunächst von einem Bot angerufen und benachrichtigt, ihr Name sei bei einer Interpol-Ermittlung aufgetaucht. Drückten sie den Einser, wurden sie mit dem Callcenter verbunden. Dort handelten die Täter nach einem vorgegebenen Skriptum: Sie sprachen von Identitätsdiebstahl und warnten die Angerufenen, dass die Polizei sie festnehmen würde, sollten sie den Anweisungen nicht Folge leisten. Die Opfer sollten schließlich Gutscheine kaufen und deren Codes per Telefon durchgeben, anschließend wurde der Anruf abgebrochen.
Die Anrufe hätten im Dezember 2021
begonnen. Holzer berichtete von 1.100 Anzeigen und 387 Opfern in
Österreich, allerdings hätte das Callcenter weltweit operiert. Ein Mann,
der nach einem solchen Telefonat zur Polizei gegangen sei, wurde
schließlich auch von einem "Scambaiter", einer Person, die Betrüger
hackt und Opfer kontaktiert, angerufen. Letzterer übergab der Polizei
schließlich Hinweise, woraufhin man die Betrüger in die indische
Hauptstadt Neu-Delhi zurückverfolgen konnte.
Ende September 2022 seien das Callcenter zerschlagen und "drei Drahtzieher" festgenommen worden. Kryptowallets wurden sichergestellt, Girokonten eingefroren und 15.000 Euro den Opfern zurückerstattet. Angesichts der Schadenssumme sei das zwar nicht viel, jedoch sei das Geld in den meisten dieser Fälle unwiederbringlich weg, erklärte Holzer. Man habe einen "künftigen Schaden in Millionenhöhe" verhindert.
An die Bevölkerung appellierte Holzer, bei Anrufen dieser Art "den Mut zu haben, aufzulegen". Danach gelte es, die österreichische Polizei zu verständigen und auch das eigene Umfeld über die Betrugsmasche aufzuklären.