Der einstige Finanz-Generalsekretär und ÖBAG-Vorstandsvorsitzender Thomas Schmid soll laut Ethikrat der ÖVP aus der Partei ausgeschlossen werden.
empfohlen. Grund dafür sei dessen Geständnis schwerer Straftaten, wie es in einer Erklärung am Donnerstag hieß. Schmid hatte vor der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) auch mehrere einstige und aktuelle Funktionsträger der ÖVP schwer belastet. Seine Parteimitgliedschaft ist derzeit ruhend gestellt.
ÖVP-Ethikrat empfiehlt Parteiausschluss von Schmid
Zu Schmids Aussagen vor den Ermittlern hielt der Ethikrat - er tagte zur Causa bereits am Mittwoch - fest: "Eine solche Vorgangsweise hat jetzt und in Zukunft für alle vergleichbaren Fälle erwiesenen schweren Fehlverhaltens zu gelten." Die Wortwahl in Schmids Chats sowie der darin offenbarte "mangelnde Respekt" seien "völlig unangemessen und abzulehnen" und widersprächen zudem dem Verhaltenskodex, heißt es in der Erklärung.
Festgehalten wurde vom Ethikrat aber auch, dass es sich dabei um nicht öffentlich getätigte Äußerungen handelte, die ohne Beachtung von Datenschutz und Privatsphäre öffentlich gemacht worden seien. "Vor allem wurden sie auch ohne Rücksicht auf sämtliche Begleitumstände und aus dem Zusammenhang gerissen öffentlich."
Entschuldigung von Schmid zur Kenntnis genommen
Der
ÖVP-Ethikrat nahm aber auch die erfolgte Entschuldigung Schmids zur
Kenntnis und erwartet nun, "dass ein derartiger Umgangston künftig nicht
nur unterlassen wird, sondern dass vielmehr ein respektvoller
Umgangston auch in der privaten Kommunikation von Funktionsträger*innen
gepflogen wird".
Die von der WKStA untersuchten Sachverhalte, die auch mehrere aktive sowie ehemalige ÖVP-Politiker und -Politikerinnen betreffen, beurteilt der Ethikrat nicht, denn: "Diesbezüglich hat auch die Unschuldsvermutung zu gelten." Man werde aber die weitere Entwicklung "aufmerksam beobachten und begleiten". Aus den derzeit verfügbaren Informationen seien auch "keine neuen Sachverhalte hervorgegangen", hält der Ethikrat fest.
ÖVP-Ethikrat hofft auf rasche Klärung in Causa Schmid
"Mit Genugtuung" hat der
Ethikrat außerdem die "klaren Aussagen" von Parteichef und Bundeskanzler
Karl Nehammer zur Kenntnis genommen ("Die, die gefehlt haben, müssen
dafür die Konsequenzen tragen."). Über strafrechtliche Verfehlungen
werde die unabhängige Justiz zu entscheiden haben. "Der Ethikrat spricht
die Hoffnung aus, dass hier so rasch wie möglich Klarheit geschaffen
wird", heißt es in der Erklärung. Genausowenig wie es eine
Generalabsolution geben könne, dürfe es aber einen Generalverdacht
geben.
Der Ethikrat appelliert in seiner Erklärung daher "an alle, einen möglichst sachlichen und differenzierten politischen Diskurs zu führen und in den Aussagen Respekt vor dem Menschenrecht auf Unschuldsvermutung zu haben". Generell erfüllt das Gremium das gegenwärtige politische Klima "mit Besorgnis". Der Vertrauensverlust in die Politik im Allgemeinen könne "angesichts der multiplen krisenhaften Herausforderungen zu einem gefährlichen demokratischen Erosionsprozess führen, der Extremismen, Radikalismen und unheilvolle Polarisierung fördert".
"Ehrlicher Neubeginn" wäre wünschenswert
Gesetzliche Maßnahmen sind für den ÖVP-Ethikrat nur eine
mögliche Konsequenz aus den diversen Causen. Entscheidend sei auch die
politische Kultur des Umgangs miteinander: "Die besten gesetzlichen
Regeln können nicht allein eine gute politische Kultur schaffen, sondern
diese müssen von den Akteur*innen mit Leben erfüllt werden. Es sollte
daher das Anliegen aller am demokratischen Prozess Beteiligten sein,
"Maß und Mitte zu halten und zu stärken, aufeinander zuzugehen und
Achtung voreinander zu haben". Ein "ehrlicher Neubeginn" wäre daher
"höchst wünschenswert".
Eine weitere Empfehlung geht daher an alle Mitbewerber: "Eine Möglichkeit aus der Sicht des VP-Ethikrates könnte es sein, dass auch die anderen politischen Parteien Verhaltenskodices erarbeiten und anwenden und dass es darüber einen parteiübergreifenden Austausch und Diskurs gibt." Hier habe die Volkspartei mit der Schaffung des Ethikrates 2012 unter der Ägide des damaligen Obmannes Michael Spindelegger eine "vorbildhafte Pionierfunktion".
Der Ethikrat
hatte sich zu den Korruptionsermittlungen gegen die ÖVP und (frühere)
Spitzenrepräsentanten seit Oktober 2021 nicht mehr geäußert. Damals
hatte das Gremium die in den Schmid-Chats bekannt gewordenen Aussagen
von Ex-Kanzler Sebastian Kurz kritisiert. Vorsitzende des fünfköpfigen
Rates ist die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic.