Der Prozess um versuchten Mord durch einen Halsstich im Anschluss an einen Deutschkurs am 12. Juli 2022 in Wien, wurde auf den 9. Jänner vertagt. Es müssen weitere Zeugen befragt werden.
Im Anschluss an einen Deutschkurs ist es Wien zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen zwei aus Syrien stammenden Männern gekommen. Ein 22-Jähriger musste sich am Mittwoch wegen versuchten Mordes am Landesgericht verantworten, weil er einem gleichalten Landsmann ein Klappmesser drei Mal in den Hals, die linke Achsel und die Brust gestochen hatte. Das Opfer überlebte mit Glück und dank des beherzten Eingreifens eines weiteren Kurs-Teilnehmers.
Halsstich bei Deutsch-Kurs: Prozess um versuchten Mord vertagt
Laut
Anklage waren Hänseleien das Motiv für die Gewalttat. "Das Opfer war
besonders ehrgeizig und machte bessere Fortschritte als der Angeklagte",
berichtete die Staatsanwältin. Der junge, lernbegierige Syrer war der
Klassenbeste im Deutsch-Kurs, sein Landsmann nannte ihn deshalb einen Streber, dieser konterte mit dem Vorwurf der Faulheit.
Angeklagte bezeichnete den Niedergestochenen als "hochnäsig"
"Ich
habe jedem geholfen", versicherte der Niedergestochene als Zeuge den
Geschworenen, "er hat gesagt, ich bin hochnäsig." Darauf habe er dem
Angeklagten erklärt, "dass er besser lernen hätte können". Dieser sei
aber "einfach faul" gewesen, was er ihm auch ins Gesicht gesagt habe.
Das habe zu einem Streit geführt: "Ich wollte, dass wir die Sache aus
der Welt schaffen." Die Rangelei, im Zuge derer beide Männer aufeinander einschlugen, wurde von anderen Kurs-Teilnehmern aufgelöst.
Angeklagter zückte ein Klappmesser und stach auf 22-Jährigen ein
Als
das Ganze schon befriedet schien, zückte der Angeklagte ein
Klappmesser, das er seiner Darstellung zufolge stets zum Obstschneiden
mit sich führt, und lief zum 22-Jährigen zurück, um auf diesen
einzustechen. "Er hat mich äußerst provoziert. Ich habe die Nerven
verloren, ich habe die Fassung verloren", schilderte der Angeklagte. Er
beteuerte: "Ich habe nie im Sinn gehabt, jemanden zu verletzen oder gar zu töten." Er habe dem anderen Mann "Angst machen" wollen.
Messerstecherei von mehreren Kurs-Teilnehmern beobachtet
Die
Messerstiche wurden von mehreren Kurs-Teilnehmern beobachtet, das Blut
soll regelrecht aus dem Hals des Opfers gespritzt sein. Der 22-Jährige
wurde lebensgefährlich verletzt. Ein beherzter Augenzeuge dürfte ihm das
Leben gerettet haben, indem er ihn aus der Gefahrenzone brachte, in ein
nahe gelegenes Cafe schleppte und Polizei und Rettung verständigte.
Stich in Hals verletzte die innere Halsschlagader laut Mediziner
Wie
Gerichtsmediziner Nikolaus Klupp ausführte, wurden bei dem Stich in den
Hals die Drosselvene und die innere Halsschlagader beschädigt. Der
Stich in die Achsel verfehlte wiederum nur knapp die Hauptschlagader.
Hätte die Rettungskette nicht funktioniert, wäre ohne die dadurch
ermöglichte rasche Notoperation mit dem Ableben des 22-Jährigen zu
rechnen gewesen. Eine auffallende Narbe am Hals mit deutlich sichtbarer
Wulstbildung wird den jungen Mann aber auf seinem weiteren Lebensweg
begleiten, sagte Klupp.
Prozess wegen Befragungen von weiteren Zeugen auf Jänner vertagt
Da nach Ansicht des Gerichts noch weitere Zeugen benötigt werden, wurde die Verhandlung auf den 9. Jänner vertagt. Dem bisher unbescholtenen Angeklagten drohen bei einem anklagekonformen Schuldspruch zehn bis 20 Jahre Haft.