Verfassungsrechtliche Bedenken bezüglich einer Beteiligung Österreichs an der geplanten europöischen Raketenabwehr "Sky Shield" äußerte die SPÖ am Mittwoch.
"Ich erwarte eine umfassende Analyse des Verfassungsdienstes, ob eine Beteiligung an der "Sky Shield"-Initiative auch mit der Neutralität konformgeht", teilte SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer am Mittwoch in einer Aussendung mit. Ohne klare Bewertung dürfe Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) "jedenfalls nicht handeln".
Neutralität muss bei Beteiligung an EU-Raketenabwehr gewahrt bleiben
Tanner hatte am Dienstag beim EU-Verteidigungsministertreffen in Brüssel das grundsätzliche Interesse Österreichs an der Initiative deponiert, sich aber für eine Diskussion im Rahmen der EU und nicht der NATO stark gemacht. Der Austausch solle zunächst auf technischer Ebene stattfinden, auch eine verfassungsrechtliche Prüfung sei noch notwendig.
Laimer bewertete Teilnahme an Initiative für sinnvoll
Laimer
bewertete die Überlegungen für eine Teilnahme an der Initiative
grundsätzlich als sinnvoll. "Wenn es einen gesamteuropäischen
Raketenschutzschild gibt, wird Österreich wohl oder übel darunterfallen.
Eine Teilnahme an der Initiative wäre - solange sie
neutralitätspolitisch abgesichert ist - eine gute Idee. Durchschummeln
wollen wir uns nicht", sagte er. Zugleich betonte er, dass "Sky Shield"
nicht als Vorwand dienen sollte, die Selbstverteidigungsfähigkeit
Österreichs nicht auszubauen. "Die Luftraumverteidigung ist unsere
Aufgabe, wir haben uns auch selbst darum zu kümmern."
Sky Shield soll ABwehr von ballistischen Raketen garantieren
Sky Shield
soll nach bisherigem Stand für die europäischen NATO-Staaten eine Abwehr
von ballistischen Raketen und Drohnen garantieren. Neben Deutschland
sind Großbritannien, die Slowakei, Norwegen, Lettland, Ungarn,
Bulgarien, Belgien, Tschechien, Finnland, Litauen, die Niederlande,
Rumänien, Slowenien und Estland dabei.
FPÖ mit scharfer Kritik an der europäischen Weichenstellung
Die FPÖ bekräftigte indes
ihre scharfe Kritik an den rüstungspolitischen Weichenstellungen der
Europäischen Union im Ukraine-Krieg. Parteichef Herbert Kickl und
Europasprecherin Petra Steger erneuerten am Mittwoch in einer Aussendung
ihre Forderung, den EU-Mitgliedsbeitrag und die Beiträge für die
EU-Friedensfazilität auszusetzen, weil dort "zwar Frieden draufstehe,
aber auch Kriegsgerät drin" sei. Waffenlieferungen für die Ukraine
würden nämlich "nur weiteres Leid" verursachen und "massives
Eskalationspotenzial" besitzen, weil sich die EU dadurch "immer mehr
selbst auf den Weg zur Kriegspartei begibt". Zudem würde sich durch die
Waffenlieferungen nur die US-Rüstungsindustrie "die Taschen voll"
machen. "Das ist völlig absurd, ein neutrales Land wie Österreich darf
bei so etwas nicht mitmachen", erklärten die beiden FPÖ-Politiker.
Europäische Union mit Waffenlieferungen an Ukraine
Die
Europäische Union steht ihrer Beitrittskandidatin Ukraine unter anderem
mit Waffenlieferungen in der Selbstverteidigung gegen den russischen
Eroberungskrieg zur Seite. Österreich hat den Beschluss entsprechender
Programme durch eine sogenannte "konstruktive Enthaltung" ermöglicht,
sieht seine Neutralität aber dadurch gewahrt, dass es explizit keine
tödliche Ausrüstung an die Ukraine liefert.