Am Mittwoch forderten sowohl die Arbeiterkammer (AK), als auch die Mietervereinigung abermals eine Entlastung der Mieterinnen und Mieter in Österreich.
Anlässlich der im Dezember anstehenden dritten Erhöhung der Kategoriemieten im heurigen Jahr, fordern sie eine Mietpreisbremse und die sofortige Umsetzung von fünf Maßnahmen, die im aktuellen Regierungsprogramm vorgesehen sind, darunter etwa das Bestellerprinzip bei Maklerprovisionen.
Mietpreisbremse als Entlastung von AK und Mietervereinigung gefordert
Die Kategoriemieten für bestehende Verträge steigen laut AK im Dezember abermals um 5,6 Prozent. Nach einer Erhöhung um rund 5 Prozent im April, und nochmals um rund 5 Prozent im Juni, ergebe sich daraus insgesamt ein Mieterhöhung um rund 17,5 Prozent in sieben Monaten (von 3,60 Euro auf 4,23 Euro pro Quadratmeter für Kategorie A). Betroffen seien davon bundesweit rund 252.000 Mieterinnen und Mieter.
Saftige Erhöhung bei frei vereinbarten Mietverträgen 2022
Auch bei den Richtwertmieten und bei frei vereinbarten Mietverträgen habe es 2022 teils saftige Erhöhungen geben. "Wir haben ausgerechnet, dass sich die Mieterhöhungen heuer auf rund 400 Millionen Euro summieren werden", sagte AK-Wohnpolitikexperte Lukas Tockner am Mittwoch in einem Pressegespräch. Insgesamt seien 1,8 Millionen Mieterinnen und Mieter davon betroffen, die Hälfte davon lebe in Wien.
Werden Schwellenwerte übertreten, darf die Miete erhöht werden
Sogenannte
Wertsicherungsklauseln seien nicht nur in jenen Verträgen enthalten,
die dem Mietrechtsgesetz unterliegen, sondern auch in allen anderen
Verträgen, sagte die Vorsitzende der Mietervereinigung, Elke
Hanel-Torsch. Dabei handle es sich um Schwellenwerte für die Inflation,
in der Regel von drei oder fünf Prozent, bei älteren Verträgen auch zehn
Prozent. "Immer wenn diese Schwellenwerte überschritten werden, darf
eine Mietzinserhöhung durchgeführt werden." Auch bei frei vereinbarten
Mietverträgen habe es demnach heuer zwei bis drei Erhöhungen gegeben.
"Hier sind uns als Mietervereinigung die Hände gebunden", sagte
Hanel-Torsch.
"Bei privaten Vermieterinnen klingeln die Kassen"
"Bei den privaten Vermieterinnen und Vermietern
klingeln die Kassen", so Trockner. Zwischen 2008 und 2021 seien die
Mieteinnahmen rund dreimal so stark gestiegen wie das
Wirtschaftswachstum. Mit den heurigen Erhöhungen summiere sich die
Steigerung bei den Mieteinnahmen seit 2008 auf 123 Prozent, rechnete der
der AK-Experte vor.
Thomas Ritt: "Wohnen gehört reguliert und muss leistbar sein"
"Wohnen gehört reguliert und muss leistbar
sein", sagte Thomas Ritt, Leiter der Abteilung Kommunal und Wohnen in
der AK. Die Arbeiterkammer und die Mietervereinigung fordern deshalb
eine Mietpreisbremse, bei der die Mieten nicht öfter als einmal im Jahr
und um maximal 2 Prozent erhöht werden sollen. Langfristig sei
allerdings eine Reform des gesamten Mietrechts notwendig, das dann für
alle Neu- und Altbauwohnungen gleichermaßen gelten soll.
AK und Mietervereinigung fordern Umsetzung von Maßnahmen
Darüber
hinaus wollen AK und Mietervereinigung die Umsetzung von Maßnahmen, die
bereits im Regierungsprogramm vorgesehen sind. Dort gebe es 45 Maßnahmen
zum Thema Mieten und Wohnen, wovon bisher keine umgesetzt worden sei,
so Ritt. AK und Mietervereinigung verweisen im speziellen auf fünf
Maßnahmen, die Mieterinnen und Mieter kurz- und mittelfristig Entlastung
verschaffen könnten: Das Bestellerprinzip bei Maklerprovisionen, eine
Bevorzugung des geförderten Wohnbaus auf Grundstücken der öffentlichen
Hand, eine wirksame Leerstandsabgabe auf Bundesebene, die Einschränkung
von Kurzzeitmieten (wie etwa über Airbnb) und die Abschaffung von
befristeten Mietverträgen.
Kosten bei Mieten würden nicht im Ausmaß der Inflation ansteigen
Zur Mietpreisbremse sagte Ritt: "Wir
sehen, dass die Branche vor allem Kosten im Kapitalsektor hat, in der
Fremdfinanzierung." Diese Kosten würde nicht im Ausmaß der Inflation
ansteigen, und auch die Energiekosten würden zur Gänze von den
Mieterinnen und Mietern getragen. Deshalb wäre eine Erhöhung der Mieten
um maximal 2 Prozent pro Jahr aus Sicht der AK "durchaus ausreichend,
dass es hier zumindest keine Verluste gibt".