Trotz des Widerstands beim Koalitionspartner ÖVP halten die Grünen an dem bald seit zwei Jahren überfälligen Klimaschutzgesetz fest.
"Dieses Brett werden wir auch noch durchbohren", sagte Klimasprecher Lukas Hammer auf APA-Anfrage. Die ÖVP, die sich wiederholt ablehnend gezeigt hat, drängte er zur Pakttreue. Die Grünen wollen dafür auf Elemente aus ihrem ursprünglichen Entwurf verzichten. Bei der Volkspartei bleibt man dennoch skeptisch.
Steuererhöhungen als Notbremse bei verfehlten Klimazielen
Konkret geht es da etwa um die von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) als "Notbremse" geplanten automatischen Steuererhöhungen etwa der Mineralölsteuer (MöST), wenn Klimaziele verfehlt werden. Dies war auf breite Ablehnung nicht nur bei der ÖVP gestoßen. Nun wollen die Grünen das weglassen und sich strikt entlang der bereits im Koalitionsabkommen und im Entschließungsantrag zum Klimavolksbegehren gemeinsam beschlossenen Linie bewegen.
Gesetz mit verbindlichen Emissionsreduktionspfaden
Demnach
soll ein Gesetz mit verbindlichen Emissionsreduktionspfaden
entsprechend den Pariser Klimaschutzzielen kommen, auch um drohende
Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu vermeiden. Festlegen will man darin,
die Republik bis 2040 klimaneutral zu gestalten, mit
Emissionshöchstwerten für jedes Jahr. Bis 2030 soll der Nettoausstoß halbiert werden, zehn Jahre später will man bei netto Null anlangen.
Grüne halten an Klimaschutzgesetz fest
Das
alte Gesetz, das die Treibhausgasbudgets pro Jahr festlegte, ist Ende
2020 ausgelaufen. Es war unter einer rot-schwarzen Mehrheit paktiert
worden - und es sei, so Klimasprecher Hammer, "wirkungslos" gewesen. Mit
der Neuregelung
wolle man nun Verbindlichkeit schaffen, und zwar für den Bund und die
Bundesländer. Auch zukünftige Regierungen egal in welcher
Zusammensetzung müssten dann Klimaschutzmaßnahmen entsprechend der
Emissionshöchstvorgaben setzen, so Hammer. Sein Beispiel für diese
Bindung: "Dass sie weiterhin daran festhalten, dass die Lobauautobahn
nicht gebaut wird, weil sich das sonst nicht ausgeht."
Schmuckenschlager will sich nicht auf Verbindlichkeiten einlassen
ÖVP-Klimasprecher
Johannes Schmuckenschlager will sich auf solche Verbindlichkeiten aber
nicht einlassen. "Gesetze zu bauen, die bis in die Zukunft weitere
Regierungen binden, das wäre auch im Demokratieverständnis falsch",
sagte er zur APA. Ein "No-Go" sei für ihn auch die Aufnahme des
Klimaschutzes in die Verfassung. Eine Maßnahme wie die (wegen der Gasknappheit geplanten) Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks Mellach hätte dann mit einer Verfassungsklage zu rechnen.
Klimaneutralität sei gemeinsames Ziel
Ob
das Gesetz bei solch entgegengesetzten Positionen überhaupt noch eine
Chance in dieser Legislaturperiode habe, beantwortete Schmuckenschlager
zurückhaltend: "Da tue ich mir schwer, das ist nicht leicht." Verhandelt
werde aber, "und wenn Signale der
Grünen da sind, uns entgegenzukommen, dann ist das natürlich positiv."
Wichtiger als Zielfestlegungen seien ihm aber Umsetzungsmechanismen, und
da tue sich sehr viel: Etwa bei der erneuerbaren Energie und der erneuerbaren Wärme. Die Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 sei ein gemeinsames Ziel der Regierung, unterstrich Schmuckenschlager. Das Klimaschutzgesetz habe dabei "nur nicht diese oberste Priorität".
Umweltministerium steht weiter hinter Klimaschutzgesetz
Im Umweltministerium steht man jedenfalls weiter hinter dem Plan. "Das Klimaschutzgesetz befindet sich aktuell in regierungsinterner Abstimmung. Unser Ziel ist natürlich eine möglichst rasche Begutachtung", hieß es schriftlich zur APA: "Schließlich ist es weiterer wichtiger Baustein im Kampf gegen die Klimakrise, für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern und gibt den Weg zur Klimaneutralität bis 2040 für Österreich vor." Dies gehe vom Reduktionspfad für die CO2-Emissionen bis zur Beteiligung für Bürger:innen und der Wissenschaft. "Ganz zentral ist auch die gemeinsame Verantwortung zwischen Bund und Ländern für die Einhaltung unserer Klimaziele. Wir brauchen Verbindlichkeit - damit wir unsere Ziele auch einhalten. Und klare Lösungen dafür, was passiert wenn wir die Ziele verfehlen."