Das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist für Säuglinge und Senioren lebensgefährlich. Jetzt soll eine neue Pfizer-Impfung von Schwangeren, Neugeborene zuverlässig schützen.
Eine neuer Impfstoff, den man Schwangeren verabreicht, kann Säuglinge vor dem Synzytial-Virus schützen. In einer Wirksamkeitsstudie schützte die Impfung von Schwangeren mit einer neuen Vakzine (Pfizer) Neugeborene zuverlässig. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat einen Impfstoff für Betagte bereits in Zulassung.
Pfizer-Impfung von Schwangeren schützt Säuglinge vor Virus
"Die Wirksamkeit der Vakzine in der Verhinderung von schweren und mit der Notwendigkeit einer medizinischen Intervention verbundenen RSV-Erkrankung bei Neugeborenen innerhalb der ersten drei Lebensmonate betrug 81,8 Prozent. In den ersten sechs Lebensmonaten lag sie sie bei 69,4 Prozent. Der RSVpreF-Kandidatimpfstoff wurde gut vertragen. Es gab sowohl für die Geimpften als auch ihre Babys keine Bedenken bezüglich der Sicherheit", teilte Pfizer vor einigen Tagen zum Thema Impfung von Schwangeren mit.
Impfkonzept: Schwangere übertragen Antikörper auf Babys
Das Impfkonzept ist bemerkenswert: Durch die Immunisierung von Schwangeren soll via Übergang der dadurch entstandenen Antikörper der werdenden Mütter auf die Ungeborenen ein Schutz gegen die Viren entstehen, die zu schweren Atemwegserkrankungen führen können. Dieses Konzept wurde in der nun beendeten Zulassungsstudie erprobt. In dieser Matisse-Untersuchung (MATernal Immunization Study for Safety and Efficacy) wurden in 18 Ländern rund 7.400 Schwangere auf eine Einmaldosis mit 120 Mikrogramm der Vakzine oder einem Placebo per Zufallsauswahl geimpft. Das erfolgte im späten zweiten oder im dritten Schwangerschaftsdrittel. "Die Studie wurde im Juni 2020 begonnen und erfasste damit mehrere Erkrankungswellen", schrieb jetzt das Deutsche Ärzteblatt. RSV-Erkrankungswellen sind typisch für die kältere Jahreszeit, oft bereits mit Herbstbeginn.
Entwicklung von RSV-Impfstoffen mit tragischen Zwischenfällen
Der Entwicklung solcher RSV-Impfstoffe gingen viele Jahre intensiver Forschungen mit in einem Fall tragischen Zwischenfällen voran. Den entscheidenden Fortschritt bei der Suche nach geeigneten Antigenen erbrachte die Molekularbiologie. Wirksamkeit und Nebenwirkungen bei den Schwangeren und ihren Kindern hängen nämlich von der Form der verwendeten Proteine ab. Bei der Suche nach dem Protein, das als Antigen für RSV-Impfstoffe dienen könnte, wurde vor einigen Jahren das RSV-Fusionsprotein (F) identifiziert, welches das Verschmelzen von Virushülle mit der Zellmembran bei der Infektion vermittelt. Im Jahr 2000 stieß man bei elektronenmikroskopischen Studien auf ein interessantes Detail: RSV-F existiert in zwei Formen, in einer Struktur vor der Fusion und einer anderen Struktur nach der Fusion.
"Das Protein verändert sich und
faltet sich neu. Während das erfolgt, kommt es zum Verschmelzen von
Virus und Zellmembran", sagte dazu Jason McLellan, Strukturbiologe der
Universität Austin (Texas/USA) Anfang des Jahres in einem Gespräch mit
"Science". Spanische Wissenschafter bewiesen schließlich, dass das
Prä-Fusionsprotein von RSV am besten geeignet ist. In der
Pfizer-Kandidat-Vakzine sind RSV-Prä-Fusionsproteine von zwei
RS-Virusvarianten enthalten.
23 Kinder im Jahr 1965 trotz Impfung schwer erkrankt
Katastrophale Ereignisse mit einer
Kandidat-Vakzine hatte es im Jahr 1965 gegeben. Damals bekamen 31 Babys
im Rahmen einer Studie der US-Gesundheitsinstitute (NIH) eine Hitze- und
Formalin-inaktivierte Totimpfstoff-Vakzine. Doch 23 der Kinder im Alter
zwischen zwei bis sieben Monaten wurden trotzdem infiziert, 18 mussten
ins Spital. Zwei der Kinder starben. In einer Kontrollgruppe gab es nur
einen Infektionsfall. Schließlich stellte sich heraus, dass die Impfung
mit der damaligen Ganzvirus-Totvakzine - die neuen Impfstoffe enthalten
nur einzelne Proteine - die Kinder offenbar empfindlicher für die
RS-Viren gemacht hatte. Die Hitze- und Formalin-Inaktivierung führte zu
einer Umgestaltung des F-Eiweißes in die Post-Fusions-Gestalt. Ein
immunologischer Schutz trat nicht ein, gleichzeitig führte die Impfung
zu besonders schweren Krankheitsverläufen.
Probleme bei neuen Impfstoffen durch Prä-Fusionsproteine gelöst
Solche Probleme sind jetzt durch die Verwendung von Prä-Fusionsproteinen in den neuen Impfstoffen ausgeschlossen. Pfizer will jetzt die Zulassung seines Impfstoffes bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Parallel dazu laufen Studien mit der Vakzine bei Senioren. Für diese Altersgruppe hat auch der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) einen Impfstoff entwickelt, der sich in klinischen Studien bewährt hat und derzeit von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) auf seine Zulassung geprüft wird. Bei den Erwachsenen soll die Vakzine natürlich direkt Schutz bieten, bei den Säuglingen über den "Umweg" ihrer Mütter.
RSV-Virus ist vor allem für Kinder im ersten Lebensjahr gefährlich
"Die
jährlichen RSV-Epidemien sind vor allem für Kinder im ersten Lebensjahr
gefährlich. Die Säuglinge erkranken an einer sogenannten Bronchiolitis,
die eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gefährden kann. In den
Wintermonaten kommt es deshalb zu einem Anstieg der Hospitalisierungen
und Intensivbehandlungen", hieß es im Deutschen Ärzteblatt.
Vor
allem Frühgeborene und Neugeborene sind gefährdet. Bei einem angeborenen
Herzfehler verlaufen nach Angaben des deutschen Robert-Koch-Instituts
(RKI) etwa fünf Prozent der Erkrankungen tödlich.