Den Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft will die Wiener SPÖ erleichtern.
Einen entsprechenden Beschluss hat man am Samstag in der so genannten "Wiener Konferenz" gefällt. Wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Gespräch mit der APA erläuterte, sind vor allem Personen aus Niedriglohnberufen Zielgruppe der Pläne, da sie oft an finanziellen Hürden scheitern. Auch eine kürzere Wartefrist ist für den Stadtchef denkbar. ÖVP und FPÖ sind empört.
Wiener SPÖ will das Erlangen der Staatsbürgerschaft vereinfachen
Ludwig will in Sachen Staatsbürgerschaft, wie er formuliert, "den sozialen Gedanken einfließen lassen". Jeder Fünfte in Österreich und jeder Dritte in Wien sei nicht wahlberechtigt und das hänge oft damit zusammen, dass die finanziellen und bürokratischen Hindernisse zu hoch seien.
Passus wonach monatlich 933 Euro zur verüfung stehen müsse sei schwer zu erfüllen
Vor
allem jener Passus, wonach man nach Abzug aller Fixkosten monatlich
über 933 Euro verfügen müsse, sei für bestimmte Berufsgruppen unmöglich
zu erfüllen. Das seien oft jene, die gerade jetzt alles am Laufen
hielten, etwa Pflegekräfte oder Reinigungspersonal. Letztere Gruppe habe
zu 90 Prozent keine österreichische Staatsbürgerschaft, bei
Hilfsarbeitern seien es 80 bis 90 Prozent.
Zugang zur Staatsbürgerschaft sei laut Ludwig "sozial ungerecht"
So ist es für den
Bürgermeister "sozial ungerecht", dass gut Verdienende oder Investoren
viel leichter zur Staatsbürgerschaft kämen als Personen in
Niedriglohn-Branchen. Wie viel aus seiner Sicht eine passende
Einkommensgrenze wäre, wollte Ludwig noch nicht sagen. Sie müsse aber
realistisch erreichbar sein. Man könnte hier auch mit
Krankenversicherungsdaten arbeiten, um sicher zu stellen, dass auch
Mitversicherte eingebürgert werden können.
Wiener Bürgermeister für verkürzte Wartefrist auf Staatsbürgerschaft
Was die Wartefrist auf
die Staatsbürgerschaft anlangt, kann sich der Bürgermeister eine
Verkürzung auf fünf Jahre vorstellen. Zudem ist in der "Wiener
Charta" vorgesehen, dass in Österreich geborene Kinder automatisch die
Staatsbürgerschaft erhalten, wenn ein Elternteil seit fünf Jahren legal
im Land aufhältig ist. Die Gebühren zu senken, ist für ihn auf Wiener
Ebene vorstellbar. Ludwig appellierte an den Bund, hier eben solche
Schritte zu setzen. In der Charta ist von der vollständigen Streichung
der Bundesgebühren die Rede.
Nicht an Voraussetzungen für Staatsbürgerschaft rütteln
Nicht rütteln will der Stadtchef
daran, dass die Staatsbürgerschaft Voraussetzung für die Teilnahme an
Bundes- und Landtagswahlen ist. Denkbar ist für ihn allerdings, das
Wahlrecht auf Bezirksebene auch Drittstaatsangehörigen zu gewähren -
analog zu der Regel, die bereits für EU-Bürger gilt.
ÖVP denkt nicht daran, den roten Vorstellungen zu folgen
In der ÖVP
denkt man indes nicht daran, den roten Vorstellungen zu folgen.
Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) meinte in einer Aussendung,
man werde die Staatsbürgerschaftsregeln nicht aufweichen. Die
Staatsbürgerschaft sei ein hohes Gut und stehe am Ende eines
erfolgreichen Integrationsprozesses, nicht am Anfang. Angesichts der
dramatisch hohen Asylzahlen hätten "lasche Staatsbürgerschaftsregeln"
verheerende Konsequenzen, indem ein weiterer Pullfaktor geschaffen
werde, meinte VP-Generalsekretär Christian Stocker, der den
Sozialdemokraten vorhielt, "Masseneinbürgerungen" anzustreben.
Wiener FPÖ nennt Plan der SPÖ eine "Provokation der Sonderklasse"
Als "Provokation der Sonderklasse" wertete Wiens
FPÖ-Chef Dominik Nepp die SPÖ-Pläne: "Während Asylantenbanden
Straßenschlachten veranstalten, Frauen vergewaltigen und wir derzeit mit
einer Flut von illegalen Sozialmigranten konfrontiert sind, fällt dem
Bürgermeister nichts anderes ein, diesen Personen auch noch die
österreichische Staatsbürgerschaft zu schenken und sie wählen zu
lassen", erklärte er in einer Aussendung.