Erst im Juli 2022 erfolgte die letzte Heeresreform in Österreich. Diese muss nun zum Teil wieder zurückgenommen werden.
Der Grund dafür ist, dass die Heeresreform in mehreren zentralen Punkten nicht funktioniert. Sie hat - vereinfacht gesagt - etwa dazu geführt, dass die Planungs- und Rüstungsdirektion selbstständig keine Beschaffung umsetzen können, weil sie als nachgeordnete Dienststellen aus dem Ministerium ausgelagert wurden und keine Befugnis zur Hoheitsverwaltung haben.
Damit müsste jeder Akt
- beispielsweise der Kauf von Schutzwesten - von der Ministerin
unterfertigt werden. Nun werden die Direktionen Rüstung und Planung
unter die Führung eines neuen stellvertretenden Generalstabschefs
gestellt und damit wieder Teil des Ministeriums sein. Das Ressort selbst
spricht von einer "Anpassung" und "Schwerpunktbildung". Die neu
geschaffene Stelle eines stellvertretenden Generalstabschefs wird
ausgeschrieben.
Die Rückführung dieser beiden Direktionen ins
Ministerium ist allerdings nicht die einzige Änderung, die vorgenommen
wird. Auch die Bündelung aller Personalangelegenheiten in eine zentrale
Dienstbehörde wird zurückgenommen. Beispielsweise müsste die Aufnahme
jedes einzelnen Berufssoldaten in Villach vom Ministerium genehmigt
werden. Und das ursprünglich abgeschaffte Heerespersonalamt, das etwa
für die Ausstellung von Dienstausweisen und Führerscheinen zuständig
war, wird wieder eingeführt.
Ausgearbeitet wurde die Reform
federführend vom Generalsekretär von Verteidigungsministerin Klaudia
Tanner (ÖVP), Dieter Kandlhofer. Er hat inzwischen nach fragwürdigen
Verwicklungen bei einem umstrittenen Kasernenbauprojekt am Klagenfurter
Flughafen das Ministerium verlassen. Zurückgeblieben ist eine Reform,
die von Anfang an mehr als umstritten war. Kern der Strukturreform war
eine Verkleinerung des Ministeriums. Aus fünf Sektionen in der
Zentralstelle wurden drei Direktionen, zwei davon zivil geführt: eine
für Personalführung und Budget zuständige Präsidialdirektion und eine
für Recht, Diplomatie und Kommunikation zuständige Direktion für
Verteidigungspolitik. Darüber hinaus wurde eine Direktion Revision und
Disziplinar- und Beschwerdewesen gebildet. Damit wurde im Ministerium
nur das belassen, was "zwingend notwendig" war, alles andere wurde als
nachgeordnete Dienststelle organisiert. Dieses Struktur hat sich aber
als rechtlich nicht umsetzbar erwiesen.
Kritik am Reformwesen des
Verteidigungsressorts kam am Samstag von SPÖ und Freiheitlichen. Der
rote Wehrsprecher Robert Laimer sieht die Zentralstellenreform als
"größte Blamage im Ressort Landesverteidigung in der Zweiten Republik".
Jetzt gehe es um dringende Schadensbegrenzung unter Einbeziehung von
Experten, um die Herausforderungen zu bewältigen. "Diese Reform ist als
gescheitert zu betrachten", meint Laimer. Ähnlich tönt der neue
freiheitliche Wehrsprecher Volker Reifenberger: "Das Scheitern der sich
dahinschleppenden Heeresreform war mehr als vorhersehbar." Während in
Europa ein Krieg stattfinde, sei nicht der richtige Zeitpunkt für
sinnlose und gefährliche Experimente,