Durch eine "Lex Sobotka" will die FPÖ eine Abwahl des Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotkas ermöglichen.
In der morgigen Sondersitzung bringen die Blauen einen Antrag auf eine Verfassungsänderung ein, damit der Nationalrat seinen Präsidenten auch wieder abwählen kann. Das ist derzeit nicht möglich. Außerdem stellt die FPÖ (wie auch die SPÖ) einen Misstrauensantrag gegen die Regierung und beantragt Neuwahlen.
Den Antrag auf die Verfassungsänderung begründen die Blauen mit der "moralischen Verantwortlichkeit" des Nationalratspräsidenten. "Wird diese nicht wahrgenommen, benötigt der Nationalrat rechtliche Mittel, um sein Ansehen zu schützen." Amtsinhaber Wolfgang Sobotka (ÖVP) habe durch seine "parteiische Vorsitzführung" im ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss bzw. seine Belastung durch die Aussagen des ehemaligen Generalsekretärs im Finanzministerium, Thomas Schmid, dem Amt "massiven Schaden" zugefügt, begründen die Freiheitlichen ihren Antrag. Dieser soll dem Verfassungsausschuss zugewiesen werden.
Eine Mehrheit für eine Verfassungsänderung ist
allerdings nicht in Sicht. Dazu bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit -
allein die ÖVP stellt mehr als ein Drittel der Abgeordneten.
Die
NEOS wiederum wollen bei der Sondersitzung der Regierung drei
Fristsetzungsanträge für die Umsetzung ihres Antikorruptionspakets
einbringen. Dieses liege schon seit Jahren im Nationalrat, harre aber
nach wie vor der Umsetzung. Konkret wollen die Pinken bis Mitte Dezember
Anträge zur Schließung von Lücken im Korruptionsstrafrecht, zur
Schaffung einer unabhängigen Bundesstaatsanwaltschaft sowie eines
Informationsfreiheitsgesetzes beschlossen haben.
So wollen die
NEOS auch ihr Nein zur Fortsetzung des Untersuchungsausschusses
rechtfertigen. "Im Gegensatz zur Regierung und zu SPÖ und FPÖ ist es uns
wirklich ernst mit den Reformen. Deshalb wollen wir die lange
überfälligen Veränderungen auch nicht noch weiter auf die lange Bank
schieben, indem wir den U-Ausschuss künstlich verlängern, sondern jetzt
rasch an den Reformen arbeiten", so der stellvertretende NEOS-Klubchef
Nikolaus Scherak in einer Aussendung.