Durch den Aktionsplan für Digitalisierung der Bundesregierung soll der Tourismus in Österreich wettbewerbsfähiger gemacht werden.
Der Plan gliedert sich in drei Handlungsfelder: Datennutzung, digitale Kompetenz und Verwaltung bzw. Infrastruktur. Die Österreich Werbung baut aktuell einen "Data Space Tourism" auf. Großen Nachholbedarf im Tourismus ortete Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP) bei den digitalen Fähigkeiten. Weiteres Ziel sei eine "Entbürokratisierung".
Österreichischer Tourismus soll wettbewerbsfähiger werden
Die
Selbstüberschätzung, was digitale Fähigkeiten angeht, sei in allen
Branchen "sehr groß", hielt Tursky fest. Gegensteuern wolle man mit
einer vom Finanz- und Arbeitsministerium vorangetriebenen
"Kompetenzoffensive", kündigte der im Finanzministerium tätige Tursky am
Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck an. Schließlich
setzten heutzutage neun von zehn Jobs digitale Kompetenz voraus. Rund
30 Prozent der Bevölkerung würden diese Erwartungen nicht erfüllen,
schätzte der 33-jährige Staatssekretär unter Berufung auf den
"Österreichischen Digitalen Kompetenzmonitors", mit dem die "digitale
Fitness" der Österreicherinnen und Österreicher kürzlich überprüft
worden war. "Eklatanten Aufholbedarf" ortete er vor allem in puncto
Sicherheit. In der Tourismusbranche tätige Menschen schnitten übrigens
"unterdurchschnittlich" ab.
Aktionsplan Digitalisierung greift Nutzung vernetzter Daten auf
Neben digitaler Kompetenz greife der Aktionsplan die Nutzung "relevanter, vernetzter Daten in Echtzeit" auf, erklärte die Staatssekretärin für Tourismus, Susanne Kraus-Winkler (ÖVP). Dabei gehe es vor allem um einen "dezentralen Datenaustausch", der "Datensilos" ablösen solle.
Es müsse "ein Umdenken" und eine Abkehr vom Horten veralteter Daten
stattfinden, befand die im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft
ansässige Staatssekretärin und unterstrich: "Vernetzung ist Gold." Im
aktuellen Strukturwandel hin zum Qualitätstourismus berge Digitalisierung
"erhebliche Optimierungspotenziale", ist sich Kraus-Winkler sicher. Im
Tourismusbereich würde die Österreich Werbung aktuell ein
Data-Service-Ökosystem aufbauen, das unter dem Namen "Data Space
Tourism" firmiert. Aktuell würden erste Anwendungen erprobt, wie die
Erstellung von Auslastungsprognosen, eine Besucherstromlenkung je nach
Wetterlage oder die automatische Beantwortung von Gästeanfragen.
EU forciert neuen europäischen Datenstandard
Tursky
gab in Bezug auf Datennutzung ferner zu bedenken, dass aktuell 80
Prozent aller weltweiten Daten nicht in Europa gespeichert würden, was
zu einer Abhängigkeit führe. Die EU forciere deshalb einen neuen,
souveränen und europäischen Datenstandard namens "Gaia-X". Dieses
europäische Cloud- und Dateninfrastrukturprojekt war im Oktober 2019 der
Öffentlichkeit vorgestellt worden. Es geht es darum, in Europa nicht
alternativlos auf die großen IT-Konzerne aus den USA und China
angewiesen zu sein. Für die Infrastruktur sollen bestehende Angebote über Open-Source-Anwendungen und offene Standards miteinander vernetzt werden.
Thema Verwaltung und Infrastruktur beim Aktionsplan Digitalisierung
Als drittes Handlungsfeld widmet sich der Aktionsplan
dem Thema Verwaltung und Infrastruktur mit dem Ziel einer
"Entbürokratisierung", wie Tursky unterstrich. Die Bundesregierung
verfolge das Ziel, alle Amtswege zu digitalisieren. Künftig sollten
somit auch für die Tourismusbetriebe "alle Einreichungen digital
erfolgen". Zudem würde die Rot-Weiß-Rot-Karte digitalisiert, um den
Arbeitsmarktzugang für ausländische Fachkräfte zu erleichtern.
Gerber ging auf "digitales Gästebett" ein
Der
ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Tiroler
Neo-Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) ging in diesem Zusammenhang
auf das sich gerade in Ausarbeitung befindliche und österreichweit
einheitliche "digitale Gästeblatt" ein. Damit soll
der behördliche Meldevorgang digitalisiert werden und etwa auf einem
Tablet anstatt auf Papier erfolgen. "Ein Meilenstein", wie Gerber
betonte. Er verwies darauf, dass man hier auf Tiroler Erfahrungswerte
zurückgreifen könne. Im Bundesland sei ein flächendeckendes, digitales
Meldesystem bereits im Einsatz. Ferner hob der Wirtschaftslandesrat die
Service Plattform Tirol (SEPL) hervor, die Private und Unternehmen bei
der digitalen Erledigung ausgewählter Amtswege - etwa der Erfassung von
Tourismusbeiträge - unterstütze.
NEOS-Tourismussprecherin Seidl reagierte erfreut
Erfreut reagierte NEOS-Tourismussprecherin Julia Seidl ob der Einführung des digitalen Gästeblattes, das auf einen pinken Antrag zurückgehe. Zu lange sehe man bei der Regierung im Tourismus schon einen "Reformstillstand". Dabei lägen die Vorteile auf der Hand: Betriebe würden von der Reduktion der Bürokratie profitieren und durch den geringeren Verwaltungsaufwand Kosten sparen. Zudem gebe es nützbare Daten für fundierte Tourismusforschung. "Wichtig ist, dass jetzt aber nicht hunderte neue digitale Portale auf Bundes- und Länderebene gebastelt werden", unterstrich Seidl per Aussendung.