Tirols Landeshauptmann Anton Mattle fordert schnellere und bessere Asylverfahren in Österreich und mehr Tempo bei der Errichtung von Anlagen zur Energiegewinnung.
Vorbild bei der Feststellung, ob es sich um Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlinge handelt, könnte Deutschland sein, "vielleicht kann man sich da was abschauen", sagte Mattle im APA-Interview. Auch bei der Energiegewinnung brauche es mehr Tempo. Etwa indem ihnen Priorität bei Widerstreitverfahren vor Gericht eingeräumt wird.
Schnellere Asylverfahren in Deutschland
In Deutschland würde schneller als in Österreich erfasst, hinterfragt und überprüft, ob Migranten aus wirtschaftlichen Gründen sich auf den Weg machen oder es sich tatsächlich um Kriegsflüchtlinge handelt, so Mattle. "Wir müssen schauen, dass wir schneller werden. Es braucht mehr Effizienz im Rahmen des Asylverfahrens", plädierte der neue Tiroler Landeshauptmann auch hierzulande für eine Optimierung. "Richtlinie" bleibe für ihn die Genfer Flüchtlingskonvention. Generell könne man in Österreich auf "sehr strenge Asylrichtlinien" aufbauen - dies solle auch so bleiben, zeigte sich Mattle abseits des Tempos mit der Migrationspolitik der Bundes-ÖVP einverstanden.
Mattle sprach sich gegen das Aufstellen von Zelten aus
Bei der Unterbringung der Asylwerber bzw. Flüchtlinge sprach sich Mattle
zwar gegen das Aufstellen von Zelten aus, sagte aber auch in Bezug auf
anderweitige Quartiere, dass es "schon notwendig ist, dass die
Bundesländer solidarisch sind". Explizite Versäumnisse bei der
Quartier-Bereitstellung sah er zwar nicht, aber vielleicht habe man bei
den Ukraine-Vertriebenen in den vergangenen Monaten "im guten Gauben" zu
sehr den Fokus darauf gelegt, dass sie schon wieder ehestmöglich
heimkehren können. Dies sei aber nicht der Fall, da sich der Krieg
leider "noch grausamer" entwickelt habe.
"Tirol erneuern" ist das Ziel von Mattle
"Tirol erneuern" - dies ist das dezidierte Ziel von Mattle und seinem SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer. Ein wesentliches Element davon ist das Thema Energie. Hier ortete Mattle Verbesserungsbedarf, was das Tempo der Errichtung von Anlagen zur Energiegewinnung betrifft, nicht nur, aber vor allem bei der in Tirol zentralen Wasserkraft. Einerseits gehe es darum, UVP-Verfahren schneller
abzuwickeln, aber das sei nur ein Teil. "Vieles hakt auch an der Dauer
der Widerstreitverfahren, bei denen es unterschiedliche
Interessensgruppen mit unterschiedlichen Interessenslagen gibt", so der
Landeshauptmann. Darum plädiere er dafür, dass "alle Maßnahmen, die mit
der Energiewende zu tun haben", vor Gericht im Zuge der Verfahren zwar nach wie vor ordentlich, aber "prioritär" behandelt und damit schneller zu einem Ende gebracht werden, denn: "Die Wartezeiten auf die Verfahren sind einfach zu lange."
Mattle will Priorität bei der Energiegewinnung
Ansonsten sah Mattle
Tirol in Bezug auf die Energiewende auf einem guten Weg. Neben dem
konsequenten Ausbau der Wasserkraft, hatten sich die schwarz-roten
Neo-Koalitionäre im Regierungsprogramm vor
allem den Ausbau der Sonnenenergie zum Ziel gesetzt. Hier sei Tirol
noch Schlusslicht, weil man keine großen Photovoltaikanlagen auf
Freiland habe. Fünf Millionen Quadratmeter Photovoltaikanlagen will man
bis 2027 realisieren. Dies sei "realistisch", so Mattle. Funktionieren soll es vor
allem über die Installierung derselben auf Großparkplätzen, hier gebe
es ein Potenzial von bis zu 800 Hektar. Ein "Anreizsystem" zur
Errichtung solcher Anlagen soll so bald wie möglich aufgesetzt werden.
Zugleich appellierte Mattle,
dass die Menschen auch etwa die Möglichkeit der einkommensunabhängigen
Gebäudesanierung in Tirol stärker nützen. Insgesamt habe es in Tirol
"noch nie dermaßen ein klares Bekenntnis für technologieoffenen Ausbau der Energiequellen" gegeben.
Neue Wege mit dem paktierten Recht auf Kinderbetreuung
Auch abseits des Energie-Themas machte der Landeschef und
Platter-Nachfolger viel schwarz-roten Erneuerungswillen aus. So gehe
man etwa mit dem paktierten Recht auf Kinderbetreuung bzw. einen
Kinderbetreuungsplatz ganz neue Wege. Auch für
das Ziel "Leistbares Wohnen" nehme man Neues in Angriff wie die
Baulandmobilisierungsabgabe oder die verpflichtende Vertragsraumordnung.
Gleichzeitig müsse man aber auch für "Nachverdichtung" sorgen - ein "Schlüssel zum leistbaren Wohnen", erklärte Mattle.
Mattle zeigt Löb für Tiroler SPÖ
Mit der Tiroler SPÖ habe man jedenfalls einen "tollen Partner" gefunden, zeigte sich Mattle voll des Lobes. Er freue sich "trotz der vielen Herausforderungen" auf die neue Aufgabe, so der 59-jährige Landeshauptmann, dessen Kabinett am Dienstag im Landtag gewählt worden war. Heute, Donnerstag, wird der frühere Bürgermeister von Galtür noch in der Hofburg in Wien durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt.