Bei EU-Gipfel haben sich die Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, an einem europäischen Gaspreisdeckel zu arbeiten.
"Wir werden einen Marktkorrekturmechanismus einführen, um Episoden überhöhter Gaspreise zu begrenzen", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Nacht auf Freitag nach rund zehnstündigen Verhandlungen beim EU-Gipfel in Brüssel. Ihre Behörde werde mit den Fachministern der EU-Staaten an einem Gesetzesvorschlag arbeiten.
EU-Gipfel: Europäischer Gaspreisdeckel
In der Abschlusserklärung des Gipfels
ist konkret von einem "vorübergehenden dynamischen Preiskorridor" für
den Handel mit Gas die Rede. Dieser dürfe allerdings nicht die
Versorgungssicherheit gefährden. Zudem soll eine Kosten-Nutzen-Analyse
für einen Preisdeckel für Gas durchgeführt werden, das zur
Stromproduktion genutzt wird. Der Höchstpreis dürfe nicht dazu führen,
dass der Gasverbrauch zunehme.
Deutschland leistete Widerstand gegen Gaspreisdeckel
Für einen Gaspreisdeckel hatten
sich im Vorfeld 15 der 27 EU-Staaten ausgesprochen, doch vor allem
Deutschland leistete Widerstand und stieß damit auch den traditionellen
Kooperationspartner Frankreich vor den Kopf. Der deutsche Kanzler Olaf
Scholz zeigte sich nach den stundenlangen Beratungen zufrieden. "Wir
haben uns zusammengerauft", sagte er. Den Eindruck, dass Deutschland
isoliert gewesen sei, wies er zurück. Zugleich bekräftigte er seine
Skepsis gegenüber dem "iberischen Modell", das unter anderem von
Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) stark favorisiert wird.
Nehammer zeigte sich vor EU-Gipfel verärgert
Nehammer
hatte sich vor Gipfelbeginn verärgert gezeigt, dass sich das von
Spanien und Portugal praktizierte Modell der Gaspreisdeckelung nicht im
Maßnahmenpaket der EU-Kommission fand. Nach den Beratungen war der
Kanzler jedoch zufrieden. "Es ist tatsächlich ein Rat mit guten
Nachrichten", sagte er vor Journalisten. Erstens werde das "iberische
Modell" von der EU-Kommission weiterentwickelt, so Nehammer. "Das ist
ein wirklicher Fortschritt, weil es zuerst so ausgesehen hat, als würden
wir uns damit nicht durchsetzen."
Es soll einen Gaspreisdeckel geben
Zweitens soll es einen
Gaspreisdeckel geben. Damit ist eine mögliche Preisobergrenze auf den
Großhandelspreis TTF an der niederländischen Börse gemeint, um
Preisschwankungen einzugrenzen. Ebenso "erfreulich" sei die Einigung auf
einen gemeinsamen Gaseinkauf. Dieser solle nun "tatsächlich umgesetzt
werden", betonte Nehammer. Viertens soll zur Unterstützung
finanzschwacher Länder in der Energiekrise auf bestehende Fonds
zurückgegriffen und keine neuen Geldtöpfe gefüllt werden.
Der
Gaspreisdeckel könne schon in die Umsetzung kommen, erklärte der Kanzler
weiter. Das "iberische Modell" sei deutlich komplexer, weil es viel
mehr europäische Staaten betreffe und bei der Umsetzung noch Fragen
offen seien. "Aber für Österreich war der Fortschritt wichtig, dass es
nicht von vornherein abgelehnt wird", sagte Nehammer. Deutschland hätte
"große Bedenken" geäußert.
Nehammer: Nationalstaaten müssen "akut" helfen
Der Bundeskanzler betonte auch, Nationalstaaten müssten jetzt "akut" helfen. Die EU-Kommission habe in Aussicht gestellt, dass alle Fördermaßnahmen "verwaltungstechnisch" einfacher gehandelt werden. Bei der Finanzierung des "iberischen Modells, das ist komplexer, werden wir noch von Monaten sprechen", erklärte Nehammer.