Beim EU-Gipfel beraten die 27 EU-Staats- und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzler Karl Nehammer, weiter über Maßnahmen gegen die Energiekrise.
Auf dem Tisch liegt ein Paket der EU-Kommission, das gemeinsame Gaseinkäufe sowie finanzielle Entlastungen für Unternehmen und Bürger, aber keinen Gaspreisdeckel vorsieht, den 15 EU-Staaten gefordert hatten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisiert indes den Kurs Berlins in der Energiekrise.
Macron werde mit Scholz an einer Lösung arbeiten
"Ich
glaube, es ist nicht gut, weder für Deutschland noch für Europa, dass
sie sich isolieren", sagte Macron am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels
in Brüssel. "Wir müssen absolut unsere Einigkeit wahren." Er werde mit
dem deutschen Kanzler Olaf Scholz zusammen an einer Lösung arbeiten.
EU-Gipfel: Deutschland leht Gaspreisdeckel ab
Deutschland
steht derzeit unter anderem in der Kritik, weil es einen europäischen
Gaspreisdeckel ablehnt, den die Mehrheit der EU-Staaten fordert.
Frankreich unterstützt einen solchen Preisdeckel, insbesondere für Gas,
das für die Stromproduktion genutzt wird. Macron sprach von
"Mechanismen, um die Preise von Gas und Strom besser voneinander
loszulösen".
Energiekrise: Deutschland wird für Entlastungspaket kritisiert
Zudem wird die deutsche Bundesregierung für das 200
Milliarden Euro schwere Entlastungspaket kritisiert, da andere Staaten
sich solche Maßnahmen
nicht leisten können. Macron sagte, er werde sich für gemeinsame
Schuldenprogramme einsetzen. Scholz lehnt dies ab. Er wies am Donnerstag
darauf hin, dass noch viel Geld aus dem in der Corona-Krise
geschaffenen EU-Unterstützungsprogramm zur Verfügung stehe.
Scholz verteidigte deutsche Haltung
Scholz
verteidigte die deutsche Haltung am Donnerstag. "Es ist ganz klar, dass
Deutschland sehr solidarisch gehandelt hat", sagte der deutsche Kanzler
in Brüssel. Die deutsche Regierung entlaste die Bürgerinnen und Bürger,
sagte er unter Anspielung auf den deutschen "Abwehrschirm" von bis zu
200 Milliarden Euro. Das sei "genau das gleiche, was Frankreich macht,
Italien macht, was Spanien macht und viele andere Länder", betonte
Scholz.
Scholz erteilt Gaspreisdeckel erneut Absage
Zugleich erteilte er einem europäischen Gaspreisdeckel
erneut eine Absage. Die EU müsse sich auf Konzepte einigen, die auch
funktionieren, sagte Scholz. "Niemand möchte Beschlüsse fassen, wo es
hinterher theoretisch gut ist, aber kein Gas gibt", betonte der Kanzler.
Orban beschwerte sich beim EU-Gipfel über EU-Kollegen
Der ungarische Regierungschef Viktor Orban beschwerte sich vor dem EU-Gipfel
über seine EU-Kollegen: "Da sagten sie mir, das russische Gas sei
schlecht, man solle es nicht mehr kaufen. Doch niemand sagte uns, wie
das russische Gas ersetzen werden kann", sagte Orban laut "RTL.hu". Im
Zusammenhang mit dem geplanten koordinierten Gas-Kauf der EU meinte
Orban, die Vorstellung erinnere an jene Zeiten, als wir gemeinsam
Anti-Corona-Impfstoff kauften - es sei langsam und teuer gewesen.
"Ich denke, es könnte eine lange Nacht
werden", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte.
Hauptstreitpunkte könnten der Gaspreisdeckel als auch die Finanzierung
der Maßnahmen sein.
Österreich leht Preisdeckelung russischer Gasimporte ab
Österreich lehnt eine Preisdeckelung russischer Gasimporte komplett ab. Die Bundesregierung sähe in diesem Fall die Versorgungssicherheit Österreichs gefährdet, die Gasabhängigkeit vom Russland betrage nach wie vor rund 50 Prozent. Ebenfalls Schwerpunkte des Gipfeltreffens sind der Ukraine-Krieg und die Lage im Iran. Der Gipfel will die wahllosen russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf Zivilisten, zivile Objekte und Infrastruktur in Kiew und in der Ukraine verurteilen. Eine strategische Diskussion zu China ist auch vorgesehen.