Laut einer Studie muss das Pflegepersonal oft eine für die Patientenversorung wichtige Tätigkeit weglassen.
Österreich hat zwar eine der höchsten Dichten bei Krankenhausbetten, im Bereich der Pflege gibt es aber durchaus Defizite, wie eine am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentierte Studie zeigt. Die Folgen sind nicht nur für die Kranken selbst negativ, sondern auch für deren Betreuer.
Pflege: Patientenversorgung leidet oft
Diese Rationierung von Tätigkeiten wird Missed Nursing Care (MNC) genannt und wurde nun erstmals auch in Österreich untersucht. Die mehr als 1.000 Personen, die für die Studie Misscare Austria der Karl Landsteiner Privatuniversität untersucht wurden, sind repräsentativ für das Pflegepersonal der heimischen Krankenhäuser, so die Forscherinnen Ana Cartaxo und Hanna Mayer. Demnach werden häufig weggelassen: emotionale Unterstützung (67,5 Prozent), Gesprächsführung mit Patienten und Angehörigen (60,6 Prozent), Überwachung von kognitiv Beeinträchtigten, Beratung und Schulung zur Entlassung sowie die Mobilisierung der Patienten (jeweils etwas unter 50 Prozent). Aber auch das zeitnahe Reagieren auf die Glocke (39,2 Prozent), das zeitgerechte Verabreichen von Medikamenten (27,6 Prozent) oder das Messen von Vitalparametern (26,5 Prozent) bleibt öfters auf der Strecke.
Gründe sind Personalmangel und Zeitnot
Die
Gründe für MNC sind laut den Autoren einerseits Personalmangel, nur 3,6
Prozent gaben an, in den vergangenen drei Monaten immer angemessen
besetzt gewesen zu sein. Aber auch Zeitnot und Schwierigkeiten in der
Zusammenarbeit führten zu qualitativ schlechterer Pflege. Während das
Personal unzufrieden ist und zu fast drei Vierteln daran denkt, den
Beruf zu verlassen, führe MNC laut internationalen Studien auch zu
höheren Sterberaten, betonte Cartaxo. Durch die Defizite bei der Pflege
gäbe es etwa mehr Infektionen, Stürze, Wundliegen und postoperative
Komplikationen.
7.800 Köpfe fehlen in der Personalsituation
Was die Personalsituation betrifft, würden laut
Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und
Krankenpflegeverbands (ÖGKV) derzeit 7.800 Köpfe fehlen. Das Verhältnis
Pfleger zu Patient liegt in Österreich tagsüber bei 1:15 und nachts bei
1:22 - und damit deutlich höher als im internationalen Vergleich, führte
Cartaxo aus. Allein mit mehr Arbeitskräften würde das Problem jedoch
nicht gelöst. "Pflege ist mehr als bloßes Tun und Machen, sondern geht
über Beziehungen und Kommunikation", unterstrich Potzmann. Aufgrund der
immer komplizierteren Behandlungsmethoden sei mehr Qualität, sprich
gehobenes Personal, gefragt. Die Ausbildungsoffensive sei gut und
richtig, aber man müsse auch die Qualität stärken. Entsprechend kritisch
sieht sie die Pflegelehre.
Kankenhausbetten in Österreich reduzieren
Ein weiterer möglicher Weg sei es, die Krankenhausbetten in Österreich zu reduzieren, was aber nur dann Sinn macht, wenn es genügend Alternativen, etwa in der Primär- und Nachversorgung, gebe, sagte Mayer. Dies brauche aber eine umfassende Reform des Gesundheitssystems.