Die Regierung sendete bezüglich eines Maskenpflicht-Comebacks gemischte Signale. Aus den Bundesländern kam dabei wenig Gegenwind.
Kommt der Herbst, kommt die Diskussion um eine Maskenpflicht. Die Regierung sendete in dieser Frage gemischte Signale. Die Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer kündigte hingegen am Sonntag an, dass die Maskenpflicht in Innenräumen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und auch im Lebensmittelhandel zurückkommen wird. Das Gesundheitsministerium will vorerst die Entwicklung weiter beobachten. Von den Bundesländern käme nicht allzu viel Gegenwind, ergab ein APA-Rundruf am Dienstag.
Maskenpflicht-Comeback: Bundesländer diskussionbereit
Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) wollte sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz erneut nicht festlegen, ob die Maskenpflicht bei gleichbleibender Entwicklung fix kommt. In anderen europäischen Ländern gebe es derzeit wenig bis keine Coronamaßnahmen. Die Entscheidung werde von der Belastung der Kapazitäten und von Personalausfällen in den Krankenhäusern abhängen. Die Lage sei dort aber soweit stabil. Eine Entscheidung muss jedenfalls bis 23. Oktober gefällt werden, denn dann läuft die aktuelle Corona-Maßnahmenverordnung aus. Vom Koalitionspartner ÖVP gab es auf APA-Anfrage vorerst keine Stellungnahme.
NEOS und FPÖ gegen Maskenpflicht-Comeback
Während NEOS und FPÖ klar gegen die Wiedereinführung einer Maskenpflicht sind, gibt es in den Bundesländern durchaus Diskussionsbereitschaft. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) fordert beim Thema Maskenpflicht eine einheitliche Lösung des Bundes. Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen ist für ihn das Impfen der wichtigste Faktor. Doskozil kündigte daher im Burgenland eine Impfkampagne an: "Man muss der Bevölkerung signalisieren, das wichtigste ist jetzt impfen zu gehen", meinte er. Im Burgenland steigt auch die Zahl der Hospitalisierungen leicht an. Noch müssten aber keine Operationen verschoben werden: "Das läuft nach Plan", so der Landeshauptmann.
Maskenpflicht für Beschäftigte und Schüler sei Herausforderung
"Klar ist, sollten die
Infektions- und Erkrankungszahlen weiter steigen, ist das Tragen von
FFP2-Masken in Innenräumen eines der gelindestem Mittel um sich und
andere zu schützen", hieß es am Dienstag auf APA-Anfrage aus dem Büro
des Kärntner Landeshauptmanns Peter Kaiser (SPÖ). Auch er plädiert
"sinnvollerweise" für eine bundesweit einheitliche Regelung. Man müsse
dabei allerdings bedenken, dass das Tragen der FFP2-Maske für
Beschäftigte und allenfalls Schülerinnen und Schülern eine
Herausforderung sei.
Wallner sprach sich für "bundesweit abgestimmten Weg" aus
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sprach sich gegenüber der APA betont für einen "bundesweit abgestimmten Weg" aus. Wenn das Infektionsgeschehen weiter zunehme, dann sei für ihn die Wiedereinführung der Maskenpflicht - etwa in den öffentlichen Verkehrsmitteln - als gelindestes Mittel "grundsätzlich vorstellbar" - auch weil die Akzeptanz der Maske in der Vergangenheit eher hoch gewesen sei. Was für ihn aus heutiger Sicht jedoch nicht mehr infrage komme, seien Einschränkungen von Veranstaltungen, etc. "Im dritten Jahr der Corona-Pandemie können wir der Bevölkerung auch eine gewisse Eigenverantwortung zumuten", sagte Wallner.
Haslauer verwies auf Zuständigkeit der Bundesregierung
Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP)
hat am Dienstag am Rande eines Pressegesprächs auf die Zuständigkeit der
Bundesregierung verwiesen. Zugleich sprach er sich angesichts der
aktuell eher geringen regionalen Unterschiede beim Infektionsgeschehen
für eine bundesweit einheitliche Lösung aus. "Ich bin kein Freund
unterschiedlicher Regelungen", sagte er zur APA. Einer Wiedereinführung
der Maskenpflicht im öffentlichen Raum stehe er recht emotionslos gegenüber. "Wenn sie medizinisch notwendig ist, wird sie wieder kommen."
Bogner-Strauß kann sich Maskenpflicht-Comeback vorstellen
Auch
die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) kann
sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Lebensmittelmärkten wieder
eine Maskenpflicht
vorstellen, sagte sie zuletzt in der "Kleinen Zeitung". "Für
Erledigungen des täglichen Bedarfs ist die Maske ein paar Minuten zu
tragen das gelindeste Mittel." Von einer Maskenpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könne man derzeit hingegen absehen. Ein Vorpreschen der Steiermark schloss auch sie aus.
Mikl-Leitner zur Maskenpflicht
Niederösterreichs
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sagte auf Anfrage: "Wir
haben eine ganz klare Position, dass Niederösterreich in diesem Bereich
keinen eigenen Weg geht, sondern dass wir uns an die Empfehlung des
Gesundheitsministeriums halten."
Corona: Wien geht einen vorsichtigeren Weg bei der Maskenpflicht
Wien geht als einziges Bundesland bereits aktuell einen vorsichtigeren Weg bei der Maskenpflicht. Darauf verwies Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) heute im Gespräch mit der APA: "Wir sind das einzige Bundesland, das durchgängig die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln beibehalten hat." Und er betonte: "Das führen wir auch weiter. Ob es darüber hinausgehende Maßnahmen gibt, entscheidet sich im Gespräch mit meinem Expertenrat, dem ich in der gesamten Pandemie sehr vertraut habe. Diese Gespräche werden zeitnah stattfinden und dann werden wir die Entscheidung treffen."
Wien rechnet mit Höhepunkt der Corona-Herbstwelle in zwei Wochen
Wien
rechnet jedenfalls mit einem Höhepunkt der Herbstwelle in den nächsten
zwei Wochen, wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ)
auf Anfrage der APA erläuterte. Prognosen gibt es auch schon zu den
erwarteten Belastungen in den Spitälern. Vorerst sei aber noch nicht
absehbar, ob es erneut zu Verschiebungen von planbaren Eingriffen kommt,
hieß es. Auszuschließen sei dies aber nicht, betonte man im
Hacker-Büro.
Leichtfried: Man soll Experten folgen
SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried meinte zur Frage
der Wiedereinführung, dass man hier den Experten folgen sollte. "Es ist
jedenfalls nichts, was man so en passant bei
einer Fernsehdiskussion verkünden sollte", sagte er in einer
Pressekonferenz am Dienstag. Deutliche Kritik an der Regierung kam von
Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch: "Die Regierung hat aus ihrem
Pandemie-Versagen nichts gelernt. Statt für Klarheit zu sorgen, stiften
Nehammer, Kogler und Co. mit ihren widersprüchlichen Aussagen Chaos",
wird er in einer Aussendung am Dienstag zitiert.
Meinl-Reisinger sieht Maskenpflicht-Comeback nicht ein
NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger sieht nicht ein, warum man wieder eine Maskenpflicht
einführen sollte. "Ich würde nicht verstehen, wenn die Regierung einmal
mehr zu Maßnahmen greift, wo man weiß, dass sie keinen großen Effekt
haben werden", meinte sie bei
einer Pressekonferenz am Dienstag. Sie selbst trage die FFP2-Maske in
bestimmten Settings und sei auch in der Vorwoche, als sie Covid-Fälle in
der Familie hatte, damit herumgelaufen. "Das ist der
eigenverantwortliche Zugang." Jeder Arbeitgeber werde sich auch
überlegen, wie er sich in dieser Frage aufstelle.
Landbauer und Teiber sprechen sich gegen Maskenpflicht aus
Klar gegen die Maskenpflicht
und gleich auch den Gesundheitsminister spricht sich auch der
freiheitliche Landespartei- und Klubobmann im NÖ Landtag, Udo Landbauer,
aus. "Die eigene Unfähigkeit mit einer Maskenpflicht für die Bevölkerung kompensieren zu wollen, ist jedenfalls inakzeptabel."
Gegen eine Maskenpflicht für Beschäftigte sprach sich auch Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, aus: "Ein neuerlich verpflichtendes Tragen einer Maske während der Arbeit ist für die Beschäftigten im Handel trotz gebotener Vorsicht bei steigender Infektionszahlen nicht zumutbar".