Trotz der Proteste im Iran will Österreich Abschiebungen nicht komplett Aussetzen. Man fördere eine freiwillige Rückkehr, heißt es.
Während sich in Deutschland Innenministerin Nancy Faeser für ein Aussetzen von Abschiebungen in den Iran ausgesprochen hat, verweist das österreichische Innenministerium auf die Einzelfallprüfung. "Dabei werden insbesondere auch eventuell drohende Gefahren im Falle einer Rückkehr berücksichtigt", betonte ein Sprecher auf APA-Anfrage. Österreich fördere aber grundsätzlich eine freiwillige Rückkehr - auch von iranischen Staatsbürgern.
Trotz Protesten im Iran: Österreich schließt Abschiebungen nicht aus
Angesichts der Gewalt iranischer Sicherheitskräfte gegen Demonstranten, die für Freiheit und gegen den Kopftuchzwang protestieren, hatte Faeser unlängst Abschiebungen in den Iran als "nicht verantwortbar" bezeichnet. Das österreichische Außenministerium (BMEIA) hatte am Dienstag wegen "der anhaltenden Proteste und deren gewaltsamer Niederschlagung durch die iranischen Behörden" eine Reisewarnung für den Iran herausgegeben. Das Außenministerium empfahl Österreichern im Iran außerdem dringend, das Land zu verlassen.
Vorliegen einer Reisewarnung für Iran ist kein Entscheidugnskriterium
Das "alleinige Vorliegen
einer Reisewarnung des BMEIA" stellt laut Innenministerium jedoch "kein
Entscheidungskriterium" des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA)
dar. Zielgruppe derartiger Reisewarnungen seien österreichische
Staatsangehörige. "Daher kann aufgrund dessen keine rechtliche
Beurteilung der Bedrohungssituation für iranische Staatsangehörige
getroffen werden", teilte der Sprecher mit.
Abschiebungen in den Iran würden in jedem einzelenn Fall geprüft
Die Zulässigkeit einer
"Außerlandesbringung" werde "in jedem einzelnen Fall umfassend und
individuell in einem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft", hieß es aus
dem Innenministerium weiter. Da der Iran Abschiebungen mit Hinweis auf
die iranische Verfassung generell nicht zulasse, hätten in den letzten
Jahren auch keine zwangsweisen Außerlandesbringungen stattgefunden.
Grundsätzlich fördere Österreicher aber eine freiwillige Rückkehr
"immer". "So steht auch iranischen Staatsangehörigen, die freiwillig
rückkehren möchten, Reintegrationsunterstützung durch die Internationale
Organisation für Migration (IOM) zur Verfügung." Im Jahr 2022 erfolgten
bis Ende August insgesamt 63 Abschiebungen von iranischen
Staatsangehörigen.
Auslöser der Unruhen im Iran ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini
Auslöser der Unruhen im Iran ist der Tod der
22-jährigen Mahsa Amini vor gut drei Wochen. Die Sittenpolizei hatte sie
festgenommen, weil sie gegen die Regeln zum Tragen eines Kopftuchs
verstoßen haben soll. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau
fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker
werfen den Behörden vor, Gewalt angewendet zu haben - die Polizei weist
das zurück. Seit dem Tod der jungen Frau demonstrieren landesweit
Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs von Regierung und
Sicherheitskräften sowie gegen das islamische System.
Bürgerrechtsgruppen zufolge kamen bei den Protesten mehr als 150
Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt, Tausende wurden
festgenommen.