Bei der Befragung von Innenminister Gerhard Karner gab es am Mittwoch im ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss viel Leerlauf.
Ein Großteil der Fragen der Abgeordneten wurde mangels Zusammenhang mit dem Untersuchungsgegenstand bzw. -zeitraum nicht zugelassen. Freiwillig wollte Karner mit Hinweis darauf, dass er erst nach Beginn des Untersuchungszeitraums Innenminister wurde, oft nicht antworten.
Gerhard Karner im U-Ausschuss befragt
"Ich
bin seit 6. Dezember Innenminister der Republik Österreich, davor war
ich Zweiter Landtagspräsident in Niederösterreich und Bürgermeister
meiner Heimatgemeinde Texingtal." Mit dieser wiederholt vorgebrachten
Standardantwort begegnete Karner den Fragen der Oppositionsabgeordneten.
Grund: Der Untersuchungszeitraum des Ausschusses endet bereits im
Oktober davor.
Verfahrensrichter sah wenig Ansatzpunkte für Befragung
Dementsprechend sah auch Verfahrensrichter Wolfgang
Pöschl gleich zu Beginn wenig Ansatzpunkte für eine Befragung. Das
machte er auch bei zahlreichen Fragen deutlich. "Es geht nicht, ich tue
mir sehr schwer, da einen Zusammenhang mit dem Untersuchungsgegenstand
zu sehen."
U-Ausschuss: Fragen zu Inseraten nicht zugelassen
Nicht zugelassen wurden etwa viele Fragen zu Inseraten
und seine Tätigkeit im Alois-Mock-Institut ("Ich bin ein klassischer
Vereinsmeier"). Auch allgemeine Fragen zu Postenbesetzungen waren dem
Verfahrensrichter und einem mit Fortdauer zunehmend genervten
Vorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP) zu unkonkret - obwohl letzterer nach
Beschwerden Karners klar machte: "Auch unterstellende Fragen müssen
beantwortet werden."
ÖVP sah in Ladung Karners den "Gipfelpunkt der Farce"
Die ÖVP sah in der Ladung Karners den
"Gipfelpunkt der Farce", die der Ausschuss mittlerweile geworden sei.
Fraktionsführer Andreas Hanger machte das sowohl eingangs als auch in
zahlreichen Geschäftsordnungsdebatten deutlich.
Karner nahm im U-Ausschuss länger Stellung zur vergeblichen Ladung von Schmid
Länger Stellung
nahm Karner vor allem zur bisher vergeblichen Ladung des ehemaligen
Generalsekretärs im Finanzministerium, Thomas Schmid, in den Ausschuss.
Dieser wohnt mittlerweile im Ausland, hat aber seine Ladung nachweislich
erhalten. "Wenn es nach mir ginge, würde ich Thomas Schmid am besten
heute noch vorführen lassen." Es habe aber von Verfassungsdienst und
Rechtsdienst des Parlaments diametral entgegengesetzte Rechtsansichten
zur Möglichkeit einer Vorführung gegeben. Mittlerweile habe er der
Landespolizeidirektion Wien den Auftrag gegeben, alles rechtlich Mögliche zu tun, um eine Vorführung zu ermöglichen.
Kärntner Hypo-Untersuchungsausschuss schickt Ladung an Schmid
Auch der Kärntner Hypo-Untersuchungsausschuss schickt eine Ladung an Thomas Schmid, den früheren Generalsekretär im Finanzministerium. Die Landtagsabgeordneten möchten Schmid am 12. Oktober zu dessen Rolle bei den Verhandlungen zwischen Kärnten und dem Bund befragen, als es unter anderem darum ging, wie hoch der Kärntner Beitrag zur Abwicklung der Heta sein werde.
Ernsthaft mit einem Erscheinen von Thomas Schmid wird offenbar nicht gerechnet. Die Befragung ist nur für 15 Minuten anberaumt.
Zustellung der Ladung folgt über das Parlament
Die
Zustellung der Ladung erfolgt über das Parlament, erfuhr die APA auf
Nachfrage im FPÖ-Klub - Klubobmann Gernot Darmann ist Obmann des
Kärntner Untersuchungsausschusses, der die Verwertung und Abwicklung der
ehemaligen Landesbank sowie die damit verbundenen finanziellen Beiträge
Kärntens behandelt. Schmid sollte eigentlich schon am 1. Juni in
Klagenfurt aussagen. Damals konnte allerdings die Ladung nicht
zugestellt werden. Die Sitzung am 12. Oktober ist nach aktuellem Stand
die letzte des Kärntner Hypo-Untersuchungsausschusses.
Köstinger, Maier befragt
Anschließend werden der Ex-Generalsekretär im Landwirtschaftsministerium und damalige Kabinettschef von Ex-Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Gernot Maier, sowie der Leiter der Finanzabteilung der ÖVP-Bundespartei befragt. Bei Maier soll es unter anderem um die "Causa Ohlsdorf" gehen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Betriebsansiedelungsgebiet in Ohlsdorf (OÖ), für das mehr als 18 Hektar Wald gerodet wurden. Der Ex-Industrielle Hans Asamer, der auch an die ÖVP gespendet hat, hat das Grundstück nach der Umwidmung mit hohem Gewinn an eine belgische Immobilienfirma weiterverkauft. Rund ein Drittel der Waldfläche hatte er zuvor von den Bundesforsten erworben.