Teuerung und Energiekrise verschärfen die Ungleichheit beim Vermögen in Österreich. Zu diesem Schluss kommt der AK-Wohlsandsbericht.
Die Teuerung und die Energiekrise triffen einkommensschwache Haushalte stärker, diese haben aber oftmals nicht genug Erspartes um die Preissteigerungen abzufedern, so die Arbeiterkammer in ihrem fünften Wohlstandsbericht. Das hat Auswirkungen auf die Verteilung von Vermögen. "Die Vermögenskonzentration spitzt sich zu", sagte Silvia Hruška-Frank, Direktorin der AK Wien bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Wien.
Die Teuerung und Energiekrise verschärfen Vermögensungleichheit
Die AK misst das Wohlergehen der Menschen in Österreich nicht am Bruttoinlandsprodukt, sondern anhand von Faktoren wie Lebensqualität, Verteilungsgerechtigkeit und intakte Umwelt. Fünf Prozent der Menschen besitzen laut Hruška-Frank 55 Prozent des gesamten Vermögens in Österreich, die 50 Prozent am unteren Ende der Einkommensverteilung hingegen nur drei Prozent. Die Teuerung spitzt die Ungleichheit bei Vermögen in Österreich weiter zu.
Rückschritte bei der gleichen Verteilung von Vermögen
Im aktuellen Wohlstandsbericht werde
der Rückgang des Wohlstands in Österreich durch die Teuerung laut ihr
besonders deutlich. Heuer wurden dem Bericht zufolge nur fünf der
insgesamt 30 Indikatoren als positiv bewertet, vergangenes Jahr waren es
zehn. "Zusammengefasst sehen wir mehr Rückschritte als Fortschritte" so
Hruška-Frank. "Wir sehen, dass wir in den kommenden Monaten auf
Wohlstandsverluste zusteuern". Die Untersuchung erstreckt sich sowohl in
die Vergangenheit als auch über Prognosen und Erwartungen in die
Zukunft und bezieht sich heuer auf die Jahre 2018 bis 2023.
Ohnehin hohe Vermögenskonzentration steigt
"Die ohnehin schon sehr hohe Vermögenskonzentration wird steigen", sagte auch Tobias Schweitzer, Bereichsleiter Wirtschaft in der AK Wien. Und somit wird auch die Verteilungsgleichheit von Vermögen sinken. "Die stark gestiegenen Preise und Energiekosten treffen einkommensschwache Haushalte besonders hart", so der Ökonom. Diese würden aufgrund der Teuerung ihr kaum vorhandenes Vermögen abbauen, oder sich sogar verschulden. Die Teuerung führe zudem auch zu einer Steigerung der Armut und Ausgrenzung in Österreich. "Das untere Drittel hat kaum Erspartes und viele Haushalte drohen durch die angespannte Situation in Armut abzurutschen", so Schweitzer.
KV-Abschlüsse können Effekte der Teuerung nur bedingt abfedern
Man glaube zwar, dass die anstehenden KV-Abschlüsse einen Großteil der negativen Effekte der Teuerung auf die Haushaltseinkommen abfedern werden, die Schwächung der Wirtschaftsleistung wirke sich aber weiterhin indirekt negativ aus, so Schweitzer. Denn durch die Inflation steige der Druck auf Notenbanken, die Zinsen anzuheben, was die Investitionstätigkeit und Finanzmärkte belasten werde. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage werde dadurch reduziert. Die wirtschaftliche Schwächung und Verunsicherung würden dann wiederum vor allem den Arbeitsmarkt und die Einkommen belasten und damit auch die Verteilung von Vermögen beeinflussen.
Verteilungskämpfe könnten sich aufgrund der Teuerung zuspitzen
Generell erwartet der Ökonom, dass sich
Verteilungskämpfe aufgrund der Teuerung in den nächsten Monaten
zuspitzen werden. Auch bei der Einkommensverteilung zwischen Frauen und
Männern gibt es laut Bericht wenig Fortschritte. "Beim Gender-Pay-Gap
geht der Trend in die richtige Richtung, allerdings so langsam, dass das
Ziel einer Angleichung der Einkommen auf absehbare Zeit verfehlt werden
wird", sagte er.
Teuerung erschwert das Ziel der Vollbeschäftigung weiter
Die Beschäftigung habe sich laut Schweitzer zwar
besser entwickelt, als man im Vorjahr angenommen hatte, trotzdem würde
die Teuerung die Erreichung des Ziels Vollbeschäftigung erschweren.
Allerdings helfe hier der demografische Trend der anstehenden
Pensionierungswelle der sogenannten Baby-Boomer-Generationen. Das
reduziere das Arbeitskräfteangebot und damit die Unterbeschäftigung in
der Gesellschaft. Dies werde vor allem jenen Gruppen zugutekommen, die
oftmals Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche hätten, wie etwa Frauen
oder Migrantinnen und Migranten, erklärte er. Gleichzeitig könne dadurch
die Qualität der Arbeit verbessert werden. Keine Verbesserungen gebe es
laut dem AK-Bericht allerdings bei der Verteilung der unbezahlten
Arbeit. Nach wie vor leisten Frauen hierzulande den Großteil der
unbezahlten Care-Arbeit wie Kinderbetreuung und Pflege.
Kaum positive Effekte der Inflation laut Ökonom Schweitzer
Positive
Effekte der Inflation gebe es laut Schweitzer kaum. Am ehesten noch beim
Thema Treibhausgasemissionen, denn durch die Teuerung steige die
Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel, was auch den Staatshaushalt
wegen kurzfristig höherer Einnahmen entlasten würde. Generell hinke
Österreich jedoch laut dem Ökonomen beim Ausbau erneuerbarer Energie und
der Erreichung der Klimaziele hinterher.
AK-Wohlstandsbericht wendet sich mit Forderungen an die Politik
Die AK verknüpft ihren
Wohlstandsbericht auch mit Forderungen an die Politik. Als "wesentliche
Maßnahme" bezeichnete Schweitzer die Besteuerung von Übergewinnen im
Energiesektor. Zusammen mit dem österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB)
habe man ein Modell ausgearbeitet wonach von den geschätzten
Übergewinnen in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro 1 bis 1,5 Mrd.
Euro für Investitionen in Erneuerbare Energieträger und weitere 1,5 bis
2,2 Mrd. Euro zur Finanzierung von Anti-Teuerungsmaßnahmen verwendet
werden sollen. "Es kann nicht sein, dass die einen in Armut abrutschen,
während die anderen scheffeln", so Schweitzer. Das Modell biete zudem
einen Anreiz für Unternehmen, in erneuerbare Energie zu investieren, da
diese Investitionen von der Steuer abgezogen werden können.
Preissteigerungen würden sich stark auf steigende Mieten niederschlagen
Die
Preissteigerungen würden sich laut AK-Direktorin auch in steigenden
Mieten niederschlagen. Mieten würden sich stetig erhöhen, derzeit sei
dies sogar mehrmals pro Jahr möglich, sagte sie. Bei den Löhnen sei dies
allerdings nicht der Fall. "Man muss sich die Frage stellen, inwiefern
eine Weitergabe der Inflation an die Mieter gerechtfertigt ist", so
Hruška-Frank. Mieterhöhungen sollen deshalb nach Meinung der
AK-Direktorin mit zwei Prozent pro Jahr gedeckelt werden. Sie forderte
zudem die Abschaffung befristeter Mietverträge für Immobilienkonzerne,
Versicherungen sowie Großvermieterinnen und Großvermieter. Mehr
Anstrengungen brauche es laut AK-Direktorin auch bei der
Lehrlingsausbildung im Bereich der Energiewende.