Im Wintersemester 2022 studieren erstmals Soldaten des Bundesheeres gegen ein GEhalt an der Medizinischen Universität Wien.
Das Bundesheer erhält seit dem am Montag begonnenen Studienjahr bis zu zehn Studienplätze für das Studium der Humanmedizin an der Universität Wien. Im ersten Jahr sind es sechs Männer, die über diesen Vertrag ihr Studium beginnen. "Auch das Bundesheer ist vom Ärztemangel nicht verschont, dem wir mit diesem Projekt entgegenwirken", so Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP).
Erstmals Medizin-Studenten auf Bundesheer-Ticket an Uni Wien
Das Universitätsgesetz sieht vor, dass eine bestimmte Anzahl an Medizin-Studienplätzen für Aufgaben im öffentlichen Interesse reserviert werden darf. Die Heeres-Kandidaten müssen zwar am normalen Aufnahmetest teilnehmen, in dem die insgesamt 680 Humanmedizin-Plätze vergeben werden. Sie müssen aber nicht unter den 680 besten Kandidaten sein, sondern nur unter den besten 25 Prozent aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
Zehn Studienplätze für Soldaten an Medizinischer Universität Wien
Sechs jungen Männern, die zusätzlich auch die
militärische Kadereignung erfüllen müssen, gelang dies beim heurigen
Aufnahmetest. Sie mussten sich für insgesamt 20 Jahre verpflichten. Je
nach Fachrichtung des Studiums bedeutet das, im Anschluss acht bis elf
Jahre als Militärarzt zu arbeiten. "Der Fokus liegt auf der Erhöhung der
personellen Kapazitäten, gemeinsam ist uns hier ein neues Modell zur
Ärztegewinnung gelungen", so Tanner bei einer Pressekonferenz am
Dienstag.
Ausgebildete Militärärzte alle drei Jahre bei einem Auslandseinsatz
Die ausgebildeten Militärärzte müssen nach Abschluss des
Studiums alle drei Jahre für mindestens sechs Monate an einem
Auslandseinsatz teilnehmen, denn hier sei der Ärztemangel besonders
groß. Während des Studiums werden die Heeres-Kandidaten in der
vorlesungsfreien Zeit neben für das Studium notwendige Praktika
Zusatzausbildungen beim Bundesheer absolvieren, um bereits frühzeitig in
das Militärkrankensystem integriert zu werden. Dafür erhalten sie rund
1.000 Euro im Monat. Sollten sie frühzeitig aussteigen, ist der Betrag
zurückzuzahlen. Insgesamt werden in den kommenden Jahren 30 Millionen
Euro in die Infrastruktur des Bundesheeres investiert, sagte Tanner.
Gesundheitsminister Rauch: Projekt hat doppelten Nutzen
Für
Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) hat das Projekt doppelten
Nutzen: Einerseits würde dadurch die qualitative medizinische Versorgung
des Bundesheeres gesichert, andererseits verpflichten sich die
Studenten, dem Gesundheitssystem lange erhalten zu bleiben. Wer nach den
20 Jahren das Bundesheer verlassen möchte, könne selbstverständlich im
zivilen Gesundheitssystem arbeiten.
SPÖ-Wehrsprecher sieht Aufnahme von militärischen Studenten positiv
SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer
wertet die Aufnahme von militärischen Medizinstudenten als positiv,
aber "wieder einmal zu spät" um dem Personalmangel im Heer
entgegenzuwirken. Vor allem bei Auslandseinsätzen sei dieser gravierend.
"Es ist fünf nach zwölf für die Europäische Friedensmission in
Bosnien-Herzegowina. Der österreichische Sanitätszug ist empfindlich
unterbesetzt. Österreichs Ruf als verlässlicher Partner steht auf dem
Spiel".