Kritik an den EU-Maßnahmen gegen die hohen Gaspreise und die Energiekrise kamen am Freitag aus Österreich.
Am Freitag reagierten Österreichische Interessensvertretungen und Organisationen mit Kritik auf die europäische Einigung zur Bewältigung der Energiekrise, darunter etwa eine Steuer auf Krisengewinne. Während die angedachten Maßnahmen der Arbeiterkammer (AK), dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) sowie der Umweltschutzorganisation Greenpeace nicht weit genug gehen, begegnen die Wirtschaftskammer (WKÖ), die E-Wirtschaft und EcoAustria den Maßnahmen grundlegend skeptisch.
Kritik aus Österreich an den EU-Maßnahmen zu den Gaspreisen
Für den AK-Steuerexperten Dominik Bernhofer fehlt es etwa an den notwendigen Markteingriffen, um die Energiekrise zu lösen. Auch die Abschöpfung der Übergewinne sei "nur ein Anfang, wo national nachgeschärft werden muss". So sei der geplante Zeitraum für die erfassten Gewinne zu kurz bemessen, der Anwendungsbereich zu eng gehalten und die Solidaritätsabgabe für die Mineralölindustrie mit 33 Prozent zu gering.
Schuberth pocht auf Entkoppelung von Strom- und Gaspreisen
In ein ähnliches Horn stieß die Chefökonomin
des ÖGB, Helene Schuberth: "Es fehlen fundamentale Markteingriffe.
Werden Strom- und Gaspreis nicht schleunigst entkoppelt, drohen Europa
soziale Verwerfungen und Deindustrialisierung." Außerdem pochte
Schuberth darauf, dass Österreich bei der Umsetzung der Übergewinnsteuer
für Mineralölkonzerne einen höheren Steuersatz umsetzt.
Greenpeache hält das EU-Abschöpfugnsmodell für zu schwach
Auch
Greenpeace befindet das Abschöpfungsmodell für "zu schwach".
"Finanzminister Brunner ist jetzt gefordert, ein deutlich härteres
Modell in Österreich umzusetzen, als es die EU vorschlägt. Die Steuer
muss die Krisengewinne zu 100 Prozent abschöpfen, um eine faire
Umverteilung der unmoralischen Rekordprofite fossiler Konzerne zu
garantieren und jedenfalls rückwirkend ab 2022 greifen", so die Klima-
und Energieexpertin der Umweltorganisation, Jasmin Duregger.
Energiewirtschaft begrüße die Maßnahmen der EU
Aus
der Energiewirtschaft hieß es, dass man Maßnahmen auf europäischer Ebene
grundsätzlich begrüße. Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs
Energie, äußerte mit Blick auf die Begrenzung der Erlöse aus der
Stromerzeugung aber Zweifel an der Umsetzbarkeit. "Wir kennen die
Details, die für eine rasche nationale Umsetzung notwendig sind, noch
nicht, aber dieser Prozess dürfte noch äußerst komplex werden", so
Strugl. Das Modell führe zu einer Umverteilung, das Problem der hohen
Großhandelspreise bzw. der hohen Stromkosten für Industrie und Gewerbe
werde dabei jedoch nicht gelöst.
Wirtschaftskammer stößt sich prinzipiell an Übergewinnsteuer
Die Wirtschaftskammer stößt sich
prinzipiell an der Übergewinnsteuer. Es handle sich um eine
"Alibi-Aktion", die nichts am Grundproblem ändern werde und nachteilige
Standortsignale aussende. "Wir haben uns heute eine starke europäische
Antwort erwartet, stattdessen wird wieder nur eine Symptombekämpfung
beschlossen, als dass Maßnahmen gesetzt werden, die die Preisentwicklung
dämpfen", meinte WKÖ-Präsident Harald Mahrer.
EcoAustria fürchtet Ausbleiben von Ausbau der Erneurbaren Energien
Monika
Köppl-Turyna, Direktorin des industrienahen
Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria, fürchtet, dass durch die
Gewinnabschöpfung Anreize zum Ausbau der Erneuerbaren Energien auf der
Strecke bleiben könnten. Außerdem dürften die erhofften Steuereinnahmen
im Jahr 2023 ohnehin nicht so hoch ausfallen wie erhofft, da viele
Termingeschäfte für das kommende Jahr bereits zu niedrigeren Preisen
abgeschlossen worden seien.
NEOS-Abgeordnete Gamon sieht Gewinabschöfpung als "dringend notwendig"
Die NEOS-Europaabgeordnete Claudia
Gamon bezeichnete die Gewinnabschöpfung hingegen als "dringend
notwendig". "Sie wirkt sofort und kann die Menschen in Europa spürbar
entlasten. Das ist ein noch nie da gewesenes Instrument und ein
Durchbruch für Europa." Allerdings sei auch klar, dass weitere Maßnahmen
folgen müssten: "Der nächste große Schritt auf EU-Ebene muss die
Entkoppelung des Strom- und Gaspreises sein."