Im Fall einer Einfürhung eines Preisdeckels auf importiertes Gas, hat Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) Sicherheiten gefordert.
Es müsse allen EU-Staaten klar sein, dass Österreich nach wie vor abhängig von Erdgasimporten aus Russland sei, sagte Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Freitag vor einem EU-Sondertreffen in Brüssel. In den vorliegenden Vorschlägen zum Preisdeckel für importiertes Gas sei nicht garantiert, dass "unsere Lieferanten weiter nach Europa ausreichend Gas liefern, wenn wir nicht den genannten Preis bezahlen".
Gaspreisdeckel: Gewessler pocht auf Versorgungssicherheit
Es dürfe kein "Experiment auf dem Rücken der
Versorgungssicherheit" geben, betonte die Energieministerin weiter.
Außerdem wäre die Einführung eines europaweiten Gaspreisdeckels eine
sanktions- und keine energiepolitische Maßnahmen. Sanktionen müssten in
der Europäischen Union mit Einstimmigkeit beschlossen werden,
andernfalls reicht die Zustimmung von mindestens 15 Ländern mit
mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung.
Kein "Experiment auf dem Rücken der Versorgungssicherheit"
Bei dem heutigen Treffen
wollen die EU-Staaten Maßnahmen gegen die hohen Strompreise
beschließen, ein Gaspreisdeckel steht nur zur Debatte. Der Entwurf der
EU-Kommission umfasst hingegen verbindliche Maßnahmen zum Senken des
Stromverbrauchs in Spitzenzeiten, das Abschöpfen von sogenannten
Zufallsgewinnen bei Stromproduzenten mit geringen Kosten sowie eine
Solidaritätsabgabe von fossilen Energieunternehmen. Für Gewessler sind
das "erste Schritte, es ist aber auch klar, wir brauchen einen Vorschlag
zu Entkoppelung des Strom- und Gaspreises". Auch wolle sie erneut einen
gemeinsamen Gaseinkauf einfordern.
Nehammer für Entkoppelung von Strom- und Gaspreisen
Bundeskanzler Karl Nehammer
(ÖVP) forderte die EU-Kommission ebenfalls auf, "dringend ein Modell zur
Entkoppelung des Strom- und Gaspreises" vorzulegen. Die am Tisch
liegenden Maßnahmen würden "zu kurz greifen", kritisierte Nehammer.
"Denn es müssen die Preise gebändigt werden und das geht nur auf
europäischer Ebene."
Laut Sikela sind beim Thema Energie Notfallmaßnahmen nötig
Auch nach Ansicht des tschechischen
Industrieministers Jozef Sikela sind weitere Notfallmaßnahmen nötig. Das
heutige Paket "ist nur der erste Teil des Puzzles", sagte Sikela vor
dem Treffen in Brüssel. Man sei mit Russland in einem Energiekrieg. "Die
entscheidende Schlacht wird in diesem Winter sein." Er erwarte sich,
"dass die (EU-)Kommission so bald wie möglich zusätzliche Maßnahmen
vorlegt, insbesondere zur Senkung des Gaspreises und zur sofortigen
Entlastung der Industrie", betonte Sikela. "Es gibt keine Zeit zu
verlieren."