Der MFG-Bundesgeschäftsführer, Gerhard Pöttler, gab seinen Austritt aus der Partei bekannt. Grund für den Schritt dürften interne Differenzen über den Kurs der impfkritischen Partei gewesen sein.
Die MFG verliert kurz nach dem verpassten Einzug in den Tiroler Landtag eine ihrer zentralen Figuren. Der Bundesgeschäftsführer, Bundesfinanzreferent und Chef der Landesgruppe in Salzburg, Gerhard Pöttler, hat Freitagfrüh in einem Schreiben über sein Ausscheiden aus der Partei informiert. Er werde seine Tätigkeit mit sofortiger Wirkung beenden.
MFG-Bundesgeschäftsführer Gerhard Pöttler tritt aus Partei aus
"Ich bin zur Auffassung gekommen, dass die handelnden Personen bei uns zum Teil nicht mehr in die Praxis umsetzen, was wir unseren Unterstützern versprochen haben. Da kann und will ich nicht mehr mitmachen", schreibt Pöttler. Anbiedern an das bestehende System sei aus seiner Sicht auch schon bei der MFG passiert.
Konkret führte der Salzburger eine Rechnung für eine Coaching-Ausbildung für die drei MFG-Landtagsabgeordneten in Oberösterreich in der Höhe von 28.800 Euro für insgesamt 30 Einheiten an. Dies sei gesetzlich zwar im Parteienfinanzierungsgesetz geregelt und auch genehmigt. Moralisch sei es für ihn in einer MFG, die "anders" sein wolle, aber nicht vertretbar, für eine Einheit pro Person fast 1.000 Euro Steuergeld brutto zu bezahlen, während sich viele Menschen die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens nicht mehr leisten könnten.
Pöttler enttäuscht: "Partei nicht anders als andere Parteien"
"Für mich war die MFG eine Hoffnungspartei. Die Rechnung aus Oberösterreich zeigt aber - als nur eines von vielen Beispielen - dass die Partei eben nicht anders ist als andere Parteien", sagte Pöttler im Gespräch mit der APA. Für den Weg weg von einer "Ein-Themen-Partei" hin zu neuen Themen, bei denen sich die Partei klar positionieren müsse, brauche es vielmehr eine kritische Auseinandersetzung mit den bei der Gründung erarbeiten Werten. "Vielleicht ist mein Ausstieg der Startschuss für die MFG, einen Nachdenkprozess zu beginnen."
Schlappe bei Tirol-Wahl nicht Grund für Rücktritt
Er wolle aber weder Schmutzwäsche
waschen noch jemanden persönlich angreifen, sagte Pöttler im
APA-Gespräch und bedankte sich bei seinen Mitstreitern. Der verpasse
Einzug in den Tiroler Landtag am vergangenen Wochenende sei kein Grund
für den Rücktritt gewesen. Eine Rückkehr in die Politik schloss er knapp
zwei Jahre nach der Gründung der Salzburger Landesorganisation aus.
MFG-Bundespartei-Obmann
und Präsidentschaftskandidat Michael Brunner kündigte Freitagfrüh
gegenüber der APA eine Stellungnahme an. Der MFG-Landtagsklub in
Oberösterreich war zunächst nicht erreichbar. Unklar ist, was das
Ausscheiden von Pöttler für die MFG ein halbes Jahr vor der Salzburger
Landtagswahl am 23. April 2023 bedeutet. In einer Pressekonferenz Mitte
August hatte der scheidende Landesparteichef noch betont, dass laut
einer selbst durchgeführten Umfrage elf Prozent der Befragten die MFG
wählen würden.