Am Mittwoch wurde Ex-Kanzler Sebastian Kurz im ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss rund fünfeinhalb Stunden als Auskunftsperson befragt.
Im Mittelpunkt der Befragung von Altkanzler Kurz im ÖVP-U-Ausschuss standen neben viel Fraktions-Hick-Hack Fragen zu Postenbesetzungen, OMV, Signa und Sigi Wolf. Viel Neues gab es dabei nicht zu hören - wie von Kurz schon vor der Befragung angekündigt. Aufgrund zahlreicher Geschäftsordnungsdebatten konnten nur drei der fünf Fraktionen Fragen stellen. Kurz soll daher nochmals geladen werden.
Das sagte Altkanzler Sebastian Kurz im ÖVP-U-Ausschuss am Mittwoch
Den
Ton setzte die ÖVP gleich zu Beginn - die erste
Geschäftsordnungswortmeldung von Fraktionsführer Andreas Hanger (ÖVP)
folgte schon, bevor überhaupt die erste Frage des Verfahrensrichters
gestellt wurde. Anschließend lieferte Kurz oft durchaus ausführliche,
meist aber ausweichende Antworten zu den Fragen von NEOS und SPÖ.
Vereinzelt entschlug er sich auch aufgrund eines gegen ihn laufenden
Strafverfahrens wegen falscher Beweisaussage bzw. im sogenannten
Beinschab-Komplex - also jener Affäre rund um Meinungsforscherin Sabine
Beinschab und mutmaßlich von türkisen Ministerien mit öffentlichem Geld
beauftragte Studien.
Rolle von Kanzler Kurz bei Verlängerung der Gaslieferverträge zwischen OMV und Gazprom
Thematisiert wurde etwa die Rolle des Altkanzlers bei der Verlängerung des Gasliefervertrags zwischen OMV und Gazprom, bei der Kurz und Russlands Präsident Wladimir Putin anwesend waren. Der Ex-ÖVP-Chef räumte nur ein, hier im Vorfeld informiert gewesen zu sein. Er habe aber weder den Vertrag verhandelt noch die Strategie in der OMV festgelegt. Zu einem gemeinsamen Foto meinte er: "Ich bin bei vielen Vertragsabschlüssen am Foto dabeigestanden, ohne dass ich den Vertrag verhandelt oder den Inhalt der Verträge gekannt habe."
Geheimdienstwarnungen zu Bestellung von Rainer Seele zum OMV-Chef
Neu war für Kurz, dass es 2015 bei der Bestellung von Rainer Seele zum OMV-Chef laut einem Medienbericht Geheimdienstwarnungen gegeben haben soll, "Ich kenne das Mantra, dass ich an allem Schuld sein muss", aber 2015 sei er Außenminister gewesen und in diese Personalie nicht involviert gewesen. Im Übrigen sei Österreich schon in seinem Geburtsjahr 1986 fast zur Gänze von russischem Gas abhängig gewesen, merkte er an.
Kurz: "Ich kenne das Mantra, dass ich an allem Schuld sein muss"
Schon bei seinem Eintreffen hatte Kurz klargemacht, dass er sich "nichts Neues erwartet". In einem kurzen Statement vor Journalisten ("Wir haben uns ja länger nicht mehr gesehen") gab sich der von seinem Anwalt Werner Suppan begleitete Ex-Kanzler als Ausschussprofi: "Das ist heute nicht mein erster Untersuchungsausschuss." Er sei mittlerweile schon zum vierten Mal in einen solchen geladen. Insofern kenne er mittlerweile die Strategien der Fragesteller - dementsprechend habe er seine eigene auch angepasst, um nur ja nicht in die Gefahr eines neuen Verfahrens wegen Falschaussage zu kommen.
Altkanzler kurz schon zum vierten Mal zu einem U-Ausschuss geladen
Nicht wirklich erinnern konnte sich Kurz etwa an einen
Anruf von Signa-Gründer Rene Benko bezüglich eines "Tauschs" des
Winterpalais des Finanzministeriums gegen die Postsparkasse. Auch wann
er vom Steuerverfahren gegen den Industriellen Sigi Wolf erfahren habe,
konnte er nicht genau einordnen.
Kurz erinnerte sich nicht an Anruf von Signa-Gründer Rene Benko
Ganz eindeutig dagegen die
Antwort von Kurz, ob es Kickback-Zahlungen an die ÖVP von diversen
Agenturen im Gegenzug für Regierungsaufträge gegeben habe. Das könne er
ausschließen, er kenne die Leute in der ÖVP sehr gut.
Nach Kurz
stellt sich Ex-VP-Generalsekretär Axel Melchior den Fragen der
Abgeordneten. Die Befragung des ebenfalls geladenen ÖVP-Tiroler
Abgeordneten und obersten Seilbahners Franz Hörl dürfte sich nicht mehr
ausgehen.