Laut zwei Studien wünscht sich das ORF-Publikum mehr Abwechslung im Unterhaltungsbereich.
Auch ist das öffentlich-rechtliche Medienhaus damit konfrontiert, dass Personen bis zum Alter von 29 Jahren weit häufiger bei Streamingplattformen Unterhaltung suchen. Punkten kann der ORF dagegen mit Regionalität, Eigenproduktionen und bekannten Gesichtern.
Zwei Studien wurden dem ORF präsentiert
Andreas Kratschmar, Vorsitzender des Programmausschusses im Publikumsrat, präsentierte die zwei Studien, die sich mit non-fiktionalen und fiktionalen Unterhaltungsangeboten auseinandersetzen und für die österreichische Wohnbevölkerung ab 14 Jahren repräsentativ sind. Es zeigt sich, dass vor allem Kabarett, Satire und Comedy im non-fiktionalen Bereich hoch geschätzt werden. Die Befragten nutzen den ORF zwar etwas häufiger zu Unterhaltungszwecken als private Sender oder öffentlich-rechtliche deutsche Anbieter. Doch hinsichtlich der Zufriedenheit mit der gebotenen Unterhaltung kann sich der ORF nicht abheben. "Hier schwimmen wir mit", sagte Kratschmar. Rund ein Drittel der Befragten wünscht sich mehr Abwechslung. "Bitte was Neues ausprobieren", so der Publikumsrat.
ORF-Publikum will mehr Abwechslung
Beim
fiktionalen Unterhaltungsangebot zeigt sich, dass Streamingdienste in
puncto Zufriedenheit bereits klar vor dem ORF liegen. Auch bei der
Nutzung punkten Netflix und Co speziell bei den bis 29-Jährigen. 80
Prozent dieser Zielgruppe nutzen Streamingdienste regelmäßig,
ORF-Programme dagegen nur 46 Prozent. Bei Personen ab 50 Jahren liegt
aber nach wie vor der ORF (75 Prozent) klar vor Streamingdiensten (20
Prozent). Bemängelt werden im ORF-Unterhaltungsprogramm zu viele Wiederholungen bzw. wenig Abwechslung. Geschätzt werden dagegen Österreichbezüge, bekannte Gesichter, Regionalität sowie Eigenproduktionen.
Unterhaltungsbereich beim ORF sei nicht zu unterschätzen
"Der Bereich Unterhaltung
ist für die Legitimation des ORF nicht zu unterschätzen", so
Kratschmar. Die Mitglieder des Publikumsrats empfehlen auf die
veränderten Nutzungsgewohnheiten vor allem jüngerer Personen Rücksicht
zu nehmen und die Stärken des ORF im Unterhaltungsbereich - Regionalität und Eigenproduktionen - weiterzuentwickeln.
Streamingdienste setzen auf Fiktion und Dokus
"Mit
einem Spezialisten zu konkurrieren ist natürlich schwierig", so
ORF-Chef Roland Weißmann. Streamingdienste setzen vor allem auf Fiktion
und Dokus. Der ORF sei dagegen mit Info-, Kultur- und Sportangebot
breiter aufgestellt. Abermals pochte er auf eine Digitalnovelle, um etwa
mit einem Ende der 7-Tage-Abrufregel das Angebot des
öffentlich-rechtlichen Medienhauses für jüngeres Publikum attraktiver zu machen. Die Präsenz von ORF-Sport auf Tiktok ist auch ohne Digitalnovelle möglich. Jedenfalls startet der ORF im
Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft ein entsprechendes Angebot.
Primär junge Menschen wolle man damit erreichen, sagte Weißmann.
Experimentiergeist auch im Ausland verloren gegangen
Gefragt nach großen Shows meinte ORF 2-Channelmanager Alexander Hofer, dass der diesbezügliche Experimentiergeist auch im
Ausland etwas verloren gegangen sei. Öffentlich-rechtliche
Medienunternehmen und Private würden großteils auf Produktionen setzen,
die sie bereits haben und diese vorsichtig weiterentwickeln. Für
Experimente im
Hauptabend müsse man "sehr viel Geld haben". Gemessen werde man am
Erfolg. Tritt dieser nicht ein, sei das Argument, man habe etwas
ausprobiert, wenig wert.
Neues ORF-Publikumsratmitglied
Auch ein neues Publikumsratsmitglied wurde am Mittwoch vorgestellt. Josef Siffert folgt auf Markus Habermann. Er wurde von der Landwirtschaftskammer entsandt.