2022 dürften Österreichs Haushalte drei bis vier Milliarden Euro mehr im Handel ausgeben als 2021. Dafür bekommen die Österreicher allerdings nicht mehr Produkte.
Die Österreicher geben 2022 mehr Geld für weniger Produkte aus, als im Jahr 2021. Denn die Differenz - im Schnitt 760 Euro pro Haushalt - werde von der Inflation aufgefressen, sagte Andreas Kreutzer, Chef des Branchenradar.com, am Dienstag vor Journalisten. Das seien noch Ausgaben ohne Energie, Mieten, Treibstoffe. In Summe dürfte der Umsatz des Handels heuer zwar nominell zulegen - real aber leicht schrumpfen.
Haushalte geben 2022 bis zu vier Mrd. Euro mehr im Handel aus
Rund 70 Mrd. Euro Umsatz hat laut einer Untersuchung von Kreutzer im Auftrag des Handelsverbands der Handel 2021 erzielt, real sei das Niveau von 2019, vor der damit aber noch nicht erreicht. Das wird sich auch heuer nicht ausgehen. Wie sehr Händler dabei die steigenden Preise weitergeben können, hänge stark von der Branche ab. Modeartikel etwa seien heuer kaum teurer als im Vorjahr, weil die Menschen sehr preissensibel geworden seien. Der Umsatz steige heuer zwar stark, weil die Menschen nachholen, was sie in zwei Jahren mit Lockdowns versäumt haben. Der Verkauf dürfte aber trotzdem gerade nur das Niveau von 2019 wieder erreichen, so Kreutzer.
Die Inflation frisst den Österreichern rund 760 Euro weg
Dafür dürfte 2022 eine Rückkehr des
stationären Handels bringen: Hier legen die Umsätze um mehr als fünf
Prozent zu während der Online-Absatz nur um zwei Prozent steigt.
2022 bringt in Österreich eine Rückkehr zu stationärem Handel
Rainer
Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, warnte in der gemeinsamen
Pressekonferenz, dass laut einer Umfrage heuer 6.000 Händler schließen
könnten - viele davon still und ohne Insolvenz. Das werde in manchen
Innenstadtlagen das Stadtbild negativ verändern, warnt Will und fordert
eine stärkere Unterstützung für den Handel. Insbesondere kritisiert er
das bisher angekündigte Hilfspaket der Regierung für energieintensive
Betriebe. Demnach sollen Unternehmen, deren Energiekosten mehr als drei
Prozent der Produktionskosten ausmachen, eine Unterstützung erhalten.
Entgegen den Ansagen der Regierung würden "praktisch keine"
Handelsbetriebe unter diese Regelung fallen, ärgert sich Will. Dabei sei
dies unter EU-Recht nicht die einzige Möglichkeit, Firmen zu helfen.
Denn es gebe auch eine Bestimmung, wonach jene Betriebe, deren
Energierechnung sich mehr als verdoppelt hat, Förderung erhalten können.
Das würde für viele Händler gelten, sei bisher in Österreich aber nicht
vorgesehen, kritisiert Will. Abgesehen von der Kurzarbeit würden andere
Branchen im Vergleich zum Handel bei Förderungen bevorzugt, das sei
schon in Coronazeiten so gewesen, findet Will.
Lebensmittelhandel mit 27 Mrd. Euro Umsatz größter Sektor
Schwer tut sich der
Lebensmittelhandel, mit etwa 27 Mrd. Euro Umsatz der größte Sektor im
Handel. Denn inzwischen reduzieren sich laut einer Befragung des
Handelsverbands 19 Prozent der Menschen auf die notwendigsten Ausgeben,
drei Viertel setzen auf günstige Lebensmittel. Das habe den Trend weg
von Markenartikeln hin zu Handelsmarken beschleunigt. Auch Bioprodukte,
die sich tendenziell weniger verteuert haben als konventionelle, würden
sehr oft unter Handelsmarken vertrieben, gibt Kreutzer zu bedenken.
Preise steigen auch ohne Preiserhöhungen derzeit
Kreutzer
wies seinerseits darauf hin, dass viele Wirtschaftsbereiche derzeit die
allgemeine, auch in den Medien geschürte Erwartung, dass Preise ohnehin
steigen, dazu nutzen, ohne Not die Preise zu erhöhen. Flugpreise etwa
seien um 26 Prozent gestiegen, obwohl nur das Kerosin teurer geworden
sei und das um weniger als 26 Prozent. Die hohe Inflation habe nicht nur
mit gestiegenen Preisen am Anfang der Wertschöpfungskette zu tun,
sondern "jeder Wirtschaftssektor knallt noch etwas drauf", so Kreutzer.
Das sei "kein Vorwurf, das ist Fakt". Fazit des Marktforschers: "Die
Welt ist nicht gut."
Teuerung wird sich beim Weihnachtsgeschäft zeigen
Wie das Jahr insgesamt zu bewerten ist, wird
sich erst nach dem Weihnachtsgeschäft zeigen. Und dieses sei heuer
besonders schwer, weil einerseits bei vielen Betrieben die hohen
Energiepreise erst zum Jahresende so richtig durchschlagen und
andererseits die Haushalte zunehmend die gestiegenen Energiekosten und
Mieten spüren werden, so Norbert Scheele, Vizepräsident des
Handelsverbands und Chef von C&A Österreich und CEE: "Dann werden
wir sehen, was sich die Menschen noch leisten können oder wollen."