Nach den Tiroler Landtagswahlen am Sonntag halten Experten eine Koalition aus ÖVP und SPÖ für am wahrscheinlichsten.
Die Fortsetzung der schwarz-grünen Landesregierung in Tirol ist nach Stimmenverlusten beider Parteien bei den nicht mehr möglich. Meinungsforscher und Politikberater erachten ein Revival einer Koalition aus ÖVP und SPÖ für am wahrscheinlichsten. Als "nahezu aufgelegt" bezeichnete Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) diese Variante gegenüber der APA.
Das letzte Mal regierten die beiden "Großparteien", ÖVP und SPÖ, Tirol gemeinsam bis 2013 unter der Führung von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Dessen überhasteter Rückzug dürfte seinen Teil zum historisch schlechtesten Ergebnis der Tiroler ÖVP beigetragen haben. "Wie man das so vergeigen kann, ist beinahe einmalig", fand Bachmayer klare Worte zum Abgang des Ex-Landeshauptmanns.
Eine Dreierkoalition zwischen SPÖ, Grünen und ÖVP sehen sowohl Bachmayer als auch der Politikberater Thomas Hofer und der Meinungsforscher Peter Hajek als nicht wünschenswert für die ÖVP. Dafür, dass die ÖVP ihre Koalition mit den Grünen und einer weiteren Partei weiterführen könnte, sieht Bachmayer keine Gründe. Am ehesten würde sich ein "Neustart" aber wohl noch mit der Liste Fritz verkaufen lassen. "Zwei Partner bei Laune zu halten, ist aber immer schwierig", sagte Hofer.
Eine Koalition mit der FPÖ hat ÖVP-Landesparteiobmann Anton Mattle bereits vor der Tiroler Landtagswahl ausgeschlossen. Dieser sitze nach der "erträglichen Niederlage" wieder fest im Sattel und werde wohl auch parteiintern nicht dazu gedrängt werden können, es mit den Freiheitlichen zu versuchen, sagte Bachmayer.
So
bleibt eigentlich nur die SPÖ. Diese hat ihr Wahlziel von mindestens 20
Prozent klar verfehlt und werde der ÖVP "den roten Teppich ausrollen",
ist sich Bachmayer sicher. SPÖ-Landeschef Georg Dornauer betonte
allerdings bei der Wahlfeier am Sonntagabend, er werde "nicht um jeden
Preis" in eine Regierung eintreten. Für das "in vielen Ländern erprobte
Modell" spreche auch, dass Mattle die Koalitionsgespräche so wohl am
schnellsten beenden könnte, glaubt Bachmayer. Das käme auch der SPÖ
entgegen, die für Thomas Hofer anlässlich des Wahlergebnisses keinen
Grund zum Feiern habe und mit einer Regierungsbeteiligung Gespräche über
ihr schlechtes Abschneiden schnell beenden könnte.