Bei der Bundespräsidentenwahl spielen Facebook und TikTok eine wichtige Rolle; der Präsidentschaftswahlkampf ist nun endgültig auch im Internet angekommen.
Auf den Sozialen Medien Facebook, Instagram & Co kämpfen die sieben Kandidaten mehr oder minder ambitioniert um Wählerstimmen und nehmen dafür auch Geld in die Hand. Die mit Abstand meisten Menschen erreicht man mittlerweile auf TikTok. Die verkürzte und oftmals humoristische Darstellung ihrer Interessen birgt für die Kandidaten aber auch Gefahren. In ihrem Auftritt sehen Experten klare Strategien.
Präsidentschaftswahlkampf im Internet
Facebook gilt nach wie vor als "Basismedium", da man innerhalb der großen Gruppe der 25-60-Jährigen ein sehr breites Publikem erreicht, sagt Markus Zimmer, Geschäftsführer der Social Media Marktforschungsagentur Buzzvalue. Vor allem für Parteien rechts der Mitte sei Facebook interessant, da besonders zielgruppenspezifisch geworben werden kann. Die FPÖ gilt als Partei, der der Sprung in die digitale Welt als erster gelungen ist. Die Zeiten, in denen einem einzigen FPÖ-Politiker 800.000 Menschen folgen, sind jedoch vorbei.
Rosenkranz ließ sich Facebook- und Instagram-Auftritt am meisten kosten
Der von der FPÖ nominierte Hofburg-Kandidat Walter Rosenkranz ist mit rund 53.000 Euro der Kandidat, der sich seinen Facebook- und Instagram-Auftritt am meisten kosten hat lassen. Neben ihm haben bis Mitte September lediglich der Amtsinhaber (40.000) und MFG-Kandidat Michael Brunner (1.500) Geld an die beiden Plattformen bezahlt.
Der Auftritt von Rosenkranz erinnert an den Wahlkampf im Jahr 2016 - wo die FPÖ Norbert Hofer im Hofburg-Rennen hatte. Rosenkranz versuche es rhetorisch nicht zu übertreiben, einerseits weil er mit Michael Brunner (MFG) und Gerald Grosz (früher FPÖ/BZÖ) Gegenkandidaten hat, die "rhetorisch zwei, drei Gänge höher schalten" - und zudem dem Volksanwalt mit FPÖ-Parteiobmann Herbert Kickl ohnehin ein "Brachialrhetoriker" zur Seite steht, so der Politikberater Thomas Hofer.
Facebook und TikTok sind wichtig bei BP-Wahl
Will man viele
Menschen erreichen, heißt die richtige Plattform TikTok. Mit rund 1,5
Millionen User und Userinnen in Österreich ist TikTok längst nicht mehr
das "Teenagermedium", als das es oft gesehen wird. Auch Mitte 30-jährige
erreicht man über die Plattform, auf der ausschließlich kurze Videos
gepostet werden. Mehr als sieben Millionen Mal wurden die Inhalte der
Kandidaten auf Tiktok bereits angeklickt, deutlich öfter als auf dem
zweitstärksten Medium Youtube (1,5 Millionen). Bundespräsident Alexander
Van der Bellen sowie die Kandidaten Dominik Wlazny und Grosz hätten das
am besten erkannt und die größte Reichweite auf TikTok, so Zimmer.
Tweets verfassen nur Van der Bellen und Wlazny
Tweets
verfassen hingegen lediglich der Amtsinhaber und Wlazny. "Twitter ist
eine Plattform, die Rechtspopulisten in Österreich gar nicht
interessiert", so Zimmer.
Politische Akteure sehen soziale Medien als wichtige Kanäle
Mittlerweile haben politische Akteure
erkannt, dass soziale Medien wichtige Kanäle sind. Durch die verkürzte
und oftmals überspitzte Darstellung tragen sie aber zu einem ohnehin
emotional aufgeladenen Wahlkampf bei, sagte Hofer. Vor allem kleinere
Kandidaten können soziale Medien zur Mobilisierung nutzen. Auf Medien
wie TikTok präsentieren sich Kandidaten anders als in TV-Duellen, das
kann aber auch zu "Patzern" führen. Die Video-Clips des Amtsinhabers
könnten von Gegnern instrumentalisiert werden, um ihm mangelnde
Sensibilität zu attestieren.
Van der Bellen versucht beide Rollen zu trennen
Van der Bellen versuche aber auch,
seine beiden Rollen als Amtsinhaber und Wahlkämpfer voneinander zu
trennen. So tritt er auf Social Media nicht unter seinem bürgerlichen
Namen, sondern "derkandidat_vdb" mit lustigeren Inhalten und "Sagern"
auf, die er so wohl nicht bei einer Festspieleröffnungsrede äußern
würde. Sein Hauptmotiv sei es jedoch, Wähler und Wählerinnen zu
mobilisieren. Dass Van der Bellen die inhaltliche Debatte meide liege
wohl daran, dass er die anderen Kandidaten nicht auf Augenhöhe kommen
lassen wolle, analysiert Hofer. "Es ist eine Art politischer
Rallyefahrer, der mit einem Fuß auf der Bremse und mit dem anderen am
Gas steht", so der Politikberater.
Viel Interaktionen auf Social Media bedeuten nicht automatische viele Stimmen
Viele Interaktionen auf Social
Media bedeuten aber nicht automatisch viele Wählerstimmen. "Wenn jedes
Like und jeder Klick eine Wählerstimme bedeuten würde, würde Gerald
Grosz Präsident werden", sagte Zimmer. Der Blogger liegt mit 1,3
Millionen Interaktionen (Likes, Shares, Kommentare) weit vor Wlazny
(570.000), Rosenkranz (290.000) und Van der Bellen (260.000).
Wallentan hat nur rund 20.000 Interaktionen
Nur
rund 20.000 Interaktionen auf seinen Social Media Accounts hat Tassilo
Wallentin, der laut Hofer neben Freiheitlichen auch Wähler der ÖVP
ansprechen möchte. Der Experte schließt auch nicht aus, dass Wallentin
eine eigene Partei gründen könnte.
Brunner hat lediglich 12.000 Interaktionen
Ebenso lediglich 12.000
Interaktionen hat Michael Brunner. Die MFG hat aber im Wahlkampf vor der
oberösterreichischen Landtagswahl gezeigt, dass sie über Telegram
mobilisieren kann. An eine derart erfolgreiche Wiederholung bei der
Präsidentschaftswahl glaubt Hofer zwar nicht, unterschätzen dürfe man
diese Form der Kommunikation aber nicht.
Staudinger verzichtet auf Social Media Auftritt
Der einzige Wahlkämpfer,
der auf einen Social Media Auftritt verzichtet, ist Heinrich Staudinger.
"Er hat eine gewisse Fanbase und auf die setzt er. Ich glaube auch
nicht, dass Social Media seine Welt ist", sagte Zimmer.
Abhebung von anderen Kandidaten schwierig
Für Grosz
und die anderen Kandidaten rechts der Mitte ist es jedoch schwierig,
sich voneinander abzuheben. Falls das überhaupt gelingen kann, dann nur
auf Social Media, betont Zimmer. Denn da "kann man verschiedene
Zielgruppen mit verschiedenen Inhalten ansprechen, ohne dabei eine
andere Gruppe abzuschrecken". Sich voneinander abzugrenzen sei aber gar
nicht das vorrangige Ziel der Kandidaten. "Sie alle haben eine Message:
Mein Gegner heißt Van der Bellen", so Hofer. Dass sie dabei alle im
selben Wählerpool fischen, versuchen die Kandidaten in der Diskussion
außen vor zu lassen. "Sie wollen sich an dem Amtsinhaber reiben, um sich
dadurch größer zu machen. Dieser will natürlich genau das verhindern."
Social Media als wichtige Rolle bei der BP-Wahl
Was laut Hofer alle Gegenkandidaten in unterschiedlicher Ausprägung eint, ist die Erzählung von einem System, das sie aufbrechen wollen und einem "Systemkandidaten" Van der Bellen. Sie erklären, dass sie als Präsident Korrektiv oder Gegenspieler wären und damit ein neues Amtsverständnis hätten. Dass Social Media dabei eine Rolle spielen kann, haben mittlerweile (fast) alle verstanden.