In der ersten Landtagswahl seit den Korruptionsermittlungen im Bund samt Rücktritt von Sebastian Kurz droht der ÖVP ein Absturz in Tirol.
Wie tief die erstmals von Anton Mattle in die Wahl geführte Tiroler Volkspartei fällt, wird man heute, Sonntag, Abend wissen. Wird das Minus größer als 15,92 Prozentpunkte, wäre das der Absturz-Rekord in Tirol. Die ÖVP fiele damit erstmals unter 30 Prozent und weit unter ihr bisher schlechtestes Ergebnis seit 1945.
Umfragen: ÖVP wird Platz 1 halten können
Platz 1 wird die ÖVP allerdings, sagen alle Umfragen, halten können. Der war nie in Gefahr in diesem schwarzen Kernland: Bis 1984 wählten immer um die 60 Prozent der Tiroler die ÖVP. Erst mit dem Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider (ab 1986) ging die Stimmen-Absolute verloren. Die Mandatsabsolute hielt aber noch, auch 2003 reichte es noch einmal für 20 der 36 Landtagsmandate.
Größtes Debakel der ÖVP in 1989
1989 erlitt die Volkspartei - bei starken
Zugewinnen der FPÖ und dem Einzug der Grünen ins Landesparlament - ihr
bisher größtes Debakel: Die minus 15,92 Prozentpunkte sind die aktuelle
Minus-Rekord-Marke. Die ÖVP bekam damals erstmals weniger als 50
Prozent, aber doch noch knapp die Mandatsabsolute. Verantworten musste
diese Niederlage Alois Partl, der 1987 dem legendären Eduard Wallnöfer
nachgefolgt war. Er blieb nach der Wahl zunächst im Amt. 1991 gab er
aber dann den Posten des Parteichefs an den nachdrängenden Wendelin
Weingartner ab, 1993 beerbte ihn dieser auch als Landeshauptmann.
ÖVP kam nicht über die 50 Prozent in Tirol
Über
die 50 Prozent kam die Volkspartei seither nicht mehr - im Gegenteil:
Beständige parteiinterne Streitereien bis hin zu Abspaltungen bescherten
ihr 2013 sogar erstmals weniger als 40 Prozent. Mit damals sogar zwei
VP-Dissidenten im Landtag (die Liste Fritz hielt sich, "Vorwärts" kam
neu dazu) reichte es nur mehr für 39,35 Prozent. Das ist der bisher
geringste Stimmenanteil der Volkspartei in Tirol.
2018 konnte Platter bei der Tirol-Wahl zulegen
Denn bei seiner
zweiten Wahl 2018 gelang es Günther Platter - im Sog der Kurz-Türkisen -
wieder deutlich zuzulegen, auf 44,26 Prozent. Dass dieses Ergebnis
nicht zu halten ist, war schon länger klar. Platter hat wohl auch
deswegen übergeben und die Neuwahl ausgerufen. Wie viel sein Nachfolger
Mattle einbüßt, entscheiden heute rund 535.000 Tiroler.
ÖVP bei Wahlen durchaus beweglich
Dass sie
bei Wahlen durchaus beweglich sind, sieht man nicht nur an der recht
großen Zahl der Landtagsparteien (aktuell 6), sondern auch an den
ziemlich schwankenden Stimmenanteilen. Einen zweistelligen Verlust hat
nicht nur die ÖVP schon einmal erlitten, auch die SPÖ (-10,39
Prozentpunkte im Jahr 2008) und die FPÖ (-11,64 Prozentpunkte 2003)
wurden schon kräftig abgestraft.
In der Liste der größten Verluste der bisher 150 Landtags-, 23 Nationalrats- und sechs EU-Wahlen der Zweiten Republik rangiert die Tiroler Volkspartei mit ihren minus 15,92 Prozentpunkten auf Platz 5. Der unrühmliche Platz 1 droht ihr auch heute nicht: Den hält die FPÖ mit ihren 28,04 Prozentpunkten in Kärnten 2013.