Aktuell befindet sich der Minaralölmarkt in einer Ausnahmesituation. Erst mit hochfahren der OMV-Produktion in der Raffinerie in Schwechat rechnen Experten mit einer Entspannung der Lage.
In einer Ausnahmesituation befindet sich der Mineralölmarkt. Erst nachdem die OMV ihre Produktion in der Raffinerie in Schwechat wieder voll hochgefahren hat, was für die erste Oktoberhälfte angekündigt ist, "erwarten wir zu diesem Zeitpunkt eine entsprechende Entspannung der Lage", sagt Hedwig Doloszeski, Geschäftsführerin des Mineralöl-Fachverbands in der Wirtschaftskammer (FVMI) am Dienstag auf Anfrage der APA. Die Diesel-Verfügbarkeit ist derzeit beschränkt.
Mineralölmarkt ist in der Krise: Fallweise Diesel-Engpässe
Derzeit läuft die Anlage in Schwechat nur mit einer Kapazität von 20 Prozent. Immer wieder war zuletzt von einzelnen geschlossenen Tankstellen zu hören oder dass einzelne Tankstellen einzelne Treibstoffe wie etwa Diesel kurzfristig und vorübergehend nicht mehr anbieten konnten. "Alle Mineralunternehmen arbeiten daran, mögliche Engpässe bei der Kraftstoffversorgung auszugleichen", sagt Doloszeski. "Dennoch können wir fallweise Engpässe nicht ausschließen."
Verfügbarkeit von Diesel-Treibstoff ist derzeit beschränkt
"Aktuell ist
die Verfügbarkeit von Diesel-Treibstoff beschränkt", bedauert die
FVMI-Geschäftsführerin. "Fallweise kann es im österreichischen
Tankstellennetz daher zu Lieferengpässen kommen. Grund dafür ist die
hohe Nachfrage bei gleichzeitiger Angebotsknappheit am Markt."
Europäischer Kraftstoffmarkt sei angespannt
Der
gesamte europäische Kraftstoffmarkt sei angespannt. Neben Problemen in
Schwechat gebe es auch Produktionsausfälle in anderen europäischen
Raffinerien. Schwierigkeiten seien etwa vom Niedrigwasser am Rhein
verursacht worden. Zudem seien in den vergangenen Monaten mehrere
Raffinerien aufgrund von geplanten Wartungsarbeiten, die wegen Corona
verschoben worden waren, nicht verfügbar gewesen.
Produktangebot sei wegen reduzierter Importe aus Russland zurückgegangen
Ohnehin
zurückgegangen sei das Produktangebot, weil die Importe aus Russland
reduziert wurden. Damit einhergehend stellen viele Unternehmen von Gas
auf alternative Energieformen wie Heizöl um. Dieser Schritt wird auch
mit öffentlichen Geldern gefördert, um die Produktion
aufrechtzuerhalten, sollte Gas richtig knapp werden.
Höhere Nachfrage seit Ende des Sommers in Nachbarländern
"Außerdem
gibt es seit Ende des Sommers eine steigende Nachfrage in Österreich
aufgrund teilweise eingeschränkter Abgabemengen und auslaufender
Preisregelungen in Nachbarländern", so Doloszeski. "So gilt in
Deutschland der im Juni eingeführten Tankrabatt seit September 2022
nicht mehr."
Europa sei insgesamt ein Diesel-Importmarkt
Insgesamt sei Europa ein Diesel-Importmarkt. Und im
"Dieselland" Österreich wird mehr Diesel verbraucht als hergestellt.
Importiert werden hierzulande 59 Prozent des Bedarfs, hauptsächlich aus
Deutschland. Dort herrschen laut Doloszeski Logistikprobleme auch über
Niedrigwasser und Raffinerie-Ausfälle hinaus. Und: "Aufgrund der
geopolitischen Lage und fehlender russischer Mengen ist weniger Diesel
am europäischen Markt verfügbar." Im Jahr 2021 kamen 30,9 Mio. Tonnen
Diesel aus Russland nach Europa, besagen vorläufige Eurostat-Daten.
Damit hatte Russland einen Marktanteil von rund zehn Prozent, der
wegfällt.