Der Reisemarkt bleibt krisenbedingt teurer. Es ist offen, wass er das Niveau von vor der Coronakrise wieder erreichen wird.
Die Zahlen des heimischen Reiseveranstalters Ruefa zeigen heuer aber doch eine deutliche Erholung gegenüber der beiden Vorjahre 2020 und 2021. Heuer bis Ende August wurden gut 70 Prozent des Umsatzes des Vergleichszeitraums 2019 erzielt. Die Buchungsnachfrage bis November ist stark, für den Winter aber durch die noch sehr zurückhaltend. Zudem wird Reisen weiter teurer.
Reisen bleibt auch 2022 weiterhin teurer als vor der Coronakrise
Das ging am Dienstag aus den Ausführungen der Ruefa-Geschäftsführerin Helga Freund und -Geschäftsführer Michele Fanton hervor, als sie vor Journalistinnen und Journalisten in Wien eine Rück- und Vorschau präsentiert haben. Das Sommergeschäft wurde im Vorjahresvergleich demnach mehr als verdoppelt. "Ganz ungetrübt waren die letzten Monate aber nicht - wir hatten mit Teuerungen, Flugchaos an neuralgischen Flughäfen und natürlich auch mit den weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen einige Spielverderber dabei", sagte Freund.
Notfallhotline wegen Problemen an Flughäfen außerhalb Österreichs
Wegen
der gestiegenen Probleme an Flughäfen außerhalb Österreichs richtete
Ruefa eine eigene Notfallhotline ein, die auch wochenends ab 7 Uhr in
der Früh erreichbar ist. Das sei stark angenommen worden und werde auch
beibehalten, denn Probleme bei Fliegen bleiben weiterhin möglich - vor
allem bezogen auf die Gepäckabfertigung, hieß es. Die Verwerfungen in
der Luftfahrt führten auch zu einem weiteren Mehraufwand bei der Tochter
des Österreichischen Verkehrsbüros. "Die Kolleginnen und Kollegen in
den Reisebüros mussten jede vierte Buchung, die einen oder mehrere
Linienflüge beinhaltete, mehrfach bearbeiten", sagte Freund.
Preissteigerungen beim Reisen fallen nicht so stark aus wie bisher
Die
nunmehr erwarteten Preissteigerungen fallen nicht mehr so stark aus wie
in den vergangenen Monaten. Sie werden im einstelligen, moderaten
Bereich erwartet, hieß es bei der Pressekonferenz. Zuletzt war die
Teuerung sehr hoch. Heuer im Sommer gab es eine Steigerung bei den
Pauschalreisen gegenüber 2021 von 10 bis 15 Prozent. Vorteilhaft war und
bleibe es, früh zu buchen, betonte Freund. Denn dann halte der Preis
auch wenn es unterdessen kurzfristige Preissteigerungen im sogenannten
dynamischen Bereich bei Flugtickets und bei Hotels gibt. "Bestehende
Buchungen wurden wie von uns angekündigt nicht erhöht. Mit
entsprechenden Flexoptionen sind die Kundinnen und Kunden beim
Frühbuchen immer besser ausgestiegen."
Ruefa-Kunden buchten im Schnitt Sommerurlaub um 1.280 Euro
Die Ruefa-Kunden haben den
Sommerurlaub 2022 um durchschnittlich 1.280 Euro gebucht. Das ist mehr
als ein Drittel über dem Vorcoronaniveau. Am meisten Reisen verkaufte
Ruefa mit dem Anteil von einem Viertel nach Griechenland, dahinter
folgte Spanien mit einem Zehntel sowie die Türkei und Italien mit rund 7
Prozent. Mit einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis lockt
neben der Türkei Ägypten (gut 5 Prozent).
Der Anteil der
Österreich-Reisen brach nach dem Auslandsreisebeschränkungen der letzten
beiden Jahre heuer auf 3,9 Prozent (Platz sieben) ein, lag damit aber
immer noch deutlich höher als vor der Coronakrise. Voriges Jahr war der
Anteil der Österreichurlaube bei mehr als 7 Prozent gelegen, 2019 aber
lediglich bei 2,3 Prozent.
Unsicherheit beim Reisen bleibt analog zur Weltlage
Dass die Unsicherheiten bei den
Verbrauchern analog zur Weltlage bleiben, zeigen noch verhaltenen
Winter-Buchungen. Der Buchungsstand liegt derzeit nur bei 28 Prozent
verglichen zum Wert zum selben Zeitpunkt 2019 vor der Wintersaison
2019/2020. Zuletzt seien die Anfragen gestiegen.
Allgemeine Preissteigerung im Tourismus und Energiekrise
"Allgemeine
Preissteigerungen im Tourismus, das Thema Energiekrise und natürlich
auch das unberechenbare Pandemiegeschehen - all das spielt zusammen und
beeinflusst sowohl Stimmung wie auch natürlich die Urlaubsbudgets",
sagte Freund zur aktuellen Lage. Derzeit spiegle die Buchungslage die
"absolute Kurzfristigkeit und Trend zur Spontanbuchung" wider. Dabei
mache sich frühbuchen bezahlt. "Auf kurzfristige Schnäppchen zu setzen
ist nicht ratsam", sagte Fanton. "Es mag schon sei, dass wir das eine
oder andere Angebot reinbekommen, aber es wird definitiv nicht günstiger
werden."
Im Tend liegen im Winter Reisen in warme Gefilde
Für den Winter im Trend liegen längere Reisen in warme
Gefilde - man kann zu Hause auch gleich teure Energie einsparen, was
auch für rein digital-arbeitende interessant sei. Etwa seien Kenia,
Ostafrika wieder im Kommen. Das gelte auch für Thailand.
Im Trend beim Reisen liegt 2022 die Nachhaltigkeit
Ebenso im Trend liegt allgemein die Nachhaltigkeit. Bis zum Sommer will Ruefa ein eigenes Label präsentieren, dass das nachhaltige Reisen garantiert. Hier geht es um kleinere Hotels und mehr Nutzen für die lokale Wirtschaft.