Die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine im Krieg gegen Russland sind für Außenminister Schallenberg "positive Nachrichten".
Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hat sich erfreut über die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine im Kampf gegen die russischen Invasoren gezeigt. "Das sind sicher positive Nachrichten", sagte Schallenberg am Montag vor Journalisten in Wien. Gleichzeitig sei dies ein Zeichen, dass der Krieg "nicht schnell vorbei sein wird". "Eine Seite will die Zerstörung der Ukraine, die andere verteidigt ihr Territorium", fasste Schallenberg die Lage zusammen.
Minister Schallenberg und Kocher verteidigen Russland-Sanktionen
Schallenberg äußerte sich in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher. Die beiden Minister bekannten sich dabei eindringlich zu den EU-Sanktionen gegen Russland und hoben deren Wirksamkeit hervor, nachdem diese jüngst auch von namhaften ÖVP-Politikern wiederholt zum Diskussionsthema gemacht worden waren.
"Wir haben als Bundesregierung eine klare Linie", bekräftigte Schallenberg. Zwar dürfe es "keine Denkverbote" geben und die Sanktionen würden auch regelmäßig evaluiert, doch stehe in dieser Frage das "Standing" der westlichen Welt auf dem Spiel, mahnte der Außenminister. Während nämlich Russland und China die internationalen Regeln umschreiben wollen, schaue die Welt genau darauf, wie der Westen mit dieser Herausforderung umgehe, argumentierte er.
Sanktionen sollen Russlands Kriegsfähigkeit schwächen
Kocher
betonte, dass es nach dem russischen Angriffskrieg die "grundsätzliche
Notwendigkeit" gegeben habe, Sanktionen zu verhängen. "Daran hat sich
nichts geändert", sagte er. Doch die Sanktionen seien nicht nur richtig
gewesen, sie hätten sich auch als wirksam erwiesen. Schätzungen zufolge
hätten sie heuer einen Einbruch der russischen Wirtschaft um sechs bis
zwölf Prozent bewirkt, während die österreichische Wirtschaft weiterhin
wachsen werde. Die Sanktionen würden in Russland "massiv stärker wirken"
als in den EU-Staaten.
Der Wirtschaftsminister räumte ein, dass man sich einen weniger starken Anstieg der Energiepreise erhofft habe. Der Argumentation, Europa würde über gestiegene Gaspreise den russischen Krieg finanzieren, trat er entgegen. "So einfache Einnahmen-Ausgaben-Schätzungen werden einer komplexen Situation nicht gerecht", betonte Kocher. Ziel der Sanktionen sei es nämlich, die Fähigkeiten Russlands, Krieg zu führen zu schwächen.
Teuerung schon vor Kriegsbeginn in der Ukraine
Schallenberg
verwies diesbezüglich auf die Probleme bei der Wartung von Flugzeugen
oder auch die Schließung von Panzerfabriken wegen der EU-Exportverbote.
"Eigentlich stehen die Zeichen zu unseren Gunsten", sagte der
Außenminister. "Wir brauchen Nervenstärke und müssen die Sanktionen
wirken lassen."
Die beiden Minister beklagten zugleich die Wirkung
der russischen Desinformation. Es sei ein "Irrglaube" und
"Wunschdenken", wenn man meine, dass die Energiepreise bei einer
Aufhebung der Sanktionen wieder sinken würden. Kocher wies diesbezüglich
darauf hin, dass die Teuerung schon vor dem Kriegsausbruch angezogen
habe. Gründe seien der Wirtschaftsaufschwung nach der Coronakrise,
Lieferprobleme und auch der Arbeitskräftemangel gewesen. Somit sei "die
Hälfte" der aktuellen Teuerung "getrieben durch Faktoren, die überhaupt
nichts mit dem Krieg zu tun haben", sagte Kocher.