Am Sonntagabend kam es zu einem Aufeinandertreffen aller sechs Herausforderer des amtierenden Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen bei der BP-Wahl im ORF.
Neben der Klage über die Abwesenheit des Amtsinhabers Van der Bellen arbeitete sich die Männerriege eineinhalb Stunden lang an Themen wie Regierungsentlassung, EU-Austritt oder Russland-Sanktion ab. Überrascht wurden die sechs Kandidaten zur mit einem Test in verfassungsrechtlicher Bundespräsidentenkompetenz.
BP-Wahl-Kandidatendebatte im ORF mit Herausforderungen
FPÖ-Kandidat, Walter Rosenkranz, Ex-FPÖ- und BZÖ-Politiker Gerald Grosz, Rechtsanwalt Tassilo Wallentin, MFG-Chef Michael Brunner, Schuhfabrikant Heinrich Staudinger und Bierpartei-Gründer Dominik "Marco Pogo" Wlazny wurden von Moderatorin Claudia Reiterer zur Bundespräsdientenwahl 2022 etwa gefragt, ob der Präsident nach freiem Ermessen ein Regierungsmitglied entlassen, Landtage auflösen oder Ehrenzeichen verteilen kann. Verfassungsjurist Karl Stöger fungierte als Punkterichter. Vor allem Grosz stieß sich an diesem Umgang mit den Kandidaten. "Machen wir doch keine Gouvernantenprüfung daraus", echauffierte er sich, "das ist doch bittschön kein Kindergarten."
Vier Kandidaten der BP-Wahl buhlten im rechten Spektrum
Drei bis vier der sechs Kandidaten
machten um ihr Buhlen vor allem im rechten Spektrum wenig Hehl, etwa
beim Thema EU. Rosenkranz sah hier mehr Schaden als Nutzen für
Österreich, Wallentin sprach von einer reformbedürftigen
Umverteilungsmaschine Richtung Krisenländer, Brunner prangerte
Lobbyismus, Machtmissbrauch und Bürokratie an, und Grosz versprach eine
Volksabstimmung über einen Verbleib Österreichs in der Union. Anders
Wlazny (über einen EU-Austritt: "da wird mir ganz schlecht, wenn ich nur
daran denke") und Staudinger, der ein Loblied der Geschwisterlichkeit
sang.
Grosz, Brunner und Rosenkranz gegen Russland-Sanktionen
Gegen die Russland-Sanktionen zogen Grosz, Brunner und
Rosenkranz zu Felde, während sich Wallentin hier abwägender zeigte.
Wlazny ergriff vorbehaltlos Partei für die angegriffene Ukraine, während
Staudinger bei diesem Thema einfiel: "Unser Wohlstand gründet sich auf
den Boden der Ausbeutung der Natur, auch der Tiere und auch der Menschen
vor allem in der Dritten Welt."
Wlazny und Brunner beim Thema Impfen ohne Annäherung in ORF-Diskussion
In Zweierkonfrontationen attestierte der Schuhproduzent Grosz beim Thema Ausländerwahlrecht Hetzerei, während dieser meinte, er könne ja auch nicht in Kabul bei der Großmufti-Wahl mitmachen. Ohne Annäherung blieben auch Arzt Wlazny und -Skeptiker Brunner beim Thema in der ORF-Diskussion, und beim Klimaschutz Rosenkranz und Wallentin.
Warum Frauen einen der BP-Wahl-Kandidaten wählen sollen
Warum Frauen einen der antretenden
Männer wählen sollten, beantwortete Staudinger mit seinem Einsatz für
Alleinerziehende. Wallentin fühlte sich hier mit seinem Kind als Kenner
der Problematik. Brunner verwies auf den Wunsch seiner Partei, Mutter-
und Vaterschaft als Beruf anzuerkennen. Grosz wollte sich von Frauen und
Männern "und alles was dazwischen liegt" wählen lassen, Rosenkranz als
Bildungspolitiker sah sich mit diesem Thema im Fokus der Mütter, und
Wlazny meinte schlicht: "Natürlich bin ich Feminist."
Das Urteil
sprach gegen Ende Verfassungsjurist Stöger. Die Kandidaten "sind
tatsächlich im Verfassungsbogen", stellt er einen sechsfachen
Persilschein aus.