Dem Vorschlag der EU-Kommission zu einem möglichen Preisdeckel für Importer von russischem Gas kann Österreich wenig abgewinnen.
Das Energieministerium teilte am Donnerstag mit, dass Österreich einem EU-Preisdeckel für Importer von russischem Gas nicht zustimmen könne. Es sei vor allem eine sanktions- und keine energiepolitische Frage, hieß es in einer Aussendung. "So schmerzlich das ist: Wir sind weiterhin auf russische Gaslieferungen angewiesen."
Preisdeckel auf russisches Erdgas: Österreich ist dagegen
Der Vorschlag der Brüsseler Behörde ist einer von fünf, den die Energieministerinnen und -minister am Freitag in Brüssel diskutieren werden. Auch andere Mitgliedstaaten wie Deutschland oder Tschechien haben sich bis jetzt sehr zurückhaltend zu dem Plan geäußert. Die EU-Kommission hat bisher dazu noch keine Rechtstexte vorgelegt.
Preisdeckel: Energieministerin Gewessler fordert Einigkeit in EU
Energieministerin
Leonore Gewessler (Grüne) fordert auf jeden Fall Einigkeit unter den
EU-Staaten. "Die russische Preistreiberei auf unseren Strommärkten muss
ein Ende haben. Wir müssen hier eine gemeinsame Antwort geben - nur dann
wirkt sie", sagte sie laut Aussendung. Das Energieministerium bewertete
die ersten Vorschläge der EU-Kommission als Schritt in die "richtige
Richtung".
Gwessler will bestimmte Themen bei EU-Treffen einfordern
Gewessler will demnach bei dem morgigen Treffen
bestimmte Themen einfordern: Erstens sollen die Preise durch "kluge
Maßnahmen zur Reduktion der Stromnachfrage" gesenkt werden. Dies müsse
"rasch umgesetzt werden und könne etwa über Auktionen passieren", hieß
es aus dem Ministerium. Dabei geht es vor allem darum, dass
energieintensive Unternehmen zu Spitzenzeiten den Stromverbrauch
reduzieren sollen.
EU-Kommission müsse Anpassung bei Strombörse so bald wie möglich vornehmen
Zweitens müsse die EU-Kommission "so bald wie
möglich Anpassungen beim Preisbildungsmechanismus an der Strombörse
vorschlagen, damit ein hoher Gaspreis nicht sofort den Strompreis
treibt". Dabei fordert das Ministerium eine rasche EU-weite
Umsetzbarkeit, keine Anreize zu zusätzlichem Gasverbrauch und klare
Signale zum raschen Ausbau erneuerbarer Energien.
Laut Gewessler brauche es eine "Diskussion ohne Scheuklappen"
Drittens brauche
es eine "Diskussion ohne Scheuklappen" über den EU-Kommissionsvorschlag
nach einer Solidaritätsabgabe von "Energiekonzernen, die in
Kriegszeiten Zufallsgewinne einfahren". Es werden "Mittel zur
Unterstützung der Menschen und der Unternehmen in Europa" nötig sein.