Zum Welttag der Suizidprävention am Samstag, den 10. September 2022, macht Rat Auf Draht auf die weiterhin alarmierend hohe Anzahl an Beratungsgesprächen zum Thema Suizid bei Jugendlichen aufmerksam.
"Suizid zählt zu den häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit und wird trotzdem immer noch als Tabuthema behandelt", sagt Birgit Satke, Leiterin der Notrufnummer 147 von . Von Jänner bis August wurden von der Anlaufstelle heuer schon mehr als Beratungsgespräche geführt, es sei mit einem ähnlich hohen Niveau wie 2021 zu rechnen. Am Samstag (10. September) ist Welttag der Suizidprävention.
Gespräche zum Thema Suizid "weiter alarmierend hoch"
Das zweite mit Isolation, fehlendem Kontakt zu Gleichaltrigen, Homeschooling, Distance-Learning und Zukunftsängste hat Spuren hinterlassen. "Meist sind es allerdings mehrere Faktoren gleichzeitig, die zu Suizidgedanken oder suizidalen Handlungen führen", sagte Satke. Dazu gehören Konflikte in der Familie, Gewalterfahrungen, Stress in der Schule, Versagensängste, depressive Verstimmungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Cyber-Mobbing.
Jugendliche in Gesprächen oft depressiv und antriebslos
In den
Gesprächen zeigten sich Betroffene antriebslos und in depressiver
Stimmung, überfordert und ohne Ausweg. "Dadurch können sie oft
Unterstützungsangebote, die es in der Familie oder im Freundeskreis
gibt, nicht erkennen und die Tragweite ihre Gedanken oder Handlungen
nicht real abschätzen", warnte Satke.
Rufnummer 147 rund um die Uhr für Teenager mit Suizidgedanken da
Gerade dann sei Hilfe von
außen wichtig. Die Notrufnummer 147 ist rund um die Uhr erreichbar.
"Unser Part besteht darin, die akute Krise aufzufangen und die
Anruferinnen und Anrufer soweit zu stabilisieren, dass die
Suizidgedanken oder suizidalen Handlungen gut abgefangen werden können",
so Satke.
2021 stieg die Zahl der Gespräche zum Thema Suizid um 17,24 Prozent
Die Zahl der Beratungsgespräche war schon 2021 gegenüber dem Jahr davor um 17,24 Prozent auf rund 1.400 gestiegen, heuer gab es bis August rund 920 Beratungen. Auf dem Onlineportal Elternseite für Bezugspersonen zeige sich ein ähnliches Bild: "Die Videoberatungen für besorgte Angehörige zum Thema Suizid haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt", so Ines Campuzano, psychologische Beraterin der Elternteile.
Expertinnen wünschen sich mehr Aufklärung zum Thema Suizid
Beide Expertinnen
wünschen sich mehr Aufklärung. "Oft geht es den Eltern in erster Linie
um die Frage, ob das Thema überhaupt offen ansprechbar ist.
Enttabuisierung ist eines unserer größten Aufgabenfelder", berichtete
Campuzano. Über die Probleme zu sprechen sei wichtig: "Man löst damit
keinen Suizid aus, ganz im Gegenteil, das Ansprechen wirkt oft sehr
entlastend. Im Gespräch selbst sollte man das Kind und seine Sorgen
ernst nehmen, Ruhe bewahren, keine Vorwürfe machen und Unterstützung
anbieten."
Hilfe für Jugendliche und Angehörige bei Rat auf Draht
Rat auf Draht - Spendenkonto IBAN: AT10 2011 1827 1734 4400 - Die Notrufnummer 147 für Kinder und Jugendliche bietet kostenlos und anonym Beistand. Die ist ein Unterstützungsangebot für Bezugspersonen von Kindern zwischen 0 und 24 Jahren. Sie steht Eltern mit Online-Video-Beratung, Informationen und Webinaren zur Seite. Terminbuchung im Onlinekalender.
Weitere Hilfe bei Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige
Hilfe für Kinder gibt es auch beim Kindernotruf: Tel.: 0800 567 567. Weitere Hilfe finden Suizidgefährdete und deren Angehörige auf der Website oder unter der Notrufnummer: 01/31 330. Auch die unter der Nummer 142 ist rund um die Uhr für Betroffene und Angehörige jeden Alters da.