Das Thema Plfege war während der Coronapandemie noch in aller Munde. Nun wurde es auch im Wahlkampf zur Tiroler Landtasgwahl von den Themen Teuerung und Energiekrise verdrängt.
Das Theme Pflege, war es auch während der im Fokus, stößt im Wahlkampf zur auf wenig Interesse. Lediglich SPÖ und Liste Fritz und etwas weniger zentral die Grünen haben den Pflegenotstand im Vorfeld der Tiroler Landtagswahl zum Schwerpunktthema auserkoren. Vorschläge zu Attraktivierung des Pflegeberufs und Rekrutierung gibt es dennoch von allen Parteien: Von der Pflegelehre über einen Rückholbonus bis hin zur Anstellung pflegender Angehöriger beim Land.
Thema Pflege erhält bei Tirol-Wahl bisher eher wenig Interesse
Erst Ende Juni hatte die schwarz-grüne Landesregierung zusätzlich zu den Maßnahmen des Bundes ein 27 Millionen Euro schweres Pflege-Paket geschnürt, mit dem unter anderem der Gehaltsbonus des Bundes für 2022 und 2023 mit je 22 Millionen Euro vorgestreckt und eine Landes-Stabsstelle für Pflegeentwicklung eingerichtet wurde. Das Paket sollte weiters mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, einen Ausbau der Kinderbetreuung für Pflegepersonal und einen Einspringerbonus abgelten. Die Anzahl der über 80-Jährigen werde bis 2040 im Bundesland um 80 Prozent steigen, in den nächsten zehn Jahren würden 7.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, hieß es. Im Wahlkampf spielte das Thema in Tirol bisher allerdings eine untergeordnete Rolle.
600 Euro Zuschuss in Tirol für alle Auszubildenden in der Pflege
In
puncto finanzieller Unterstützung für Auszubildende hatte
ÖVP-Gesundheitslandesrätin Annette Leja Tirol zuletzt in der
Vorreiterrolle gesehen. Sei man doch mit dem Tiroler Pflegestipendium
Plus in der Höhe von bis zu 470 Euro pro Monat, das rund 800 Mal
beantragt worden und Ende August ausgelaufen war, dem Bund voraus
gewesen. Mit 1. September steht allen Auszubildenden gemäß des Bundesgesetzes ein Zuschuss von 600 Euro pro Monat zu.
Wahlprogramm der ÖVP im Vorfeld der Tiroler Landtagswahl 2022
In ihrem Wahlprogramm im Vorfeld der Landtagswahl am 25. September versprach die ÖVP nicht nur Mittel des
Bundespflegepakets langfristig absichern zu wollen, sondern stellte
eine Anhebung der Pflegeausbildungsentschädigung auf das Niveau von
Polizeischülerinnen und -schülern in Aussicht. Diese bekommen aktuell
1.800 Euro pro Monat. Der "Strukturplan Pflege
2022-2032" soll ferner fortgeführt und "bedarfsgerecht
weiterentwickelt" werden. Das Modell "Pflegeferrari" - einer
Pflegeausbildung an höher bildenden Schulen und Landwirtschaftlichen
Lehranstalten - wollte die Partei auf das ganze Bundesland ausrollen.
Tiroler Grüne wollen Berg- und Wasserrettung neu aufstellen
Der grüne Spitzenkandidat bei der Tiroler Landtagswahl und Klubobmann Gebi Mair hatte indes die eigene schwarz-grüne Landesregierung - und dabei vor allem den Koalitionspartner ÖVP - in Sachen Gehaltsbonus für die Pflege kritisiert und sich auf Verzögerungen bei der Verteilung eingeschossen. In ihrem Wahlprogramm führten die Grünen unter anderem sogenannte "Community Nurses" ins Treffen, die die lokale Pflegeversorgung in mindestens einem Drittel aller Tiroler Gemeinden bis 2028 unterstützen und die regionalen Dienste entlasten sollen. Weiters will die Partei "präklinische Rettungsorganisationen", also die (Berg- und Wasser-) Rettung, neu aufstellen und dabei auch auf Digitalisierung setzen und Gemeinschaftspraxen auf dem Land sowie die mobile Pflege fördern.
Liste Fritz fordert vor Tiroler Landtagswahlen Pflegeoffensive
Andrea Haselwanter-Schneider, Spitzenkandidatin bei der Tirol-Wahl und Parteichefin der oppositionellen Liste Fritz, präsentiert ihre Partei unterdessen gerne als "einziger Garant" für eine umfassende Pflegeoffensive. Haselwanter-Schneider, ihres Zeichens selbst Diplom-Krankenschwester, hatte im Vorfeld der Wahl einen "Rechtsanspruch auf Pflege und Betreuung", Landesförderungen für 24-Stunden-Pflegekräfte, eine Arbeitszeitverkürzung bei gleichbleibendem Lohn sowie die Anstellung pflegender Angehöriger beim Land nach dem Vorbild Burgenland gefordert. Außerdem pochte ihre Partei auf eine ausreichende Finanzierung der Spitäler, um dem Personalmangel entgegenzuwirken und in "modernste Geräte" zu investieren.
Tiroler FPÖ vor den Wahlen für das "Burgenlandmodell" in der Pflege
Unterstützung für das "Burgenlandmodell" gab es auch
von Seiten der Tiroler Freiheitlichen. Der blaue Landeshauptmannkandidat
und Landesparteiobmann Markus Abwerzger hatte zudem die Einführung
einer Pflegelehre - die allerdings erst in den Jahren 2023 und 2024
greifen würde - begrüßt und sich im Hinblick auf eine Stärkung der
Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum für eine alle
Medizinstudierenden betreffenden Pflicht ausgesprochen, nach
Studienabschluss mindestens zwei Jahre in Österreich als Arzt zu
praktizieren.
Tiroler Landtagswahlen: Pflegelehre wird von Tiroler SPÖ abgelehnt
Abgelehnt wird eine Pflegelehre indes von der
Tiroler SPÖ - mit dem Argument, dass man Jugendliche nicht überfordern
wolle. Auch die Liste Fritz sah die Pflegelehre übrigens "kritisch".
Stattdessen müsse Pflegeausbildung an berufsbildenden mittleren und
höheren Schulen ausgebaut werden, so die Roten, die ferner einen
"Rückholbonus" ins Spiel brachten. Außerdem forderte die Partei einen
tirolweiten "Betreuungspool", durch den standortübergreifend
Krankenstands- und Urlaubsvertretungen bei pflegenden
Angehörigen und 24-Stunden-Betreuungen abgefangen werden sollen.
Erstere sollten nämlich wöchentlich einen halben Tag freigestellt
werden, sowie für einen kleinen Kostenbeitrag zwei Wochen pro Jahr eine
Auszeit nehmen können. Auch die SPÖ sprach sich für eine Anstellung pflegender Angehöriger beim Land aus.
80 Prozent der hilfsbedürftigen Personen derzeit zuhause gepflegt
80 Prozent der hilfsbedürftigen Personen werden aktuell zuhause gepflegt. Ginge es nach den NEOS, sollten pflegende
Angehörige stärker finanziell unterstützt werden. Zudem sollte es
Pflegegeldzuschläge für Demenz und Härtefälle geben. Ambulante
Pflegestrukturen sollten klare Priorität vor Heimbetreuungen haben,
unterstrichen die Pinken. Ein vierwöchiger Schnellkurs zu
Pflegeassistentinnen und -assistenten soll dem Mangel an Pflegekräften
entgegenwirken. Aktuell dauert die Ausbildung ein Jahr in Vollzeit bzw.
21 Monate berufsbegleitend.