In Städten und Ortszentren ist leistbarer Wohnraum zum knappen Gut geworden. Eine Studie hat sich mit der Überbauung von Bahngleisen beschäftigt und sieht darin zahlreiche Vorteile.
Bauen auf der grünen Wiese ist hingegen mit Bodenversiegelung und Zersiedelung und ihren negativen Folgen verbunden. Dass sich Nachverdichtung nicht nur auf die oft vorgeschlagene Aufstockung von Supermärkten konzentrieren muss, zeigt nun ein Beispiel aus Salzburg. Eine Studie im Auftrag des Landes hat sich mit der Überbauung von Bahngleisen beschäftigt - und sieht darin zahlreiche Vorteile.
Das sind die Vorteile an oder neben der Bahn zu Wohnen
"Wir wollen Flächen, die bereits versiegelt sind, durch mehrfache Nutzung für den Wohnbau gewinnen", sagte Wohnbaulandesrätin Andrea Klambauer (NEOS) am Freitag bei einem Pressegespräch. Zugleich solle Wohnen gemeinsam mit Mobilität gedacht und zusätzlicher Individualverkehr mit dem Pkw größtmöglich vermieden werden. Im Fokus der Untersuchung standen darum Verkehrsknotenpunkte wie Bahnhöfe, an denen die Baudichte angehoben werden soll.
An Bahnhöfen soll die Baudichte angehoben werden
Wie die beiden Studienautoren - die Architekten Martin Oberascher und Klaus Bidner - betonten, sollen Menschen angesprochen werden, die auf ein eigenes Auto verzichten wollen und Wert auf gute öffentliche Verkehrsanbindung legen - Studierende, Senioren oder junge Familien etwa. "Es ist nicht mehr so wichtig, in welcher Stadt oder Gemeinde man genau wohnt, sondern dass man möglichst schnell auf einen dieser Knotenpunkte zugreifen kann", sagte Oberascher. "Ich kann dann auch von Hallein oder Oberndorf aus rasch in Linz, München oder Wien sein."
Bahnhöfe, Park-and-Ride-Flächen, Geschäfte und Wohnen kombinieren
Die
Architekten wollen singuläre Nutzungsfunktion vermeiden. "Also nicht
Bahnhof, Park-and-Ride-Flächen, Geschäfte und Wohnen nebeneinander,
sondern alles zentriert und kompakt." Weil Bahnsteige und Parkplätze in
der Regel linear angeordnet seien, würde sich für Bauprojekte ein
länglicher Basisriegel anbieten. Im Erdgeschoss oder in den unteren
Stockwerken werden die Strukturen wie Park-and-Ride-Plätze für Pendler
untergebracht. "Auf diese baut man dann die Wohnungen oder zusätzliche
kommunale Funktionen auf", erklärte Oberascher. Für Projekte würden sich
vor allem Bahnhöfe anbieten, die renoviert werden müssen - oder die
Stationen der geplanten Salzburger Regionalstadtbahn S-LINK.
Baukörper mit Wohnungen können an Gleise heranreichen
Die
Baukörper mit den Wohnungen können bis an die Gleise heranreichen - oder
diese auch überragen. Das ist aber mit mannigfaltigen Herausforderungen
verbunden. Vibrationen und Lärm würde man technisch gut in den Griff
bekommen - etwa indem man Gänge und Nebenräume zu den Gleisen hin
ausrichte. Doch es gibt noch andere Hürden. Ab einer Überbauung von mehr
als 50 Metern Länge gelte man eisenbahnrechtlich als Tunnel. Auch seien
Bahnüberbauungen teurer, was aus Gründen der Wirtschaftlichkeit höhere
Baudichten - also mehr Stockwerke - erfordere. Ein Problem sei nicht
zuletzt auch die Verfügbarkeit von Flächen. Selbst wenn Grundstücke
brach liegen, würden sie von Verkehrsbetrieben mitunter als Lagerflächen
während Sanierungs- und Umbauarbeiten genutzt.
Studienautoren mit Lösungsmodell für 6.000-Einwohner-Kleinstadt
Konkret haben sich
die Studienautoren ein Lösungsmodell für die 6.000-Einwohner-Kleinstadt
Oberndorf im Salzburger Flachgau angeschaut - die flächenmäßig
zweitkleinste Gemeinde im Bundesland. Die Kommune liegt an der
Salzburger Lokalbahn. "Wir wollen leistbaren Wohnraum im Stadtzentrum
schaffen, gerade für junge Bürger, die weiter in der Gemeinde leben
wollen, in der sie aufgewachsen sind", sagte Bürgermeister Georg Djundja
(SPÖ). Von einem konkreten Projekt sei man zwar noch weit entfernt, der
Grundeigentümer Salzburg AG zeige aber Interesse.