Bundespräsident Alexander Van der Bellen appelliert mit seiner "Österreich-Erklärung" im Kaunertal im Rahmen der Bundespräsidentenwahl an die Solidarität.
Er appellierte angesichts der "vielen berechtigten Sorgen" - konkret in Bezug auf die Teuerung, den Ukraine-Krieg und die Klimakrise - an Zusammenhalt und Solidarität innerhalb Österreichs und der EU. Ferner übte Van der Bellen Kritik an der Regierung.
Van der Bellen: Kommunikation der Anti-Teuerung-Pakete "verbesserungsfähig"
So sei die Kommunikation der Anti-Teuerung-Pakete "verbesserungsfähig". Über 30 Milliarden schwere Pakete seien geschnürt worden, doch auch er habe den Überblick darüber verloren, "was wann in Kraft tritt" und was man wo beantragen müsse. Ferner nahm er Bezug auf kürzlich getätigte Aussagen von Regierungsmitgliedern: "Es sind sehr unglückliche Formulierungen gefallen." Man müsse etwa "schon vermeiden, in der Öffentlichkeit höchstgerichtliche Urteile in Frage zu stellen". Mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) werde er in den nächsten Tagen "das Gespräch suchen", so Van der Bellen in Anspielung auf Aussagen des Ressortchefs zur Abschiebung von Jugendlichen.
Van der Bellen will zu mehr Integrität beitragen
Er werde "das Seine" zu mehr
Integrität, Gewissenhaftigkeit und Anstand beitragen, versprach der
amtierende Präsident, der sich - rund eine Woche nach seinem
Wanderunfall am Kaunergrat - auf einem Hochplateau auf rund 2.000 Metern
Seehöhe vor den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern der Presse
durchaus agil präsentierte. Er habe sich sein ganzes Leben lang in die
Berge begeben - für einen "klareren Blick" und um "Schritt für Schritt
die Niederungen des Alltags" hinter sich zu lassen, so der Kaunertaler,
der gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer und der Presse auf die
Verpeilhütte gewandert war.
Van der Bellen appelliert an Solidarität
"Gewichten" sei "gerade in Zeiten, wo
so viel Flirren und berechtigte Ängste" die Menschen umtreibe,
essenziell. So sei es "eine der Herausforderungen für den
Bundespräsidenten" sich "immer aufs große Ganze" zu fokussieren und
zwischen den "wichtigen und den weniger wichtigen Themen" zu
unterscheiden.
Van der Bellen thematisierte Klimakrise
Schon zu Beginn seiner Rede kam der ehemalige
Grünen-Chef unter dieser Prämisse auf die Klimakrise zu sprechen. Man
müsse den Menschen "die Wahrheit sagen, auch wenn sie unbequem ist",
anstatt "verführerische Dinge zu versprechen". "Ein Präsident muss
führen, nicht verführen", hielt Van der Bellen wiederholt fest - unter
anderem auch im Kontext des Ukraine-Kriegs. Man dürfe den Menschen nicht
versprechen, dass sich deren Situation verbessere, würden die
Sanktionen aufgehoben, nahm Van der Bellen Bezug auch Bezug auf die
Teuerung.
Ukraine-Krieg als Thema
"Putin attackiert nicht nur die Ukraine, sondern auch
unser Lebensmodell", führte Van der Bellen fort und appellierte an
Geschlossenheit: "Wir müssen uns verteidigen, widerstehen, widersprechen
und hinschauen". "Solidarität ist unsere Waffe", so der Präsident: "Wir
können Putin in die Schranke weisen".
Van der Bellen will "Österreich integer vertreten"
"Sie kennen mich", versuchte Van der Bellen, der sich 2016 mit 53,8 Prozent in einer Stichwahl gegen seinen blauen Kontrahenten Norbert Hofer durchsetzen konnte, auf seine Erfahrung zu bauen. Ohnedies: Manchmal habe er gar das Gefühl, "im reifen Alter" so etwas wie seine "Bestimmung" gefunden zu haben. Einer möglichen zweiten Amtsperiode blicke mit "Hochachtung" entgegen, er habe "an Selbstbewusstsein, Erfahrung, Kraft und Wissen gewonnen", betonte Van der Bellen. Er glaube an "Integrität, Gewissenhaftigkeit und Anstand" und wolle "Österreich integer vertreten", "nach außen seriös auftreten".
Van der Bellen sammelt Unterstützungserklärungen
Aktuell sammelt Van der
Bellen Unterstützungserklärungen für seine Wiederkandidatur. Bis
Freitag, 17.00 Uhr, haben er und eine Reihe weiterer, darunter auch
weniger bekannter Privatpersonen bzw. Vertreter von Kleinparteien, noch
Zeit, Wahlberechtigte zur Unterschrift (und deren Beglaubigung am
Gemeindeamt) zu bewegen.
Anwalt und Kolumnist Tassilo Wallentin gab indes bekannt, rund 18.000 Unterstützungserklärungen erhalten zu haben. Das ist drei Mal mehr als für eine Kandidatur notwendig.