Die SPÖ will nach der Blockade der Gas-Lenkungsverordnung am Dienstag im Hauptausschuss nun notfall das Energielenkungsgesetz (EnLG) ändern.
Im Mai hatten alle Parteien der EnLG-Gesetzesnovelle zugestimmt. Die SPÖ drängt darauf, dass Energieversorger mit "außergewöhnlichen Übergewinnen aus der Notsituation" für die Umrüstung von Gas auf Kohle oder Öl keine finanzielle Entschädigung erhalten sollen.
Die SPÖ will im Notfall Energielenkungsgesetz ändern
Wenn das Ministerium auf seiner Rechtsauffassung beharre, dass dies innerhalb der Lenkungsverordnung nicht möglich sei, wäre die SPÖ zur "Nachschärfung" des Energielenkungsgesetzes bereit, hieß es am Donnerstag von den Sozialdemokraten. Die Regierungsparteien ÖVP und Grüne benötigen für den Beschluss eine der beiden großen Oppositionsparteien SPÖ oder FPÖ, weil in diesem Fall eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist.
SPÖ war und sei verhandlungsbereit, so Schroll
"Die SPÖ war und ist verhandlungsbereit. Unsere Vorschläge liegen am Tisch und wurden der Bundesministerin übermittelt", so SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll.
Lenkungsmaßnahmen-Verorndung regelt Umrüstung bei Gasmangel
In
der von Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) eingebrachten
Lenkungsmaßnahmen-Verordnung werden Energieversorger und große
Industriebetriebe zur Umrüstung aufgefordert, um im Fall eines
Gasmangels oder russischen Lieferstopps andere Brennstoffe wie Kohle, Öl
oder Biomasse einzusetzen. Dafür ist eine Entschädigung vorgesehen. Die
Verordnung betrifft unter anderem das stillgelegte Kohlekraftwerk des
Verbunds in Mellach in der Steiermark, aber auch Fernwärmekraftwerke,
etwa jene der Wien Energie, die von Gas auf Öl umgestellt werden sollen. Ziel ist es, Gas zu sparen, falls Russland den Gashahn ganz zu dreht.
Kostenersatz für Brennstoffe nur wenn Öl und Kohle teurer als Gas
Ein
Kostenersatz für Brennstoffe sei nur in dem Ausmaß vorgesehen, in dem
Öl oder Kohle teurer wären als Gas, hieß es zuletzt aus dem
Energieministerium. Die E-Control habe neben dem Kraftwerk Mellach noch
23 andere Unternehmen eruiert, die ihre Anlagen von Gas auf andere
Energiequellen umrüsten könnten - damit könnte der Gasverbrauch um bis
zu 16 Prozent gesenkt werden.
Ergänzungen für Paragraf 6a des Energielenkungsgesetzes
Im Vorfeld der nächsten
Gesprächsrunde hat die SPÖ Energieministerin Gewessler folgende
Ergänzungen für den Paragraf 6a (Ersatz von Vermögensnachteilen) des
Energielenkungsgesetzes geschickt: "Vermögensvorteile, die im
Zusammenhang mit der Störung der Energieversorgungssituation gemäß § 4
entstanden sind oder entstehen, sind bei der Bemessung der
Vermögensnachteile ausgleichend zu berücksichtigen und vermindern die
Entschädigung."
Zweite geforderte Ergänzung der SPÖ zum Energielenkungsgesetz
Die zweite von der SPÖ geforderte Ergänzung
lautet: "Der Antrag hat eine entsprechende Begründung unter Beigabe der
Nachweise der Vermögensnachteile zu enthalten. Vermögensvorteile sind
von der Bundesministerin aufgrund veröffentlichter Daten zu schätzen,
der Entschädigungswerber hat im Rahmen des Verfahrens der Schätzung
unter Beigabe entsprechender Nachweise entgegenzutreten, widrigenfalls
von der Richtigkeit der Schätzung auszugehen ist."
Energieministerium drängt auf eine rasche Einigung
Das
Energieministerium drängt auf eine rasche Einigung. Sollte man sich bei
den Gesprächen in den nächsten Tagen doch noch einig werden, könnte der
Hauptausschuss in der nächsten oder übernächsten Woche neuerlich
abstimmen, die Verordnung könnte dann theoretisch noch am selben Tag
erlassen werden, hieß es am Mittwoch aus dem Ministerium. Es sei
jedenfalls Eile geboten, da die technische Umrüstung eine lange
Vorlaufzeit habe und man für den Winter vorbereitet sein müsse.