Neben dem Sirenenalarm soll künftig auch eine automatische Nachricht aufs Smartphone vor einem extremen Unwetter warnen. Die Warnung kommt als eine Art Push-Nachricht aufs Handy-Display, eine Anmeldung dafür ist nicht notwendig.
Die Verordnung zum "Public Warning System" ist nun in die vierwöchige Begutachtung gegangen. Bis das neue Warnsystem in der Praxis funktioniert, dauert es freilich noch, denn die Mobilfunkbetreiber und die warnenden Stellen müssen erst ihre Infrastruktur dafür aufbauen.
Cell Broadcast Technologie bei Unwettern und Terror im Einsatz
Zum Einsatz kommen soll die sogenannte Cell Broadcast Technologie für Katastrophenwarnungen bei verschiedenen Ereignissen, etwa massiven Unwettern, wie sie die vergangenen Tage über Österreich gezogen sind, aber beispielsweise auch Terroranschlägen. "Cell Broadcast" ist laut Angaben aus dem Digitalisierungs-Staatssekretariat eine eigenständige Technologie für die Nachrichtenübertragung, die nicht auf SMS basiert. Die Warnung kommt als eine Art Push-Nachricht aufs Handy-Display.
Beim Sturm am Donnerstag hätte das Alarmierungssystem hilfreich sein können, meinte Harald Eitner, Leiter der steirischen Katastrophenschutzabteilung, in der "Kleinen Zeitung" (Samstag-Ausgabe): "Weil ich kurzfristig in der Lage bin, jeden einzelnen Handybenutzer anzusprechen, wären fünf Minuten davor auch früh genug gewesen."
Keine Anmeldung für Warnungen nötig
Ein
Vorteil des Systems ist laut Experten, dass man sich nicht extra
anmelden muss und dabei auch keinerlei Daten gesammelt würden, da es
nicht über die Rufnummer läuft. Die Technologie macht sich zunutze, dass
sich jedes Handy in Funkmasten der Umgebung einwählt - wenn eine
Landeswarnzentrale also etwa eine Extremwetterlage feststellt, kann sie
regional eine Push-Nachricht als Warnung ausschicken.
Nachteil des Ganzen: Der Aufbau des "Cell Broadcast"-Warnsystems erfordert die Errichtung einer eigenen Infrastruktur bei den Mobilfunkbetreibern und bei den behördlichen Stellen, die Warnungen auslösen können (die neun Landeswarnzentralen und das Innenministerium). Die Mobilfunkbetreiber und die warnenden Stellen müssen nun ihre Infrastruktur entsprechend den Vorgaben der Verordnung aufbauen. Der Systemaufbau soll im zweiten Halbjahr 2022 erfolgen, "der Wirkbetrieb hängt allerdings auch von der Geschwindigkeit ab, mit der die Mobilfunkbetreiber ihre Infrastruktur aufbauen", hieß es in der Aussendung des Staatssekretariats - es ist also offen, wann das System tatsächlich starten kann.
Erforderliche Infrastruktur für Push-Nachrichten in Arbeit
Dabei dauert
die Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie ohnehin schon. "Die
Erstellung des Konzeptes für das Gesamtsystem, die Schaffung der
technischen Schnittstellen und die Vernetzung der Behörden mit den
Mobilfunkbetreibern ist sehr komplex" und habe "eine zeitintensive
Abstimmung" zwischen den neun Bundesländern, den Ministerien, der RTR
und den drei Mobilfunkbetreibern erfordert, hieß es. Das
Innenministerium arbeite derzeit an der Herstellung der erforderlichen
Infrastruktur, um Warnungen auslösen zu können. Erste Tests könnten
stattfinden, sobald auch die Mobilfunkbetreiber ihre Infrastruktur
erreichtet haben. Die Bundesländer sind für die Herstellung ihrer
Auslösesysteme selbst verantwortlich.
"Mittlerweile besitzen fast
90 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher ein Smartphone",
unterstrich Staatssekretär Florian Tursky (ÖVP), "es ist naheliegend,
dass Warnungen auch über dieses erfolgen". Besonders die vergangenen
Wochen hätten gezeigt, wie wichtig und notwendig eine schnelle und
einfache Information an die Menschen sei. Das flächendeckende
Sirenenwarnsystem bleibt bestehen, Warnungen bekommt man derzeit etwa
auch schon über die App "Katwarn".