Propan als Kühlmittel verwenden: Forscher vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse sehen viel Potential für den Klimaschutz.
Nicht nur Freunde des Campingkochers verbinden Propangas eher nicht mit dem Begriff "Kühlmittel", es kann aber als solches etwa in Klimaanlagen eingesetzt werden. Forscher vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ) haben nun im Fachblatt "PNAS" berechnet, dass Propan als Ersatz für herkömmliche Kältemittel die Klimaerwärmung ein Stück weit einbremsen könnte. Dem breiteren Einsatz stehen aber noch gesetzliche Vorgaben entgegen.
Montral Protokol: Österreich verprlichtete sich auf FCKWs zu verzichten
Seit dem "Montreal Protokoll" aus dem Jahr 1987 haben sich 198 Staaten - darunter auch Österreich - dazu verpflichtet, auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) zu verzichten. Die nun in Kühlschränken, Klimaanlagen und Wärmepumpen verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs) haben jedoch den Nebeneffekt, dass sie den Treibhauseffekt antreiben. Und das nicht zu knapp: So speichert das Kühlmittel namens HFC-410A im Vergleich zu CO2 die 2.256-fache Energie in Form von Wärme über 100 Jahre hinweg, heißt es in einer Aussendung des IIASA. Pallav Purohit vom IIASA hat mit Kollegen bereits im Frühjahr im Fachjournal "Nature Climate Change" berechnet, dass der Gebrauch dieser Verbindungen stärker reduziert werden müsste als in internationalen Abkommen bisher vereinbart.
Österreich unterschrieb auch Kigali-Abkommen
Im
"Kigali-Abkommen", das auch Österreich im September 2018 ratifiziert
hat, wurde eine Reduzierung von FKWs vorgeschrieben. Das hat dazu
geführt, dass Hersteller nach Alternativen suchen. Aktuell weicht man
vor allem auf HFC-32 aus, das aber immer noch eine verheerende
Klimabilanz aufweist. Gerät es beim Betrieb von Klimaanlagen in die
Atmosphäre speichert es immerhin noch 771-fach mehr Energie als
CO2. Um die Verwendung von FKWs hintanzuhalten, legt das Team um
Purohit nun in seiner aktuellen Arbeit den Fokus auf das bekanntlich
leicht entflammbare Propan.
Propan als Kühlmittel: Laut Forschern Klimaschutz-Potenzial
Würde
man die weltweit sehr häufig verwendeten Split-Klimaanlagen - das sind
Systeme, von denen ein Teil im Raum, der andere außerhalb davon
angesiedelt ist - auf Propan umstellen, ergebe sich eine deutlich bessere Klimabilanz für den Bereich der Raumkühlung. Dieser zeichnet schon heute immerhin für
rund zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauches verantwortlich. Die
Nachfrage nach den Geräten dürfte sich laut Prognosen bis 2050 zudem
mehr als verdreifachen.
Umstellung auf Propan: Erhöhung der Energieeffizienz der Geräte
Laut den Berechnungen würde die Umstellung auf das deutlich weniger klimaschädliche Propan auch die Energieeffizienz der Geräte erhöhen. Bis zum Ende des Jahrhunderts würden Propan-Split-Klimaanlagen die Klimaerwärmung um rund 0,09 Grad Celsius bremsen. Eine Umstellung auf HFC-32 als Kühlmittel hingegen würde den Effekt nur um ungefähr 0,03 Grad dämpfen, heißt es seitens der Wissenschafter.
Propan als Alternative zu FKW-betriebenen Split-Anlagen
In Anlagen mit einer Leistung bis zu sieben Kilowatt könne Propan als
technisch sinnvolle Alternative zu FKW-betriebenen Split-Anlagen
bezeichnet werden. In China und Indien seien mittlerweile schon über
eine Million solcher Geräte im Einsatz, erklärte Purohit gegenüber der
APA. Die hohe Entflammbarkeit des unter der Handelsbezeichnung HC-290
laufenden Gases stelle in erster Linie eine Herausforderung in der
Produktion dar. Sind aber dort alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen
und wird die Installation fachgerecht erledigt, "müssen sich Verbraucher
gar keine Sorgen machen", so der Forscher.
Norm-Vorgaben stehen Einsatz entgegen
In vielen Ländern stünden jedoch noch Norm-Vorgaben dem Einsatz entgegen. Das ist laut Purohit eine "substanzielle Barriere" für die Implementierung zum Beispiel in unseren Breiten. Allerdings habe schon im Jahr 2016 ein Bericht der Europäischen Kommission die Frage aufgegriffen, und kam zum Schluss, dass Regulierungen dem Ausbau von klimafreundlicheren Kühlsystem-Alternativen im Wege stehen.