Am Dienstag pochte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) nach einem Treffen mit der Rückkehrkoordinatorin der Europäischen Kommission, Mari Juritsch, erneut auf eine "harte Linie" in Asylfragen.
Es gebe viele Asylanträge von Menschen aus Ländern, die "praktisch keine Chance auf Asyl" hätten. National wie auf EU-Ebene müsse klar signalisiert werden, dass es für gewisse Antragsteller, etwa aus "Urlaubsländern", keine positiven Aussichten geben würde.
Kein Asyl für Menschen aus "Urlaubsländern" laut Karner
So hätten Inder und Inderinnen im Juli dieses Jahres in Österreich so viele Asylanträge gestellt wie keine andere Personengruppe. Menschen aus Indien, Tunesien oder Marokko hätten laut Karner aber nahezu keine Chance, einen positiven Asylantrag zu erhalten. Sie würden "das System aber belasten", so Karner. "Das Gesamtsystem, weil sehr viele Menschen um Asyl ansuchen, ist an der Grenze." Asyl dürfe laut Karner nur jenen zur Verfügung stehen, die wirklich Hilfe bräuchten.
Jene mit negativen Bescheid sollen wieder in Heimat zurückkehren
"Ziel ist es,
dass jene, die einen negativen Bescheid bekommen, auch wieder in ihre
Heimat zurückkehren müssen", sagte Karner nach dem rund einstündigen
Gespräch mit Juritsch im Innenministerium. Juritsch, die seit Mai im Amt
ist, ist dafür zuständig, eine bessere Zusammenarbeit der
EU-Mitgliedsstaaten zu koordinieren und die Länder beim Auf- und Ausbau
der sogenannten Rückkehr-Systeme zu unterstützen. Ziel sei die
Verbesserung der Kooperation mit Herkunftsstaaten und die Erhöhung der
Rückkehrzahlen aus Europa. Dazu werde ein "Rückkehr-Netzwerk" aufgebaut,
dessen Mitglieder im September erstmals zusammentreffen sollen.
Österreich sei das erste Land, welches die Koordinatorin besucht
Österreich
ist laut Angaben des Innenministeriums das erste EU-Mitgliedsland, das
die Koordinatorin offiziell besucht. Juritsch selbst gab nach dem
Treffen keine Stellungnahme vor Journalisten ab.
Österreich
sieht Karner prinzipiell gut aufgestellt. "Wir haben im ersten Halbjahr
rund 6.200 Außerlandesbringungen gehabt, aber wir müssen in diesem
Bereich noch besser werden." Etwa die Hälfte aller Ausreisen erfolge
freiwillig, die andere Hälfte müsse zwangsweise durchgeführt werden.
Im ersten Halbjahr 2022 gab es 31.050 Asylanträge in Österreich
Im ersten Halbjahr 2022 haben laut Zahlen des Innenministeriums 31.050 Migranten einen Asylantrag in Österreich
gestellt. Die meisten Hilfesuchenden kamen aus Afghanistan (7.325),
gefolgt von Syrien (6.680), Tunesien (3.810), Pakistan (3.110) und
Indien (2.025).
Karner kritisierte das Vorgehen der "Schlepper-Mafia" erneut
Nach dem Unfall eines Schlepper-Fahrzeuges mit
drei Toten und mehreren Schwerverletzten am Wochenende im Burgenland
kritisierte Karner das Vorgehen "der Schlepper-Mafia" erneut. Deshalb
sei es wichtig, dass konsequent gehandelt werde, sowohl an der
österreichischen Grenze, gemeinsam mit Kollegen in Ungarn, aber auch auf
europäischer Ebene. Menschen, die sich in die Hände von Schleppern
begeben, würden leiden: "Weil sie viel Geld zahlen und weil sie mit dem
Leben bedroht sind", so Karner. Die Schlepper wurden den Menschen etwas
"vorgaukeln", die Politik müsse dem eine Gegenerzählung anbieten, noch
bevor sie sich auf die riskante Reise machen. Deshalb wird laut
Innenministerium die Social-Media-Kampagne, die vor den Gefahren der
illegalen Migration warnt, auf weitere Herkunftsstaaten ausgedehnt und
laufend adaptiert.
Karner für Abschiebung illigal Eingewanderter in Nicht-EU-Staaten
Karner hatte zuletzt immer wieder davon
gesprochen, über Abschiebungen illegal eingewanderter Migranten in
Nicht-EU-Staaten nach dem Vorbild Großbritanniens diskutieren zu wollen.
London will bestimmte Asylsuchende nach Ruanda ausfliegen und ging
dafür einen viel kritisierten Pakt mit dem afrikanischen Land ein. Der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte den ersten geplanten
Flug im Juni per einstweiliger Verfügung gestoppt. Auch die Pläne
Dänemarks seien laut Karner zu beobachten. Das dänische Parlament hatte
Anfang Juni ein Gesetz verabschiedet, das Asylzentren in anderen Ländern
möglich macht. Damit können die Behörden Asylbewerber in Drittländer
fliegen, wo sie darauf warten müssen, dass ihr Antrag in Dänemark
behandelt wird. Unter anderem zu diesem Thema wird Karner am morgigen
Mittwoch nach Kopenhagen reisen, wo ein Treffen mit dem dänischen
Minister für Einwanderung und Integration, Kaare Dybvad Bek, geplant
ist.