für eine Stärkung der Beschuldigtenrechte in der Justiz tritt Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) ein.
"Wenn ein Beschuldigtenstatus einer zivilen Todesstrafe gleichkommt, dann mache ich mir große Sorgen um Österreich", meinte sie im APA-Interview. Reformbemühungen des Justizministeriums gingen ihr "zu langsam". Sie sei gerne bereit, sich mit ihrer Expertise einzubringen. In Sachen Amtsverschwiegenheit plant sie für den Herbst eine Offensive.
Edtstadler für Stärkung der Beschuldigtenrechte in der Justiz
Konkret will Edtstadler gemeinsam mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) mit Vertretern des Städte- und des Gemeindebunds zusammentreffen. Denn für die Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes brauche es auch die Compliance der Betroffenen. Die Verfassung schreibe vor, dass man die Verwaltung nicht an die Grenzen ihrer Kapazität bringen dürfe.
Edtstadler will Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes
Diesbezüglich
gibt es ja Bedenken unter anderem seitens der Gemeinden, die
Anfragefluten befürchten. Edtstadler glaubt, dass der vorgelegte Entwurf
"nicht so schlecht" ist, wie sich schon daran zeige, dass er den einen
zu wenig weit, den anderen aber zu weit gehe. Nunmehr will man auf die
Skeptiker zugehen und versuchen Bedenken auszuräumen bzw. noch
allfällige Änderungen vorzunehmen. Edtstadler geht dabei weiter davon
aus, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode zur Umsetzung bringen
zu können.
Edtstadler kritisierte, dass sie vom Justizressort nicht eingebunden wurde
Ebenfalls auf der langen Bank liegt aktuell der
Bundesstaatsanwalt. Zuletzt war vom Justizministerium ein
Zwischenbericht vorgelegt worden, wobei sich ein Gremium an der Spitze
der Weisungskette als favorisierte Lösung herauskristallisierte. Von
Edtstadler dürfte es dafür keine Zustimmung geben: "Einer
Kollegialbehörde kann ich weniger abgewinnen." Rote Linie für die
Verfassungsministerin ist, dass etwas besseres herauskommt, als es das
derzeit schon gibt. Dafür müsse der Bundesstaatsanwalt dem Parlament
gegenüber in Verantwortung stehen. Die Details dazu seien noch offen,
wie so vieles, betonte Edtstadler, nicht ohne hinzuzufügen, dass sie vom
Justizressort noch gar nicht in politische Verhandlungen eingebunden
worden sei.
Justizressort bemüht sich um Ausweitung der Beschuldigtenrechte
Mäßig zufrieden scheint die Verfassungsministerin auch
mit den Bemühungen des Justizressorts bezüglich der Ausweitung der
Beschuldigtenrechte. Edtstadler stört etwa die Dauer der Verfahren, die
für Beschuldigte sowohl wirtschaftlich auch von ihrem persönlichen Ruf
zum Problem wird. Man müsse effizientere Verfahren finden, damit
Beschuldigte nicht ewige Beschuldigte seien. Einmal mehr warb sie auch
für eine zeitgemäße Neuregelung, was die Möglichkeit zur Handyauswertung
angeht, wo man über Jahre und Jahrzehnte ohne richterliche Bewilligung
alle Inhaltsdaten hernehmen könne, während es bei der telefonischen
Überwachung ganz enge Regeln gebe.
Edtstadler: "Der Hoffnung kann man Vorschub leisten"
Nicht aufgeben ist sichtlich
die Devise der Ministerin, was die Situation ihrer in den Umfragen tief
gestürzten Volkspartei angeht: "Der Hoffnung kann man Vorschub leisten,
indem man für die Menschen arbeitet." In Zeiten der Krisen sei es für
Regierende aber immer schwierig, das sehe man aktuell in Italien,
Frankreich oder Bulgarien. Alle Lösungen würden nie allen reichen.
Darin sieht Endtstadler Verbesserungsbedarf
Allerdings
sieht auch Edtstadler Verbesserungsbedarf. Die Entlastungspakete
könnten noch treffsicherer werden, wie etwa die 150 Euro
Energiekostenausgleich. Da sei sie "gegen die Gießkanne". So etwas sei
auch der Schnelligkeit geschuldet, aber man müsse schauen, ob die
Entlastung dann auch tatsächlich bei denen ankomme, die es auch
bräuchten. Insgesamt warb sie jedoch um Verständnis, seien die
Herausforderungen aktuell doch "riesengroß". Man habe nicht immer sofort
alle Lösungen in der Schublade, manchmal komme man auch drauf, etwas
sei nicht die schlaueste Lösung gewesen und man versuche eine andere.