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Stallbursche stach in Reitstall in NÖ auf Frau mit Messer ein: Prozess

2-08-2022, 15:08

Am Dienstag musste sich ein 18-Jähriger vor dem Gericht in Wiener Neustadt wegen versuchten Mordes verantworten. Er hat eine Frau auf dem Areal eines Reitstalls im Bezirk Mödling mit dem Messer attackiert.

Die Staatsanwaltschaft hat zudem die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Die Frau konnte flüchten und wurde lebensgefährlich verletzt. Der Angeklagte bekannte sich zu Beginn der Geschworenenverhandlung nicht schuldig.

Ein Stallbursche stach in Reitstall in NÖ auf Frau mit Messer ein: Prozess

Der beschuldigte Nordmazedonier hatte seit Juli 2021 als Stallbursche auf dem Reiterhof ausgeholfen, während sein Vater nach Hause fuhr. Das spätere Opfer war am 13. August von einem Ausritt zurückgekommen und wollte in der Sattelkammer das Zaumzeug aufhängen. Die inzwischen 39-Jährige sagte vor Gericht, der Stallbursche sei ganz knapp vor ihr gestanden und habe sie attackiert. "Mein einziger Gedanke war: Fliehen", sie habe erfolglos versucht, ihn wegzustoßen und zur Tür zu laufen. Schläge und Tritte verursachten ein "extremes Schmerzgefühl".

Stallbursche zog Klappmesser aus Hosentasche und attackierte Frau

Dann habe der Stallbursche ein Klappmesser aus seiner Hosentasche gezogen, unmittelbar danach sei schon der erste Stich gekommen. Es folgten weitere, "ich bin Richtung Tür hingefallen, er hat sich über mich gebeugt und hat am Hals zu schneiden begonnen. Ich bin am Rücken gelegen und hatte eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben." Nach einem weiteren Stich sei der Angreifer gegangen und habe die Schiebetür zugemacht.

Opfer konnte sich hochziehen und zum Auto flüchten

Das Opfer konnte sich laut Aussage am Griff hochziehen, öffnete die Tür und lief zum Auto. "Dann habe ich schon die Schritte hinter mir gehört, dass er mir nachläuft", der Angreifer habe an der Wagentür gerissen. Die Frau musste noch reversieren, bevor sie auf die Bundesstraße fuhr. Dort stieg sie aus und wollte ein anderes Fahrzeug aufhalten, doch der Angreifer verfolgte sie. "Es war wirklich schrecklich. Ich musste noch mal sprinten und er war hinter mir her", berichtete das Opfer, das in Abwesenheit des Angeklagten befragt wurde. Als der Beschuldigte die Beifahrertür aufreißen wollte, stieg die Frau aufs Gas. Das Auto machte einen Satz nach vorne und der Angreifer lief weg.

Vorbeifahrender Gemeindearzt leistete Erste Hilfe

Der zufällig vorbeifahrende Gemeindearzt leistete Erste Hilfe und verständigte die Einsatzkräfte. "Es war sehr knapp", berichtete der Mediziner im Zeugenstand. Die Frau wurde vom Notarzthubschrauber in das Universitätsklinikum St. Pölten geflogen, wo sie notoperiert wurde.

Stich- und Schnittverletzugnen am Hals und Brustbereich erlitten

Dem Opfer wurden laut Anklage durch zumindest acht wuchtige Bewegungen gegen Hals und Brustbereich massive Stich- bzw. Schnittverletzungen zugefügt. Die Frau sei "absolut hilflos" gewesen, sagte die Staatsanwältin. Das lebensgefährlich verletzte und stark blutende Opfer habe "mit letzter Kraft" flüchten können. Der junge Mann soll die Tat "völlig emotionslos" begangen haben. Die Vertreterin der Anklage sprach von einem "vorsätzlichen, brutalen und bestialischen" Delikt.

Tat sei einer psychiatrischen Diagnose geschuldet

"Die Tat lässt sich nicht beschönigen. Was passiert ist, ist passiert", sagte die Verteidigerin. Ihr Mandant sei erstmals allein im Ausland gewesen und habe sich nicht verständigen können - er spricht weder Deutsch noch Englisch. Die Tat sei seiner psychiatrischen Diagnose geschuldet.

Beschuldige nehme "neutrale Reize feindlich" wahr

Der Beschuldigte hat laut der psychologischen Sachverständigen die Eigenschaft, "neutrale Reize feindlich wahrzunehmen". Er vermutete - wie Zeugenaussagen ergaben, zu Unrecht -, dass sich das spätere Opfer bei der Frau des Reitstallbesitzers über ihn beschwert hatte. Der 18-Jährige hat seit seiner Festnahme verschiedene Versionen des Geschehenen präsentiert. Am Dienstag sagte er, die Frau habe auf ihn eingeschlagen. Mit dem Messer habe er sie "einschüchtern, aber nicht verletzen" wollen. Beim Versuch, ihm die Waffe wegzunehmen, sei die Frau mit der Brust ins Messer gefallen. In der Folge sei sie gestürzt und habe ihn getreten. Er sei ebenfalls zu Boden gegangen und habe sie mit dem Messer am Hals verletzt. Für die weiteren Schnitt- und Stichwunden hatte er keine Erklärung.

18-Jähriger lieferte seit seiner Festnahme verschiedene Versionen

Die 39-Jährige erlitt schwere Verletzungen und hatte einen massiven Blutverlust. U.a. wurden durch die Wucht zwei Rippen durchstochen, schilderte Gutachter Wolfgang Denk: "Das Verletzungsbild war jedenfalls lebensbedrohlich." Wäre das Opfer nicht sofort versorgt worden, hätten die Blessuren innerhalb kürzester Zeit zum Tod geführt. Die Frau leidet unter schweren Dauerfolgen.

39-Jähriger wurden auch zwei Rippen durchstochen

Den Anklagevorwurf des Einbruchsdiebstahls bestritt der 18-Jährige ebenfalls. Der Beschuldigte ist laut Gutachten zurechnungsfähig. Der junge Mann hat dem psychiatrischen Sachverständigen Manfred Walzl zufolge eine kombinierte Persönlichkeitsentwicklungsstörung. Er soll die Tat unter dem Einfluss geistiger und seelischer Abartigkeit begangen haben, weitere Anlasstaten seien zu befürchten. Die Anklagebehörde hat daher die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

(APA/Red)

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