Der E-Control-Vorstand Alfons Haber betont dass Österreichs Gasspeicher "nahezu einzigartig in Europa" sind.
Seit dem Beginn des russisch-ukrainischen Gasstreits wurden die Erdgasspeicher in Österreich massiv ausgebaut, die Speicherkapazität wurde seit dem Jahr 2007 auf 95,5 Terawattstunden (TWh) fast verdoppelt. Das entspricht etwa dem österreichischen Jahresverbrauch. Eigentümer des gespeicherten Gases sind Versorger österreichischer Endkunden, aber auch internationale Gashändler und Industriebetriebe.
Österreichs Gasspeicher "nahezu einzigartig in Europa" laut E-Control
"Grundsätzlich gehört das Gas immer dem, der es gekauft und eingespeichert hat", erklärte Haber im Gespräch mit der APA. "Der größte Teil des eingespeicherten Gases ist nicht bestimmten nationalen Märkten zugeordnet. Die Händler und Unternehmen, denen das eingelagerte Gas gehört, verkaufen es zum Teil nach bereits abgeschlossenen Lieferverträgen, zum Teil aber auch nach Preis und Nachfrage." Ende 2021 gab es 74 Speicherkunden, denen das Gas in den Speichern gehörte, und in der Vergangenheit gab es keinen Zweifel daran, dass für die Endkunden in Österreich ausreichend Gas zur Verfügung steht.
Gas-Verfügung in Österreich durch Ukraine-Krieg in Frage gestellt
Durch den
Ukraine-Krieg ist das nun aber in Frage gestellt: Einerseits drohen die
EU-Staaten Russland damit, im Zuge von Wirtschaftssanktionen auch
russisches Gas zu boykottieren, andererseits hat der russische
Gazprom-Konzern seine Gaslieferungen nach Westen deutlich reduziert.
Anlegung strategischer Gasreserve angekündigt
Die
österreichische Regierung hat deshalb Mitte März angekündigt, eine
strategische Gasreserve anzulegen, deren Eigentümer der österreichische
Staat ist. "Diese per Ausschreibung zu beschaffenden 20 TWh stehen für
den Notfall nur für österreichische Verbraucher zur Verfügung",
erläuterte der Energieregulator. "Diese Menge entspricht dabei rund dem
durchschnittlichen Gasverbrauch Österreichs von zwei Wintermonaten."
Gasspeicher in Österreich zu mehr als 50 Prozent gefüllt
Insgesamt
sind die Speicher in Österreich bereits zu mehr als 50 Prozent gefüllt.
"Damit sind wir im europäischen Vergleich sehr weit vorne", betonte
Haber. "Andere Länder, wie zum Beispiel Deutschland, haben einen höheren
Befüllungsgrad, aber der Anteil am Jahresverbrauch liegt bei nur 16
Prozent." In anderen Ländern rund um Österreich sehe es ähnlich aus, so
entspreche etwa das derzeit in Italien gespeicherte Gas nur 18 Prozent
des dortigen Jahresverbrauchs. Das ist der gleiche Wert wie für ganz
Europa. "18 Prozent des europäischen Verbrauchs sind eingespeichert."
Österreichs südlicher Nachbar Slowenien hat gar keinen eigenen
Gasspeicher sondern lagert in Österreich Gas ein, das sei aber nur ein
kleiner Teil der österreichischen Speicherkapazität, "ein kleiner
einstelliger Prozentwert", so Haber.
Österreichische Gasspeicher von OMV und RAG betrieben
Technisch betrieben werden
die österreichischen Gasspeicher von der OMV Austria Exploration &
Production und der RAG Austria. Dabei handelt es sich um ausgeförderte
Gasfelder, die umgerüstet wurden. Sie liegen im Marktgebiet Ost, "das
sind sieben Bundesländer, die über ein zusammengeschaltetes Gasnetz
verfügen", erklärte Haber, nämlich ein Fernleitungs- und Verteilnetz.
Tirol und Vorarlberg werden über Deutschland mit Erdgas versorgt.
Speicherkapazitäten von fünf Unternehmen vermarktet
Vermarktet
werden die Speicherkapazitäten von fünf Speicherunternehmen: OMV Gas
Storage GmbH (OGS), RAG Energy Storage GmbH (RES), Uniper Energy Storage
Austria, Astora GmbH und GSA. Auf die OMV alleine entfallen ungefähr 26
Prozent (25,3 TWh) des Speichervolumens in Österreich und 40 Prozent
der an das Marktgebiet Ost angebundenen Speicher.
Die RAG nutzt ihre Kapazität vor allem für Österreich, Uniper nutzt die Speicher für Österreich und Deutschland.
Astora und GSA vermarkteten Gasspeicher in Haidach
Die
Gazprom-Töchter Astora und GSA haben den Gasspeicher in Haidach
vermarktet, der nur an das deutsche Gasnetz angebunden ist. Der Teil von
Haidach, der von GSA vermarktet wird, sei seit Sommer 2021 kaum genutzt
worden, sagte Carola Millgramm, Leiterin der Gasabteilung der
E-Control. GSA habe den Speicher selbst nicht befüllt, aber auch anderen
nicht ermöglicht, dort Gas einzulagern. "Es gab eine konkrete Anfrage,
die uns bekannt ist, die abschlägig beantwortet wurde", sagte Haber.
"Mit dem Use-it-or-lose-it-Prinzip wurde nun vom Gesetzgeber eine
Möglichkeit geschaffen, die verhindert, dass Kapazitäten lediglich
gehortet werden." Seit 1. August werde dieser Speicher nun wieder
befüllt, für die Vermarktung sei nun die RAG zuständig. Befüllt werden
soll der Speicher mit der staatlichen strategischen Reserve, die 22 bis
23 Prozent des österreichischen Jahresverbrauchs entspricht.
Der
Speicher Haidach insgesamt fasst gut 32 TWh Gas, davon entfallen auf
Astora über 11 TWh und auf GSA etwa 21 TWh. 14 TWh des GSA-Speichers
werden jetzt von der RAG vermarktet.
Haidach muss an österreichisches Gasnetz angeschlossen werden
Die jüngste Novelle des
Gaswirtschaftsgesetzes habe unter anderem zur Folge, dass auch Haidach -
wie alle Speicher, die auf österreichischem Gebiet liegen - an das
österreichische Gasnetz angeschlossen werden muss, sagte Haber. Außerdem
ist mit der GWG-Novelle die Option eines Market Makers zur
Bereithaltung von Gasmengen zur Sicherung der Versorgungssicherheit
geschaffen worden. Über die vorzuhaltenden Mengen und den Einsatz dieser
Mengen als Ausgleichsenergie entscheidet das Energieministerium, die
Market Maker werden über eine Ausschreibung ausgewählt und die Kosten
werden aus Bundesmitteln gedeckt. "Damit wird erreicht, dass
Speichermengen im Speicher vorgehalten werden und als Ausgleichsenergie
z.B. in den verbrauchsstärksten Monaten Jänner und Februar gesichert zur
Verfügung stehen", erklärte Haber.
Ebenfalls neu ist, dass Versorger von geschützten Kunden, das sind Haushalte und grundlegende soziale Dienste, der E-Control nun einmal jährlich nachweisen müssen, dass sie genügend Gas für 30 Wintertage eingespeichert haben. Bisher waren für diesen Nachweis auch Gas-Kaufverträge ausreichend.