Sigrid Maurer, die Klubobfrau der Grünen wirft der SPÖ Populismus vor. Die SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner agiere in der Teuerungskrise "wenig staatstragend", kritisiert Maurer.
Entsprechend zurückhaltend ist die Grüne Klubchefin Maurer, was eine mögliche Ampelkoalition nach der nächsten Wahl betrifft - sei die SPÖ doch auch beim Klimaschutz "eine Partei des Betons und des Benzins". "Nicht nachvollziehbar" ist für Maurer indes auch, dass die ÖVP Viktor Orbán "den roten Teppich ausrollt".
Sigi Maurer (Grüne) tadelt SPÖ: "Partei des Betons und Benzins"
Die Kritik der
Opposition, wonach Türkis-Grün zu wenig und zu langsam auf die enorme
Teuerung reagiere, weist Maurer erwartungsgemäß zurück: Man habe bereits
das dritte Entlastungspaket beschlossen, das mit 28 Milliarden Euro
auch "wesentlich größer" sei als in anderen Ländern wie Deutschland.
Vielmehr schoss die Grüne Klubobfrau den Ball zurück:
"Selbstverständlich ist es die Aufgabe der Opposition, die Regierung zu
kritisieren, aber etwas sachbezogenere, faktenbezogenere Vorschläge
wären schon angebracht." Die SPÖ mache "einen Haufen populistischer
Vorschläge", die von Ökonomen als nicht praktikabel beurteilt würden.
Die Regierung werde hingegen bis Ende des Sommers ein Modell für eine
"Strompreisbremse" vorlegen, das u.a. vom Wifo vorgeschlagen wurde und
"das tatsächlich praktikabel ist im Gegensatz zu Strompreisdeckel-Ideen,
wo man Strommärkte anderer Länder subventioniert".
Maurer: Renid-Wagners Aussagen sind "wenig staatstragend"
"Dafür, dass
die Frau Rendi-Wagner sich schon als nächste Kanzlerin geriert, halte
ich ihre Aussagen für äußerst wenig staatstragend", meinte Maurer. Die
Sozialdemokratie habe eine wichtige Rolle in der österreichischen
Demokratie, aber was sie derzeit abliefere, sei ihrer "historischen
Verantwortung und Tradition nicht würdig", meint die Grüne Klubobfrau.
"Seriöse Politik besteht aus sehr viel mehr als einem Taferl, das man im
Plenum in die Höhe streckt."
Maurer nicht grundsätzlich abgeneigt die OMV zu verstaatlichen
Nicht grundsätzlich abgeneigt wäre
Maurer allerdings bei der jüngsten Forderung der niederösterreichischen
SPÖ, die OMV wieder zu verstaatlichen. Zentrale Infrastruktur in
öffentlicher Hand mache sich bezahlt - die derzeitige Energiekrise sei
aber "wesentlich größer" als eine derartige Einzelmaßnahme und "diese
Diskussionen können die akute Situation jedenfalls nicht lösen", glaubt
Maurer allerdings. Die Grüne Energieministerin Leonore Gewessler habe
jedenfalls schon konkrete Schritte gesetzt, erinnerte Maurer etwa an die
Strategische Gasreserve. Gleichzeitig gehe es auch darum, unabhängiger
von Russland zu werden und die erneuerbaren Energien massiv auszubauen.
"Hier bleibt die SPÖ jeglichen Vorschlag schuldig - sie ist zum Schluss
trotzdem wieder eine Partei des Betons und des Benzins", befand Maurer.
Sigrid Maurer (Grüne) zur etwaigen "Ampelkoalition" zurückhaltend
Nach
einer etwaigen "Ampelkoalition" aus SPÖ, Grünen und NEOS nach der
nächsten Nationalratswahl gefragt, blieb Maurer zurückhaltend. "Wir
haben jetzt eine stabile Bundesregierung, die große Krisen zu bewältigen
hat, und die glaube ich in den letzten zweieinhalb Jahren auch bewiesen
hat, dass sie dem gewachsen ist." Man arbeite, und "ich sehe keinen
Grund, über Neuwahlen oder andere Koalitionskonstellationen zu
spekulieren". Nach einer Wahl gelte es zu schauen, welche
Konstellationen möglich sind, wobei für die Grünen die bestmöglichen
Antworten auf die Klimakrise zentral seien. "Die SPÖ hat in der letzten
Zeit eher nicht den Eindruck gemacht, dass ihr Klimaschutz ein
ernsthaftes Anliegen ist", findet Maurer.
Maurer will Rufe der ÖVP zur Verschiebung der CO2-Steuer nicht hören
Aber auch mit dem
derzeitigen Koalitionspartner läuft nicht immer alles rund. Die Rufe aus
der ÖVP nach einer weiteren Verschiebung der CO2-Besteuerung, dem
Herzstück der Grünen Regierungsbeteiligung, will Maurer nicht hören -
dies sei ausgeschlossen, betonte die Grüne Klubchefin.
Maurer nicht begeistert über Besuch Viktor Orbans in Wien
Nicht sonderlich begeistert zeigte sich Maurer auch ob des jüngsten Besuchs des ungarischen Premiers Viktor Orbán in Wien.
"Die rassistischen und antisemitischen Aussagen von Orbán sind absolut
inakzeptabel und es war wichtig, dass Kanzler Nehammer (ÖVP) das bei
seinem Gespräch mit dem ungarischen Regierungschef in aller Deutlichkeit
angesprochen hat", erklärte Maurer. Und dass Österreich mit seinem
Nachbarstaat Ungarn zusammenarbeite und Gespräche geführt würden, sei
legitim, gestand sie zu. "Es ist für mich aber nicht nachvollziehbar,
warum man einem Staatschef, der sich wiederholt antisemitisch und
rassistisch äußert, der sich mit seiner EU-feindlichen Haltung brüstet
und antidemokratische Bestrebungen hat, den roten Teppich ausrollt und
ihn mit militärischen Ehren empfängt", kritisierte Maurer.
Regierung ist bei Klimaschutzgesetz seit Langem säumig
Im
Herbst wollen die Grünen jedenfalls einige Materien wieder angehen, die
schon länger ausständig sind, darunter die Abschaffung des
Amtsgeheimnisses mittels Informationsfreiheitsgesetz. Ein Teil daraus -
die Veröffentlichung von Studien, die von Ministerien, Ländern und
Gemeinden beauftragt wurden - sei ja bereits beschlossen.
"Selbstverständlich ist unser Ziel, auch die restlichen Teile zu einem
positiven Abschluss zu bringen", betonte Maurer. Man habe den Eindruck,
dass sich Länder und Gemeinden hier jeweils hinter dem anderen
verstecken. Kogler und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP)
bemühten sich derzeit um Gespräche mit den Betroffenen, "um mal Tacheles
zu reden". Säumig ist die Regierung seit langem auch beim
Klimaschutzgesetz - Maurer zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass es
"in den nächsten Monaten" beschlossen wird.
Wahlen: Maurer ließ offen, wer an der Spitze der Grünen stehen wird
Mit wem an der Spitze
die Grünen in die nächste Nationalratswahl gehen sollen, ließ Maurer
offen. Spekulationen seien weder notwendig noch sinnvoll. "Werner Kogler
ist ein hervorragender Parteichef, wir haben mit Leonore Gewessler eine
extrem umsetzungsstarke Klimaschutzministerin, die in diesen
schwierigen Krisenzeiten die richtigen Antworten und sehr konsequente
Arbeit liefert."
Scharfe Kritik von Klubobfrau Maurer an der SPÖ
"Aus Klubobfrau Maurer und ihren aggressiven
Anwürfen gegen die SPÖ spricht die Verzweiflung", konterte der rote
Vizeklubchef Jörg Leichtfried am Sonntag in einer Aussendung, "kein
Wunder angesichts der schlechtesten Vertrauenswerte, die eine Regierung
je hatte". Eigene Vorschläge oder Lösungsansätze würden nicht
präsentiert, stattdessen werde bloß gegen die Opposition polemisiert.
"Das ist alles nur mehr hilf- und planlos", findet Leichtfried. Die
Grünen agierten oft nur noch als reine Befehlsempfänger der ÖVP. "Die
eigene Glaubwürdigkeit wird man auch nicht durch oberlehrerhafte Kritik
an der Opposition zurückgewinnen."