Vizekanzler Werner Kogler hat im Rahmen einer Prüfung bezüglich der ÖVP-Finanzen bisher 81.700 Euro Förderungen aus NPO-Fonds zurückgefordert.
Seit dem Frühjahr 2020 können Non-Profit Organisationen aus dem bei Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) angesiedelten NPO-Fonds Mittel beantragen, um besser durch die Coronakrise zu kommen. Parteien und ihre Teilorganisationen sind von diesem Topf eigentlich ausgeschlossen, dennoch haben mehrere ÖVP-nahe Organisationen davon profitiert.
Kogler forderte 81.700 Euro aus NPO-Fonds zurückgefordert
Das Kogler-Ressort hatte die
Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) damit beauftragt, genauer zu
prüfen, ob Fördernehmer, die formal gemeinnützige Vereine sind und damit
die Antragsvoraussetzungen erfüllen, laut Parteiengesetzes nicht
trotzdem Teil einer Partei und damit vom Fonds auszuschließen sind.
Üblicherweise erfolgen solche genaueren Prüfungen stichprobenartig bzw.
nach Hinweisen.
ÖVP-Finanzen: Großteil der Prüfungen läuft noch
Ein Großteil der Prüfungen - etwa zu drei
Seniorenbund-Landesorganisationen in Oberösterreich, Kärnten und Tirol -
läuft noch. Auslöser der tiefer gehenden Prüfungen war eine
NEOS-Anfragebeantwortung, die u.a. eine umstrittenen Förderung in Höhe
von fast zwei Mio. Euro an den oberösterreichischen Seniorenbund gezeigt
hat. Erste Ergebnisse liegen allerdings vor.
Ministerium forderte 24.700 Euro zurück
Der "Seniorenbundes
Vorarlberg" konnte laut Aussendung in seinen Stellungnahmen nicht
darlegen, dass eine von ihm getrennte Teilorganisation der ÖVP existiert
und eigenständig wirtschaftlich tätig ist. Das Ministerium hat deshalb
den gesamten Förderbetrag in Höhe von rund 24.700 Euro zurückgefordert.
Bei
den "Seniorenbund"-Landesorganisationen Oberösterreich, Kärnten und
Tirol war noch keine abschließende juristische Beurteilung möglich, die
Prüfung des Vereins "ab5zig (Wiener
Seniorenbund)" befindet sich laut Aussendung noch in einem früheren
Stadium. Die übrigen vier Seniorenbund-Landesorganisationen haben laut
einem Ressortsprecher keine Förderung aus dem NPO-Fonds beantragt.
Acht Ortsvereine müssen Förderung komplett zurückzahlen
Acht Ortsvereine der "Jungbauernschaft / Landjugend" müssen zudem die Förderung komplett zurückzahlen, "da aufgrund komplett fehlender Rückmeldungen ein Verstoß gegen die vertragliche Verpflichtung zur umfassenden Mitwirkung bei Kontrollen vorliegt". In Summe geht es dabei um fast 57.000 Euro. Die Prüfung der Vereine der Tiroler "Jungbauernschaft / Landjugend" ist größtenteils noch nicht abgeschlossen.
Unterdessen haben laut Aussendung mittlerweile die letzten Ortsgruppen der Jungen Volkspartei und des Wirtschaftsbundes die erhaltenen Förderungen zurückgezahlt, es ging bei den zwei JVP- und einer Wirtschaftsbund-Ortsgruppe um insgesamt knapp 16.300 Euro.
Aktionsgemeinschaft und Schülerunion dürfen aus NPO-Fonds beziehen
Bei
den ÖVP-nahen Studierendenvertretern der "Aktionsgemeinschaft" und der
ÖVP-nahen Schülervertetung der "Schülerunion" samt deren Teilvereinen
handelte es sich hingegen laut Prüfergebnis nicht um Teilorganisationen
der ÖVP im Sinne des Parteiengesetzes, diese dürfen demnach Förderungen
aus dem Fonds beziehen.
Andere Organisationen bisher nicht genauer überprüft
Andere Organisationen wurden mangels
Hinweises auf einen Status als Teilorganisation einer Partei nicht
genauer überprüft. Bisher wurden laut Ministerium rund 55.000 Anträge an
den NPO-Fonds bewilligt und mehr als 755 Mio. Euro ausbezahlt. Die
Anträge von ÖVP-nahen Organisationen stellten dabei eine Besonderheit
dar. Aus dem Umfeld der anderen Parteien gab es laut Beantwortung einer
parlamentarischen Anfrage so gut wie keine solchen Förderansuchen.
Deutsch warf Kogler Verschleppung des "Seniorenbund-Skandals" vor
SPÖ-Bundesgeschäftsführer
Christian Deutsch warf Kogler per Aussendung vor, "der
Seniorenbund-Skandal" werde verschleppt. Immerhin hätten schon der
Unabhängige Parteien-Transparenz-Senat (UPTS) und das
Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass es keinen Unterschied
zwischen dem Verein und der ÖVP-Teilorganisation Seniorenbund gäbe. Von
Bundeskanzler Karl Nehammer forderte er eine Aufklärung und die
Rückzahlung der Förderungen. "Es kann nicht sein, dass die ÖVP die
Republik als Bankomat missbraucht."
Scherak zeigte sich erfreut über die NPO-Fonds-Rückforderungen
NEOS-Vizeklubobmann Niki Scherak zeigte sich per Aussendung erfreut über die ersten Rückforderungen: "Jetzt wissen wir endlich schwarz auf weiß, dass die ÖVP und ihre Teilorganisationen sich zu Unrecht am Steuertopf bedient haben." Er erwarte sich nun eine rasche Entschuldigung Nehammers und aller Verantwortlichen, die das unrechtmäßige Verhalten verteidigt hätten. Außerdem müsse die ÖVP die Förderungen sofort und vollständig zurückzahlen und nicht auf die endgültige Beurteilung der einzelnen Vereine warten. "Die ÖVP muss endlich lernen, dass auch sie sich an Regeln und Gesetze zu halten hat und die Republik kein Selbstbedienungsladen ist."