Wissenschaflter aus Österreich und Frankreich konnten zeigen, dass der sogenannte "Müsli-Effekt" sich am Meeresboden beobachten lässt. Dieser kann die Schichtenabfolge des Meeresbodens durcheinanderbringen.
Bringt man Bewegung in eine Mischung aus verschieden großen und schweren Elementen, dann sorgt die Schwerkraft dafür, dass die feinkörnigen eher nach unten sinken und die größeren Mischungsmitglieder weiter oben landen. Landläufig lässt sich das in Müslis beobachten, was Forscher dazu verleitet hat, das Phänomen "Müsli-Effekt" zu nennen.
"Müsli-Effekt" am Meeresboden
Freunde von Nussmischungen ist der Effekt ebenso bekannt, wie Frühstückscerealien-Fans: Die großen Cashew- oder Paranüsse finden sich in der Packung meist oben, währen die kleinen Erdnüsse tendenziell in großer Zahl den Schachtelboden besiedeln. Demzufolge nennt sich das Phänomen auf englisch "Brazil nut effect" - also Paranuss-Effekt. Dafür verantwortlich ist das simple Faktum, dass kleinere Partikel schwerkraftbedingt leichter den Weg nach unten finden, wenn Bewegung in das heterogene Gemisch kommt.
"Müsli-Effekt" kann Schichtenabfolge am Meeresboden durcheinanderbringen
Geschieht dies recht rasch, wie etwa
bei einem holprigen Transport eines Müslis vom Supermarkt nach Hause,
können diese Abläufe von der Wissenschaft sehr gut nachvollzogen werden,
heißt es am
Donnerstag in einer Aussendung der Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik (ZAMG). Zusammen mit Forschern vom Institut de Physique du
Globe (IPGP) in Paris hat sich ZAMG-Geophysiker Ramon Egli nun aber auf
die Spuren des Phänomens am Meeresboden gemacht. Dort finden sich nämlich auch
größere Brocken, wie etwa Haifischzähne, Manganknollen oder relativ
grobkörnige Überbleibsel von Meteoriteneinschlägen mitunter überzufällig
häufig in höheren Ablagerungsschichten als eigentlich zu erwarten wäre.
Großflächiger sozusagen umgerührt wird am Meeresgrund jedoch in der Regel nicht.
Forscherteam untersuchte Rolle des "Müsli-Effekts" am Meeresboden
Ob der Effekt dort trotzdem eine Rolle spielt, hat das Team anhand eines markanten Ereignisses untersucht, das seine Spuren am
Boden des Indischen Ozeans hinterlassen hat. Dort finden sich bis zu
zwei Millimeter große Glaskügelchen, die ihren Ursprung in einem großen
Meteoriteneinschlag in Südostasien vor rund 788 Millionen Jahren haben.
"Auch
in diesem Fall liegen die meisten größeren Glaskügelchen oberhalb der
kleineren. Auf den ersten Blick wirkt das, als hätten die größeren, oben
liegenden Glaskügelchen den Ozeanboden erst bis zu 3.000 Jahre später
erreicht. Das ist aber nicht so", so Egli. Tatsächlich wirke auch hier der "Müsli-Effekt" - allerdings in quasi Superzeitlupe:
"Verantwortlich für diese Umverteilung ist eine vier bis 20 Zentimeter
dicke Schicht unter der Sedimentoberfläche, die von den darin lebenden
Organismen langsam durchgemischt wird. Größere Objekte, wie
Haifischzähne, können dabei genügend lang auf der Sedimentoberfläche
bleiben, um als Wachstumskeime für Manganknollen zu dienen."
Studie im Fachmagazin "Scientific Reports" veröffentlicht
In
ihrer im Fachmagazin "Scientific Reports" vorgestellten Studie konnten
die Wissenschafter anhand von Modellen zeigen, dass der Effekt in
geologischen Prozessen zwar um die zehn Milliarden Mal langsamer abläuft
als in Laboruntersuchungen, er aber trotzdem zum Tragen kommt. "Unser
Ansatz war: Können wir derart langsame geologische Prozesse mit dem Müsli-Effekt
erklären? Die Antwort ist: Ja, das ist möglich. Die Ergebnisse der
Simulationen ergaben ähnlich Verteilungen der Teilchengrößen, wie wir
sie auch in Ozeanproben beobachtet haben", erklärte der ZAMG-Forscher.
Neue Erkenntnisse können helfen Klimamodelle zu verbessern
Die neuen Erkenntnisse könnten nun u.a. dabei helfen, langfristige Klimamodelle zu verbessern. Da sich in Meeresablagerungen Hinweise auf das frühere Klima erhalten, sind sie eine wichtige Informationsquelle. Wenn nun genauer nachvollzogen werden kann, wie die geschichteten Ablagerungen durch den "Müsli-Effekt" nachträglich durcheinandergeraten, kann die Klimahistorie exakter abgebildet werden, so die Idee.