Im Sommergespräch von Puls 24 hält Grünen-Chef Werner Kogler trotz Vorstößen aus Teilen der ÖVP, die CO2-Steuer zu verschieben, an einer Einführung mit Oktober fest.
"Das Gesetz ist da und ich gehe davon aus, dass es in Kraft tritt", betonte er in dem Interview, das am heutigen Mittwoch um 20.15 auf Puls 4 ausgestrahlt wird. Immerhin wäre es schade für die Menschen, wenn der Klimabonus - diesmal einheitlich 250 Euro plus 250 Euro Inflationsabgeltung - nicht ausbezahlt würde.
Kogler hält aufgrund Teuerung an CO2-Bepreisung ab Oktober fest
Denn: "Würden wir auf die CO2-Bepreisung
verzichten, würde es auch keinen Klimabonus geben." Dieser bringe eine
Umverteilung von oben nach unten, weil Haushalte mit geringeren
Einkommen in der Regel auch weniger Energie verbrauchen, aber denselben
Klimabonus erhalten wie Haushalte mit mehr Energieverbrauch. Außerdem
liefere die CO2-Bepreisung einen Anreiz zum Energiesparen.
Kogler erteilte Forderungen nach Ende der Russland-Sanktionen Absage
Forderungen
nach einem Ende der Russland-Sanktionen angesichts der aktuellen
Teuerung erteilte Kogler mit Verweis auf die Kriegsverbrechen im
Ukraine-Krieg eine Absage. Russlands Präsident Wladimir Putin gehöre "in
den Arm gefallen" und die Sanktionen würden Russland sehr wohl treffen,
und das stärker als die EU. Die Sanktionen seien zudem nicht alleine
ausschlaggebend für die Teuerung in Europa, sondern die geringeren
Lieferungen von russischem Gas, die Sperre von Getreideexporten und
generelle Lieferengpässe im Gefolge der Coronapandemie.
"Schwierige Perspektive" wenn Putin Gaslieferungen einstellt
Sollte
Putin die Gaslieferungen tatsächlich komplett einstellen "dann haben wir
schon eine schwierige Perspektive, das muss allen klar sein". Aktuell
sei trotz reduzierter Lieferungen im Schnitt immer noch genug für die
kommenden sechs bis sieben Monate eingespeichert worden. Bis Oktober
soll der Speicherstand noch auch 80 Prozent kommen, das entspreche dem
Bedarf von neun bis zehn Monaten. "Das könnte gelingen, aber sicher ist
da gar nix." Die negativen Folgen für Wertschöpfung und Arbeitsplätze
könnten jene der Coronapandemie jedenfalls noch übersteigen.
Fracking in Niederösterreich bewertete Kogler zurückhaltend
Ideen,
durch das Anzapfen von Gasvorkommen in Niederösterreich durch Fracking
an mehr Gas zu kommen, bewertete er "sehr zurückhaltend um nicht zu
sagen zurückweisend". Um die Abhängigkeit von einem "Kriegstreiber und
de facto Kriegsverbrecher" zu beenden, brauche es kurzfristige
pragmatische Lösungen, die teilweise auch schmerzhaft seien. Bis zur
Nutzbarkeit des Fracking-Gases würde es aber sieben bis zehn Jahre
dauern und mittelfristig müsse der Fokus auf eine Energiewende legen.
Fracking würde dem zuwiderlaufen.
Regierung sei gut vorbereitet auf Gasenpässe im Winter
Auf Gasengpässe im Winter hat
sich die Regierung laut Kogler bereits gut vorbereitet: Es liege schon
ein mehrstufiger Energielenkungsplan dafür vor, wann bei Gasengpässen
was abgeschaltet werden müsste. Ein Notfall sei dann gegeben, wenn schon
länger überhaupt kein Gas mehr fließt: Angesichts der dann
explodierenden Gaspeise würden bestimmte Unternehmen freiwillig nicht
mehr produzieren und diese müssten dann verpflichtend dieses Gas
denjenigen anbieten, die es noch kaufen wollen und das wären jene, die
in der Wertschöpfungskette ganz oben sind. Sollte das nicht ausreichen,
würden die größten Industrieunternehmen auf Lieferreduktionen
hingewiesen. Bereiche, die auch Fernwärme mitliefern wie die Voest
würden weiterlaufen.
Verzicht auf Heizschwammerl in Winter-Schanigärten
Auf bestimmte Dinge wie die energieintensiven
Heizschwammerl für Winter-Schanigärten müsse man in einer Notsituation
wohl verzichten. Das hänge aber wie auch andere Szenarien wie eine
"Lichtsperrstunde" zur Einschränkung von Geschäftsbeleuchtung in der
Nacht oder ein Aus des Gondelbetriebs davon ab, wie eng es wird. Über
die Prioritäten entscheiden die E-Control und der Energielenkungsbeirat.
"Wenn dieser Fall eintritt, muss ich auch als Sportminister einsehen,
dass es eine dramatische Lage ist." Entscheidend für die Stärke von
Eingriffen sei die Frage, wann der Engpass eintritt, wie voll die
Speicher noch sind und wie viel Gas noch aus den diversifizierten
Quellen kommt.
Keine Mehrheit für Tempo 100 auf Autobahnen in Österreich
Für Tempo 100 auf den Autobahnen gebe es derzeit
zwar keine Mehrheit. "Aber wenn sich abzeichnet, dass bei Diesel oder
Benzin Engpässe auftreten könnten, wird dieses Instrument zu ziehen
sein." Das könne die Klimaschutzministerin mit Befassung des
Hauptausschusses des Nationalrats auch umsetzen, bei einer
entsprechenden Knappheit sei dafür wohl auch eine Mehrheit zu erwarten.
Kogler rechnet weiterhin mit hohen Spritkosten
Angesichts
der trotz gesunkener Rohölpreise weiter hohen Spritkosten hat Kogler
die Bundeswettbewerbsbehörde mit einer Sachverhaltsdarstellung befasst,
hier stehe noch ein Ergebnis aus. Außerdem gebe es Vorbereitungen, die
Übergewinne der Konzerne höher zu besteuern.
Wer die Grünen bei
der nächsten für 2024 geplantaen Nationalratswahl in den Wahlkampf
führen soll, ist laut Kogler noch nicht entschieden. Es gebe ein starkes
Regierungsteam und in den Bundesländern viele starke Leute an der
Spitze. Er selbst habe sich auch noch nicht entschieden, er bleibe
jedenfalls bis 2025 an der Parteispitze.