Ein österreichisch-ungarisches Wissenschafterteam hat Hinweise publiziert, dass ein seit vielen Jahren verwendetes Heuschnupfen-Spray eine Wirkung gegen das Coronavirus haben könnte.
Nur wenige Arzneimittel haben eine Wirkung gegen gezeigt. Trotz vieler unerfüllter Hoffnungen, geht die Suche weiter. Ein österreichisch-ungarisches Wissenschafterteam hat jetzt erste Hinweise dafür publiziert, dass das seit vielen Jahren als Heuschnupfen-Spray verwendete Azelastin, ein Antihistaminikum, in Zellkulturen einen Effekt hat. Erste Tests an Infizierten verliefen ebenfalls mit positivem Ergebnis.
Heuschnupfen-Spray mit möglicher Wirkung gegen Corona
Der österreichische Forscher Robert Konrat von den Max Perutz Labs sowie Experten von Calyxha Biotechnologies in Wien haben mit Beteiligung von Autoren vom Institut für Virologie der MedUni Innsbruck und ungarischen Forschungsstellen (z.B. Nationales Labor für Virologie in Pecs) mit einem Bioinformatik-Verfahren nach bereits zugelassenen Arzneimittel-Wirkstoffen gefahndet, die eventuell gegen Corona verwendet werden könnten. Dieses "Repurposing" (Neuverwendung; Anm.) mit der Erweiterung des Anwendungsgebietes bereits bekannter Substanzen hätte natürlich den Vorteil, dass man über ihre Struktur, Aufnahme und Abbau sowie ihre Sicherheitscharakteristiken bereits umfassend Bescheid weiß. im Zuge dessen wurde auch die Wirkung des in Heuschnupfen-Sprays verwendete Azelastin im Zusammenhang mit Corona geprüft.
Forscher auf der Suche nach bekannten Substanzen gegen Corona
In der Medizin gibt es - mit viele
Millionen Wirkstoffe umfassenden Substanzbanken in der pharmazeutischen
Industrie und vielen Tausend zugelassenen Arzneimitteln - dafür bereits
viele Beispiele. So werden ursprünglich als Antidepressiva entwickelte
und häufig verschriebene Medikamente mittlerweile auch gegen
Nervenschmerzen eingesetzt. Das ehemals als Blutdruckmittel vorgesehene
Minoxidil erlebte eine neue "Blüte" als Wirkstoff gegen Haarausfall. Oft
war es der Zufall, der zu solchem "Repurposing" führte, mittlerweile
versucht man das gezielter auf der Basis von Substanzstrukturmodellen
und anderen Informationen.
Das Experiment der Wissenschaftergruppe, wie sie es in "" beschreiben: "Wir verwendeten einen neuen rechnerischen Ansatz, um unter zugelassenen und kommerziell erhältlichen Arzneimitteln zu suchen. (...) Die vorhergesagte antivirale Aktivität eines dieser Mittel, Azelastin, wurde im Labor an Vero E6-Zellen (Zelllinie, abgeleitet von Nierenzellen von grünen Meerkatzen; Anm.) getestet. (...)." Die Zellen waren so verändert worden, dass sie vermehrt die Andockstelle für das Coronavirus, das ACE2-Enzym, bildeten. Auch im Labor gezüchtete Nasenschleimhaut-Zellen wurden verwendet. Die Kulturen wurden mit unterschiedlichen Varianten von Corona (Alpha, Beta, Delta) infiziert. Dann fügte man Azelastin hinzu.
Test der Wirkung von Arzneimittel Azelastin auf Coronavirus-Enzyme
Bei
Azelastin handelt es sich um einen sogenannten H1-Rezeptor-Antagonisten,
der einerseits den Rezeptor für das Allergie-Symptome auslösende
Histamin hemmt, andererseits die Antikörper-produzierenden Mastzellen im
Rahmen von allergischen Reaktionen stabilisiert und auch eine
antientzündliche Wirkung besitzt. Azelastin wird seit vielen Jahren
"klassisch" als Wirkstoff in Heuschnupfen-Nasensprays und in
antiallergischen Augentropfen verwendet. Die Forschergruppe bestimmte
den hemmenden Effekt verschiedener Konzentrationen auf SARS-CoV-2 im
Labor.
Azelastin reduziere den zellschädigende Effekt von Corona
Das Ergebnis: "Azelastin reduzierte den zellschädigenden
Effekt und die Zahl der SARS-CoV-2-Partikel sowohl bei präventiver (vor
Infektion; Anm.) als auch bei therapeutischer Anwendung an den
Vero-Zellen (...). Für die Alpha-, Beta- und Delta-Varianten wurde eine
vergleichbare Wirksamkeit festgestellt. Darüber hinaus: Auch die
fünffache Verdünnung (0,02 Prozent Azelastin) eines kommerziell
erhältlichen Nasensprays erwies sich als hoch potent in der Verhinderung
der Vermehrung der Viren in Nasengewebe-Kulturen."
Spray könnte ein wirksames Mittel gegen Coronaviren sein
Eventuell, so die Autoren, wäre das Antihistamin ein wirksames Mittel, um die Besiedelung des Nasentraktes mit dem Coronavirus zu verhindern. Die ersten Tests mit einem Spray an Corona-Infizierten haben bereits stattgefunden. Sie "bestätigten eine schnellere Beseitigung der Viren bei SARS-CoV-2-positiven Personen." Bis zu einem wirklichen Einsatz von Azelastin außerhalb solcher wissenschaftlicher Studien gegen das Coronavirus müssten natürlich noch umfangreiche klinische Studien durchgeführt werden. Zumindest in der Behandlung des Heuschnupfens gibt es zu der Substanz jedenfalls jährlich millionenfache Erfahrung. Sicherheit und Verträglichkeit sind sicher kein Problem.